03.08.2018

Nicht „ohnmächtig“, sondern hellwach: AFC vor 870 Zuschauern in Torlaune

Sandhop: „Altona ist nicht unsere Kragenweite“

Erzielte das frühe 2:0 für seinen AFC: „Flügelflitzer“ Niklas Siebert (li.), der nach einer guten Stunde geschont wurde. Foto: Klaas Dierks

Dass Berkan Algan nichts dem Zufall überlassen wollte, zeigte bereits der Blick auf die Aufstellung. Mit unveränderter Startelf – im Vergleich zur Oberliga-Saisoneröffnung beim HEBC (3:0) – pflichtete der Coach des Altonaer Fussball-Clubs dem Zweitrunden-Pokalduell beim SC Sternschanze die angemessene Bedeutung bei. Nach der äußerst souveränen und stilvollen Vorstellung seiner Schützlinge beim klassentieferen Hammonia-Landesligisten erklärte Algan: „Es lag auch ein bisschen daran, dass wir nicht viel versucht haben. Das bedeutet: Wir haben eine Mannschaft, die sich auch im Training bestätigt hat. Die anderen arbeiten ebenfalls wirklich gut, weshalb es nicht leicht war. Aber wir hatten auch keinen großen Grund, zu wechseln.“

Der erste von acht Streichen: Joshua Gebissa (li.) bringt das Runde im Eckigen unter. Foto: Klaas Dierks

Sternschanze-Trainer Mattes Sandhop stand einerseits die Enttäuschung über das sportliche Abschneiden ins Gesicht geschrieben. „Mega bitter – wirklich!", entgegnete er, als wir ihn auf das doch überraschend deutliche Endergebnis ansprachen. „Zum Schluss ist das viel zu hoch. Wenn wir 0:4 verlieren, ist alles gut. Vielleicht noch ein Tor schießen. Schade“, urteilte Sandhop. Andererseits: „Der Rahmen war natürlich total schön. Deshalb muss man das jetzt erstmal sacken lassen, dass wir heute ordentlich auf die Mütze gekriegt haben und ein bisschen down sind, andererseits aber so ein Event hatten. Es ist total positiv, das als Verein mitzunehmen – und es hat Spaß gemacht. Wenn wir jetzt noch auf dem Platz, ein, zwei Dinger weniger kriegen und ein Tor schießen, dann wäre es auch ein ‚Okay-Abend‘ gewesen. Aber so ist es natürlich erstmal bitter.“

870 zahlende Zuschauer sehen frühe Vorentscheidung

Nur wenig später veredelt Siebert (2. v. re.) ein Kunter-Solo zum 2:0. Foto: Klaas Dierks

Apropos Event: Vor 870 (!) zahlenden Zuschauern – insgesamt wohl an die 1000 Leute auf der ganzen Anlage – startete der AFC mit dem nötigen Ernst und zeigte gleich, dass die Pokal-Überraschung an der Schanze ausbleiben sollte. Nach einer Viertelstunde schien bereits eine kleine Vorentscheidung gefallen zu sein, keine vier Zeigerumdrehungen darauf konnte der Gast bereits für die nächste Runde planen. Denn: Erst erzielte Joshua Gebissa nach Linksflanke von Vincent Boock die frühe Führung (11.). Dann erhöhte Niklas Siebert nach einem herausragenden Solo von Pablo Kunter auf 2:0 (15.), ehe Kunter höchstselbst einen wunderbar vorgetragenen Spielzug im „One-Touch-Stil“ nach Vorarbeit von Eudel Monteiro zum 3:0 für den Favoriten veredelte (19.). „Ich glaube, deren ersten drei Torchancen waren gleich drin“, so Sandhop. „Wir haben uns das Spiel gegen HEBC angeguckt, da hatten die ähnlich viele Chancen – vielleicht sogar noch mehr. Heute haben sie aber fast alle Dinger reingemacht.“

Algan: „Wenn man dem Stein nicht aus dem Weg geht, ist man schon mal ohnmächtig“

Äußerst sehenswert war das zwischenzeitliche 4:0: Hischem Metidji (re.) überlupft SCS-Fänger Bartsch. Foto: Klaas Dierks

Weiter ging’s nach der Pause, als ein kapitaler Bock von Schanzes Max Meyer, dessen erster Klärungsversuch gründlich misslang, ehe sein Rückpass viel zu kurz geriet, den dritten Gegentreffer unfreiwillig einleitete. Nutznießer war Hischem Metidji, der den herauseilenden Patrick Bartsch technisch sehenswert überlupfte (55.). Nachdem Kapitän Marco Schultz einen Gebissa-Querpass aus 13 Metern im Eckigen unterbrachte (68.) und auf 5:0 für den AFC erhöhte, würde es für die „Schanzer“ in den Schlussminuten nochmal richtig bitter. Zunächst machte Kunter nach einem tollen Steilpass des eingewechselten William Wachowski im zweiten Anlauf das halbe Dutzend voll (82.). Dann sorgten Schultz – mit einem strammen 14-Meter-Flachschuss aus linker Position ins lange Toreck (87.) – und Abdullah Yilmaz, der an eine Ecke von Onur Saglam noch die Haarspitzen ranbekam (90.), für den 8:0-Endstand. „Die Jungs waren sehr konzentriert“, befand Algan. „Ich bin zufrieden“, erklärte er – und fügte an: „Auch wenn jeder es erwartet hat – aber der Pokal ist manchmal auch ein ganz, ganz differenziert zu betrachtender Stein. Wenn man dem nicht aus dem Weg geht, dann ist man auch mal ohnmächtig und schon ist es vorbei. Von daher bin ich froh. Die Mannschaft hat sich über 90 Minuten gut verhalten.“

Sandhop: „Altona ist nicht unsere Kragenweite - noch nicht“

Pablo Kunter war an vielen brandgefährlichen Situationen direkt beteiligt. Foto: Klaas Dierks

Im Endeffekt war es die Mannschaft, die sich bereits gegen den HEBC sehr konzentriert und spielfreudig zeigte. „Jedem Gegner gebührt der Respekt, ihn ernst zu nehmen. Denn auch wir befinden uns in einem schwierigen Prozess, den wir durchmachen – und da muss man fair sein, ohne jetzt groß auszuholen. Nichtsdestotrotz werden wir noch ganz andere Momente zu lösen haben. Wenn wir das dann auch so souverän machen, bin ich zufrieden mit dem, was wir bis jetzt geschafft haben. Aber noch ist es nur eine Momentaufnahme.“ Während Sandhop, dessen Mannen durch Jesper Hohagen (61.) und Nils Sörensen (78.) zumindest zweimal in die Nähe eines Anschlusstreffers kamen, bilanzierte: „Ein bisschen mehr Spannung wäre schön gewesen. Das haben wir nicht geschafft. Aber für uns ist Eidelstedt am Sonntag wichtig. Das ist unsere Kragenweite. Altona nicht – noch nicht“, schob er mit einem kleinen Schmunzeln an. Und am Ende durfte sich auch der SCS trotz des Ausscheidens wie ein Gewinner fühlen. Denn: Bei fast 1000 Besuchern sorgte der Verein für einen reibungslosen Ablauf und eine tolle Organisation. Und dass es auch innerhalb der Truppe zu stimmen scheint, wurde noch einige Stunden nach dem Abpfiff deutlich, als noch immer diverse Spieler, Trainer, Verantwortliche und Vereins-Sympathisanten gemütlich beisammen saßen und den Abend ausklingen ließen. Es sei ihnen gegönnt.

Autor: Dennis Kormanjos

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