24.08.2019

Auch zu neunt: „Brutal effektive“ Rothosen bringen Osdorfer „Kinnladen“ zum Fallen!

HSV-Präsident Jansen eröffnet - Osdorf mit „gebrauchtem Tag“

HSV-Präsident Marcell Jansen (li.) brachte den Erfolg mit seinem Kopfballtreffer auf den Weg. Foto: Kusber

Sein Team führte zur Halbzeit mit 3:0 – und trotzdem war Marcus Rabenhorst „absolut nicht damit zufrieden, was wir defensiv gemacht haben“. Ein deutlicher Fingerzeig, welch seltsamen und eigenartigen Verlauf die Partie zwischen dem HSV III und dem TuS Osdorf (alle Highlights im LIVE-Ticker) nahm. Denn: „Wir haben viel Aufwand betrieben für Tormöglichkeiten und Ballgewinne“, konstatierte TuS-Trainer Philipp Obloch. Doch: „Die ersten drei Möglichkeiten des Gegners waren direkt drin. Das war schon ein bisschen komisch – aber Fußball ist nun mal so.“ Nämlich absolut unberechenbar. „Es war zur Pause nicht gerecht – aber am Ende müssen wir damit arbeiten“, so Obloch.

Osdorfs Toni Rohrbach (re., weißes Trikot) hatte per Flugkopfball die erste dicke Chance für sein Team. Foto: Kusber

Osdorf dominierte das Geschehen, der Aufsteiger erzielte die Tore. „Wir waren brutal effektiv, haben aus jeder Torchance ein Tor gemacht“, befand auch Rabenhorst. Dabei hätte seine Elf eigentlich „um ein Gegentor gebettelt und zu passiv verteidigt“. Allerdings wusste man die defensiven Lücken der Gäste gnadenlos auszunutzen und zu bestrafen. Den Anfang machte HSV-Präsident Marcell Jansen, der nicht nur in der Startelf stand, sondern seine „Rothosen“ nach einer Flanke des starken Jerry Sampaney per Kopf zugleich auch in Front brachte (16.). Nicht nur in jener Szene wirkte der Abwehrverbund der „Blomkampler“ extrem löchrig. Zehn Zeigerumdrehungen später guckten die bis dato noch unbesiegten Osdorfer nur zu, wie der ebenfalls glänzend aufgelegte Michele Morrone mit seinem Steilpass auf links Sepehr Nikroo perfekt in Szene setzte. Dessen Hereingabe legte Jansen für Dominik Jordan ab, der mit seinem abgefälschten Schuss aus elf Metern auf 2:0 erhöhte (26.), ehe Nikroo keine 60 Sekunden später – erneut leitete Jansen ein – nach Vorarbeit von Artur Krüger in den Winkel zum 3:0 traf (27.).

„Das hat uns natürlich den Stecker gezogen“

Der Führungstreffer für die Hausherren durch Jansen, dessen Kopfball in den rechten Giebel Tjark Grundmann keine Chance ließ. Foto: Kusber

Dennoch musste Rabenhorst eingestehen: „Gerade um den Strafraum herum waren wir zu passiv. Da war Osdorf viel aktiver, ist immer wieder ins Dribbling gekommen und angelaufen. Letztendlich hatten wir aber immer einen Fuß dazwischen.“ Und so konnte der TuS kein Kapital aus seiner Überlegenheit schlagen. Im Gegenteil. „Vorne im Anlaufen haben wir es ordentlich gemacht, den Gegner zu Fehlern gezwungen und so auch die Tore erzielt. Aber defensiv war das viel zu wenig.“ Sollte da im zweiten Durchgang eventuell noch etwas gehen für die Obloch-Mannen? „Wir haben uns gesagt, dass wir gucken, was noch möglich ist. Vielleicht kommt man zum 1:3 oder noch in eine Überzahlsituation. Stattdessen ist die erste Aktion das 0:4. Das hat uns natürlich den Stecker gezogen“, erkannte Obloch, nachdem Morrone für Marko Augustinovic durchsteckte und dieser freistehend keine Mühe mehr hatte (48.). „Das 4:0 fällt natürlich zu einem optimalen Zeitpunkt. Mehr geht eigentlich nicht. Das hat man den Osdorfern dann auch angemerkt. Da gingen die Kinnladen runter“, so Rabenhorst, der nichtsdestotrotz noch einmal zittern musste. Der Grund: Die von Obloch bereits angesprochene mögliche „Überzahlsituation“.

HSV III-Duo fliegt - trotzdem: „Nicht eine herausgespielte Chance in 20 Minuten“

Osdorf-Coach Philipp Obloch musste die erste Pleite einstecken - und was für eine. Foto: Kusber

Erst handelte sich der bereits gelbverwarnte Augustinovic nach einem völlig überflüssigen Foulspiel am Mittelkreis die Ampelkarte ein (67.). Keine 240 Sekunden darauf tat es ihm Teamkollege Krüger gleich (71.). Dem TuS blieben noch knapp 20 Minuten, eine der legendären Aufholjagden hinzulegen. Aber: „Da muss ich der Truppe ein riesengroßes Kompliment aussprechen. Denn wenn man mit acht Leuten in 20 Minuten nicht eine einzige herausgespielte Torchance vom Gegner zulässt, dann hat man das sehr souverän und richtig, richtig gut gemacht“, lobte Rabenhorst seine Schützlinge für das, was sie – nach Kritik im ersten Abschnitt – nun in der Arbeit gegen den Ball verrichteten. „Sie haben es gut verteidigt, wir haben es aber auch nicht gut gemacht“, meinte Obloch – und führte aus: „Wir hatten vorne keinen hohen Zielspieler. Die Bälle wurden alle entspannt weggeköpft, weil wir da vorne mit Samu und Prince zwei kleine Leute drin hatten. Da hat uns ‚Jerry‘ natürlich massiv gefehlt – das wäre eine andere ‚Kante‘ gewesen“, machte sich das Fehlen des rotgesperrten Jeremy Wachter deutlich bemerkbar. „Dazu muss man sagen, dass man solche Situationen in doppelter Überzahl ja auch nie trainiert. Und dann musst du beim Stand von 0:4 frustriert und hektisch dagegen anrennen. Da mache ich den Jungs gar keinen Vorwurf.“

„Hätte mich nicht gewundert, wenn der Elfer auch nicht reingegangen wäre“

Zwar holte der eingewechselte Felix Schlumbohm gegen Sampaney („Das war ganz sicher kein Elfer!“) noch einen Strafstoß für die Gäste heraus, den Mehmet Eren sicher verwandelte (85.). Zu mehr reichte es aber nicht. „Es war gefühlt so ein Tag, wo ich mich nicht gewundert hätte, wenn der Elfmeter auch nicht reingegangen wäre“, hatte nicht nur Obloch einen komplett gebrauchten Tag im Sinn. Während Rabenhorst seine „Rothosen“ – angesichts von neun Punkten aus fünf Spielen – „total im Soll“ sieht. „Nach wie vor wollen wir so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Jeder Punkt, den wir einfahren können, führt uns näher zum Ziel.“

Autor: Dennis Kormanjos

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