10.06.2019

From dusk till „Dohrn“: Union siegt sich von der Malle-Party zur Aufstiegsfeier

Tornesch schafft mit 2:1-Erfolg gegen Lohbrügge den Sprung in die Oberliga

Alle Zeichen auf Aufstieg: Die Union-Spieler bejubeln den zweiten Treffer von Björn Dohrn (Dritter v. li., Nummer 24). Foto: KBS-Picture.de

Das kleine Utensil durfte nicht fehlen, als Björn Dohrn nach dem Aufstiegsspiel zur Oberliga zwischen dem FC Union Tornesch und dem VfL Lohbrügge (Hier gibt’s die Partie im Live-Ticker zum Nachlesen) zur letzten großen Tat des Tages schritt: Der ausgewechselte Stürmer musste nach seinen zwei Treffern, die Union vor 750 zahlenden Zuschauern auf der Anlage des Eimsbütteler TV am Lokstedter Steindamm den Sprung in die Oberliga sicherten, der Presse Rede und Antwort stehen. Dabei in der Hand des Angreifers: eine rote Plastik-Ente. „Das ist Kai“, lachte Dohrn und erklärte mit einem Augenzwinkern: „Er ist unser neuer Zehner für die nächste Saison. Der war auf Mallorca schon unser Spielmacher. Also musste er auch bei diesem Spiel dabei sein, damit wir gewinnen...“

Nun: Nicht Kai war letztlich derjenige, der den größten Anteil am Aufstieg der Tornescher hatte, sondern eben Björn Dohrn. Erst köpfte er nach drei Minuten im Anschluss an eine Ecke von Serge Haag zum 1:0 ein, dann war er in der 61. Minute zur Stelle, nachdem Jannek Laut im Anschluss an einen Alleingang nach innen abgelegt hatte. Ozan Gencel traf zwei Minuten vor dem Ende per Kopf zum Anschlusstreffer – doch reichen sollte das für den VfL nicht mehr. Auch, weil ein weiterer Treffer der Lohbrügger nicht zählte: In der bereits fünften (!) Minute der Nachspielzeit segelte ein Freistoß von Sandjar Ahmadi in den Strafraum und auch an Union-Keeper Norman Baese vorbei ins Netz, doch Referee Martin Ghafury (HSV Barmbek-Uhlenhorst) versagte dem Treffer die Anerkennung, weil der mit aufgerückte VfL-Schlussmann Alen Brandic im gegnerischen Strafraum Baese etwas zu unsanft attackierte. Entsprechend entschied Ghafury auf Freistoß. Zuviel für Brandic, der energisch und lautstark protestierte – und dafür die Gelbe Karte sah. Sein Coach Sven Schneppel, der den „Goalie“ vom Schiri wegzog, verhinderte sogar noch Schlimmeres.

Schneppel: „Wahnsinn, dass man in diesem Spiel einen Schiri mit Bezirksliga-Niveau ansetzt“

Lohbrügges Coach Sven Schneppel war nach dem Schlusspfiff mächtig angefressen. Foto: KBS-Picture.de

Doch auch der VfL-Trainer war frustriert und machte aus dieser Gefühlsregung nach dem Spiel keinen Hehl. „Wahnsinn, dass man in diesem Spiel einen Schiedsrichter mit Bezirksliga-Niveau ansetzt. Mehr möchte ich nicht sagen“, entfuhr es „Schnepp“ nach dem Spiel auf der anschließenden Pressekonferenz, während sein Trainerkollege Elvis Nikolic feststellte: „Erst gibt der Schiri das Tor, dann hat er irgendeine Blitz-Idee – wo auch immer die herkam. Es ist müßig, darüber zu reden. Er hat so entschieden. Es ist extrem brutal, dass er erst anzeigt, dass es ein Tor ist und den Treffer dann zurücknimmt. Das ist eigentlich der Wahnsinn. Aber da musst du ruhig bleiben und das akzeptieren.“ Der VfL werde nach der Niederlage jetzt „nicht aufhören. Wir erinnern uns alle an Jürgen Klopp (Trainer des FC Liverpool, Anm. d. Red.). Der hat das eine oder andere Endspiel verloren. Jetzt haben wir auch so ein Finale verloren, aber wir werden aus dieser Erfahrung noch stärker zurückkommen“, sagte Nikolic, dessen Elf man in den 90 Minuten am „Loki“ allerdings schon den Druck anmerkte, dass der VfL hoch wollte, während Union – so wie einst die Nationalelf Dänemarks als Nachrücker für Jugoslawien bei der Europameisterschaft 1992 – locker aufspielte, nachdem Coach Thorben Reibe schon in der Woche vorm Spiel hatte verlautbaren lassen, dass seine Equipe nicht zwingend „hoch“ müsse.

