13.01.2019

Bei Nyarko-Debüt: Norderstedt-„Sixpack“ gegen „dünn besetzte“ Condoraner

Neumann: „Natürlich klingt ein 1:6 unschön“

Artistische Ballannahme von Condor-Stürmer Adrian Sousa (re.). Die Niederlage konnte aber auch er nicht verhindern. Foto: KBS-Picture.de

„Persönliche Eitelkeiten haben keinen Platz bei uns!“, stellte Florian Neumann nach seinem ersten Einsatz als neuer Chefcoach des SC Condor unmissverständlich klar – und fügte an: „Wer die an den Tag legt, der ist falsch bei uns und muss woanders hingehen. Es zählt nur die Mannschaft und der harte Abstiegskampf, damit wir am Ende überm Strich stehen – nichts anderes!“ Doch der langjährige Spieler der „Raubvögel“ weiß auch, welche Herkulesaufgabe ihm am Berner Heerweg bevorsteht. Im Testspiel bei Regionalligist Eintracht Norderstedt konnte Neumann gerade mal auf 15 Akteure zurückgreifen – darunter befand sich mit Kevin Weber sogar noch ein Spieler aus der Zweiten des Vereins.

Im Kampf um den Ball: Jordan Brown (li.) behauptet sich gegen Michael Löw. Foto: KBS-Picture.de

Klar, dass die dünne Personaldecke im Abstiegskampf am Ende ein entscheidender Knackpunkt sein kann. „Seit Dienstag bin ich ununterbrochen am Telefon. Aber egal, was man auch versucht, es ist verdammt schwer“, so Neumann, der beteuert: „An den Kontakten mangelt es nicht, aber auch andere Mannschaften haben das Problem einer hohen Fluktuation mit Verletzten oder Urlaubern. Wir sind im Austausch und werden spätestens zum Punktspielauftakt eine gute Mannschaft auf den Platz bringen, die auch ein, zwei Verstärkungen aufweist“, ist er sich sicher – und zog nach dem 1:6 gegen die Eintracht das Fazit: „Ungeachtet des Ergebnisses, die Bereitschaft war auf jeden Fall erkennbar.“ Insbesondere in der Anfangsphase hinterließen die Farmsener einen guten Eindruck. Doch mit fortlaufender Spielzeit nahm der Druck der Hausherren mehr und mehr zu. Die Folge: Erst überwand Felix Drinkuth mit einem flachen 19-Meter-Schuss Jung-Keeper Niklas Issem (18.), dann erhöhte der sträflich frei gelassene Marcus Coffie nach einem Koch-Eckball per Flugkopfball auf 2:0 (26.). Kurz vor der Pause hatte Incheol Choi – nach starker Vorarbeit von Michael Löw – die Riesenchance auf den Anschlusstreffer, schoss aber freistehend aus wenigen Metern am Kasten von Johannes Höcker vorbei (41.).

Heyne über Nyarko: „Das ist das, was wir brauchen“

Condor-Neucoach Florian Neumann gab immer wieder lautstarke Anweisungen und pushte sein Team. Foto: KBS-Picture.de

Dennoch: Die Garstedter kombinierten sich ein ums andere Mal relativ einfach durch die SCC-Hintermannschaft – und legten nach dem Seitenwechsel nach. Drinkuth traf zum 3:0 (57.), ehe Tayfun Can einen von Issem an Facklam verursachten Strafstoß zum 4:0 verwandelte (61.). EN-Trainer Heyne brachte daraufhin Hamajak Bojadgian, der nach seinem Kreuzbandriss das Comeback feierte, und Evans Nyarko (ehemals HSV II, Fortuna Düsseldorf II, Borussia Dortmund II, Holstein Kiel und zuletzt Wehen Wiesbaden), dessen Verpflichtung nach dem Spiel bestätigt wurde. Dem 26-Jährigen fehlt zwar noch die Spielpraxis, aber „er hat ja schon in Ansätzen gezeigt“, so Heyne, was man vom „Sechser“ erwarten darf. „Er hatte ein, zwei Balleroberungen und hat ein gutes Auge im Passspiel nach vorne. Das ist das, was wir brauchen.“

EN-Testspieler aus Frankfurter „Talentschmiede“

Verhindern konnte aber auch Nyarko den Ehrentreffer der Gäste nicht, als Adrian Sousa uneigennützig für Atnan Veseli querlegte (68.). Schlussendlich schossen Mats Facklam, nach Hereingabe von Dane Kummerfeld (72.), sowie Kevin Bartheld, dessen 18-Meter-Schuss vom Innenpfosten den Weg ins Tor fand (90.), jedoch einen „standesgemäßen“ Sieg, wie auch Heyne konstatierte, heraus – und machten das halbe Dutzend voll. Der 25-jährige „Testspieler“ Bartheld spielte in der Jugend für Eintracht Frankfurt und war in der Hinrunde beim FSV Fernwald in der Verbandsliga Hessen-Mitte aktiv. Dort gelangen dem gebürtigen Gießener in 13 Einsätzen sechs Tore und vier Vorlagen. Nun darf er sein Können vorerst bei der Eintracht unter Beweis stellen.

Neumann: „Alle sind gewillt und motiviert“

Felix Drinkuth traf doppelt für den Regionalligisten. Foto: KBS-Picture.de

Sein Trainer zeigte sich nach der Partie durchaus einverstanden mit der Gesamt-Leistung, meinte: „Die Einstellung hat gestimmt, die Mannschaft hat versucht, das umzusetzen, was wir in der Trainingswoche schon angerissen haben“, so Heyne, der das zu sehen bekam, „was ich erwartet habe“. Zudem tüftelte und feilte der 61-Jährige am System, ließ unter anderem mit Dreierkette und zwei Sturmspitzen agieren. Verzichten musste er hingegen noch auf Jan Lüneburg, Sinisa Veselinovic, Jan Novotny und Nick Brisevac. Noch deutlich höher war die Ausfallquote beim Oberligisten. „Der Kader ist sehr dünn besetzt, was sich dann eben auch in der Trainingsbeteiligung widerspiegelt. Du kannst in einem Testspiel mit 15 Leuten wenig agieren“, so Neumann, der dennoch befand: „Für uns war es wichtig, die Bereitschaft an den Tag zu legen, immer wieder in die Ordnung zu kommen. Das haben wir phasenweise gut gemacht – in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so. Aber alle haben Gas gegeben, nachdem wir gestern eine lange Einheit hatten. Natürlich klingt ein 1:6 unschön – aber im Endeffekt ist der Gegner ein Regionalligist gewesen. Und zwei, drei Tore haben wir zu einfach hergeschenkt.“ Abschließend gab Neumann zu Protokoll: „Alle sind gewillt und motiviert, aber es ist ein langer Weg.“ 

Autor: Dennis Kormanjos

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