10.09.2019

„Wir haben sicher vier oder fünf Punkte zu wenig – das ist keine Frage“

Trainer Matthias Wulff zieht nach sechs SVCN-Saisonspielen ein Zwischenfazit

Zum Haareraufen: Für den Geschmack von Trainer Matthias Wulff verspielte der SVCN bislang zu viele Punkte. Foto: Bode

Da stand er also nun nach dem Freitagabend-Spiel des SV Curslack-Neuengamme gegen den FC Süderelbe. Irgendwo im Halbdunkeln vor den Kabinen. Um erst einmal wieder runterzukommen und sich vom späten Ausgleichstreffer der Gäste zu beruhigen, gönnte sich Matthias Wulff schnell eine Zigarette und ließ anschließend nicht nur die 90 Minuten, die er gerade am Gramkowweg erlebt hatte, sondern auch den bisherigen Verlauf der Spielzeit 2019/2020 aus SVCN-Sicht Revue passieren – auch wenn es laut des Coaches der Gastgeber „nach sechs Spielen noch zu früh ist, viel Wert auf die Tabelle zu legen.“

Sechs Spiele? Ja! Für die Deichkicker steht schließlich noch die Austragung der wegen eines Ausfalls des Flutlichts abgebrochenen Begegnung gegen Hamm United auf dem Plan. „Das Spiel wird – so ist unsere Information – definitiv nachgeholt. Es ist bis jetzt allerdings noch nicht angesetzt. Wir müssen abwarten, wann der Verband die Partie an einem Abend unter der Woche terminiert“, erklärte Wulff, der zuvor an der Seitenlinie ein Szenario erlebte, das er aus dieser Spielzeit schon kennt: „Wir haben es wieder nicht geschafft, die Führung ins Ziel zu bringen“, ärgerte er sich nach dem Last-Minute-Ausgleich, den Marcel Rodrigues mit einem Solo einleitete. „Der Weg von der Ballannahme bis zum Sechzehner ist auch bei uns auf dem Platz über 30 Meter lang. Es waren einige Möglichkeiten da und ich habe einige Jungs gesehen, die hätten eingreifen können, weil sie bis dahin noch keine Gelbe Karte gesehen hatten. Und auch wenn sie schon eine gehabt hätten, dann hätte ich das in diesem Moment okay gefunden“, beschied Wulff.

„Wenn jeweils zur Halbzeit Schluss gewesen wäre, hätten wir jetzt 14 Punkte“

Marco Schubring (re.) traf bislang zehn Mal für den SVCN ins Schwarze – zu mehr als Rang elf langt es bislang aber nicht. Foto: Bode

Nun wollte Curslacks Coach garantiert nicht zur Unfairness aufrufen, aber augenscheinlich fehlt(e) es seinen Mannen ein bisschen an „Ekligkeit“. An der Cleverness, eine solche Situation eben auch mal zu unterbinden und so den „Dreier“, den man nach Marco Schubrings Führungstreffer zu diesem Zeitpunkt in der Hand hatte, auch nach dem Schlusspfiff auf dem Habenkonto zu besitzen. „Ja, wir haben darüber intern gesprochen. Im ersten Spiel gegen Tornesch haben wir eine Menge Gelbe Karten kassiert, anschließend fast nichts mehr – vielleicht eine pro Spiel. Es ist grundsätzlich okay, dass wir fair Fußball spielen. Aber im entscheidenden Moment mal ein 'kleines' Foul zu nehmen, um eben nicht in die Umschalt-Situation zu kommen – das ist eine Sache, die fehlt“, gab der 36-Jährige zu Protokoll. Kurz gesagt: Wo solche Szenen fehlen, fehlen eben auch die Punkte. Und am Ende in Summe eine bessere Platzierung im Klassement.

Derzeit sind die Curslacker auf dem elften Rang zuhause. Mit sechs Zählern hat das Wulff-Team dabei genauso viele Zähler eingefahren wie der USC Paloma auf dem 15. Platz des Klassements und nur einen mehr als der Meiendorfer SV, der als Drittletzter auf dem ersten regulären Abstiegs-Rang steht. Anders gesagt. Der SVCN steht dort, wo man nicht zwingend hingehört und auch nicht hin will. „Wenn die Saison perfekt läuft, werden wir Siebter“, hatte Wulff vor Beginn der Spielzeit im FussiFreunde-Sonderheft gesagt. „Mit der bisherigen Punktausbeute sind wir sicher nicht zufrieden. Wenn jeweils zur Halbzeit Schluss gewesen wäre, dann hätten wir jetzt 14 Punkte. Da sieht man mal, was grundsätzlich möglich gewesen wäre. Dass wir die nicht erreichen, ist okay. Aber wir haben sicherlich vier, fünf Punkte zu wenig – das ist keine Frage. Und die wären auch möglich gewesen, wenn man so Spiele wie gegen Süderelbe oder Osdorf sieht. Auch gegen Tornesch müssen wir dreifach punkten“, erklärt Wulff – in der Hoffnung, dass sein Team aus den Fehlern gelernt hat. Und es schafft, eine Führung auch mal über die Ziellinie zu bekommen...

Jan Knötzsch

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