Doch damit zurück zu dem Mann, der nicht unbedingt unschuldig daran ist, dass Union sich nun in der kommenden Saison doch zu den 18 Teams in der Oberliga zählen darf. „Natürlich ist es nicht verkehrt, so ein Finale zu gewinnen. Aber auch auf Mallorca haben wir gut performt, so dass wir nach so einem Trainingslager so ein Spiel abliefern“, grinste Doppelpacker Björn Dohrn vom einen Ohr zum anderen – und leistete damit den besten Beweis, dass das „Saufgelage“ auf Mallorca, wie Union-Coach Thorben Reibe die Mannschaftsfahrt der Tornescher auf die Balearen-Insel im FussiFreunde-Video-Interview betitelt hatte, die beste Vorbereitung für die Equipe aus dem „Torneum“ gewesen war. „Ich glaube im Bierkönig auf Mallorca habe ich noch ein bisschen mehr Gas gegeben, aber für heute hat's ja gereicht“, ließ Dohrn das Match Revue passieren und erklärte: „Ich bin – so wie einige andere Spieler auch – erst am Donnerstag von der Insel zurückgekommen. Am Freitag haben wir ein Mal trainiert.“ Es sei nun, so der Stürmer weiter, „ein geiles Feeling“, aufgestiegen zu sein. „Ich hab einfach zwei Mal richtig gestanden. Beim zweiten Treffer hab ich ja nicht so viel gemacht. Da musst du halt stehen, wenn du ein Stürmer bist. Jannek Laut hat mit seinem 70-Meter-Sprint vorher einen guten Job gemacht“, sagte Dohrn. Nur eines passte irgendwie nicht: Dass die Party nach dem Aufstieg für den Helden nicht „from dusk till dawn (zu deutsch: Von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen, Anm. d. Red.) gehen wird: „Ich muss morgen wieder arbeiten, die Party wird kürzer“, so Dohrn.

Schwabe: „Unser Sieg ist nicht unverdient, aber es hätte auch anders ausgehen können“

Einmal kräftig zugepackt: Torneschs Tim Moritz (hi.) probiert Lohbrügge-Kapitän Anto Zivkovic zu stoppen. Foto: KBS-Picture.de

„Wenn man am Ende so ein Finale gewinnt, dann kann man nicht von unverdient sprechen“, gratulierte Minuten nach Dohrns Ausführungen Elvis Nikolic den Reibe-Kickern, die ohne ihren im Italien-Urlaub weilenden Coach auskommen mussten, „für uns reicht sich dieses Spiel nahtlos in die Saison ein.“ Auch dieses Mal, so der VfL-Übungsleiter war es „eine unfassbare Achterbahnfahrt. Wir geraten nach einer Standardsituation und einem anschließenden Querschläger in Rückstand und haben dann drei Hundertprozentige, die wir nicht rein machen. Da kann man noch zwei weitere Halbchancen obendrauf rechnen.“ Nach dem Seitenwechsel hätte sein Team dann „öffnen müssen. Wir mussten offensiver spielen. Tornesch macht so leicht den zweiten Treffer, obwohl wir die Situation verteidigen können und das fast auch schon getan hatten. Dann springt der Ball unserem Abwehrspieler an die Hacken und dem Gegner vor die Füße. Wir haben aber trotzdem nicht aufgesteckt und hatten eine große Chance durch Gencel, als er knapp rechts am Pfosten vorbei zielt. Dann kommen wir durch eine Standardsituation zum Ausgleich und dann kommt das Tor, das nicht zählt. Ein brutales Ende.“ Und auch für Schneppel war Gencels Chance aus der 70. Minute in der Nachbetrachtung nicht unwichtig: „Wenn er den da schon macht, hätten wir noch mehr Zeit für den Ausgleich gehab...“

Doch wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – und so durfte Martin Schwabe, der Co-Trainer von Thorben Reibe, in Abwesenheit seines „Chefs“ als Sieger und Aufstiegstrainer („Das will ich mal ganz schnell zurückwerfen. Thorben ist der Boss, ich der Co-Trainer. Das war mein einziges Spiel als Chef“) sein Fazit zur Partie ziehen. „Das war ein Spiel auf Augenhöhe. Wir kommen gut rein, gehen nach der Ecke und dem Querschläger in Führung. Das ist gut für uns gelaufen, wir haben uns das nicht groß erarbeitet, sondern hatten Spielglück. Danach waren die Spielanteile bei Lohbrügge. Ich war nicht zufrieden und hatte nicht das Gefühl, dass wir einen klaren Plan haben. Das sah ein bisschen durcheinander aus. Lohbrügge hätte gut und gerne ausgleichen können“ Entsprechend musste Schwabe in der Halbzeitpause nachjustieren: „Wir haben das letztlich sehr gut gemacht obwohl ich das Gefühl hatte, wir laufen auf dem Zahnfleisch. Unser Sieg ist nicht unverdient, aber es hätte auch anders ausgehen können“, sagte Schwabe, für den sich mit dem Aufstieg ein Kreis schließt: „Ich höre als Co-Trainer auf, trainiere in der nächsten Saison nur noch die A-Junioren. Für die Mannschaft freut mich der Aufstieg. Ich bin damals nach Tornesch zurückgekommen und hab vor sechs Jahren mit Union selbst noch in der Kreisliga gespielt.“ Ende gut alles gut, sozusagen. Oder in Anlehnung an den neuen, plastikroten „Zehner“ des Neu-Oberligisten: Ente gut, alles gut!

Jan Knötzsch

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