Spieler bei EN, Sportchef beim ETV

Hölscher: „Perspektivisch war es immer das Allerwichtigste, eine Herren-Oberliga zu haben“

Spieler bei Regionalligist Eintracht Norderstedt, Jugendkoordinator und Sportlicher Leiter der Liga-Mannschaft beim ETV: Jasper Hölscher. Foto: Heiden

Er hat einst selbst den Sprung aus der „Juwelenschmiede“ des Eimsbütteler TV in den Herrenbereich geschafft und beim Aufstieg aus der Bezirks- in die Landesliga als absoluter Leistungsträger mitgeholfen. Inzwischen ist Jasper Hölscher beim ETV als Jugendkoordinator tätig – und kickt selbst für den Regionalligisten FC Eintracht Norderstedt. Doch damit nicht genug. Seit vergangenem Sommer hat er im Hintergrund auch den Posten als Sportlicher Leiter bei der Liga-Mannschaft des frisch gebackenen Oberliga-Aufsteigers vom Lokstedter Steindamm inne. Wir haben mit dem 24-Jährigen über die Entwicklung, die Rückkehr ins Hamburger Oberhaus, die Kaderplanung und sportliche Ziele gesprochen…

FussiFreunde: Jasper, verrate uns doch erst einmal, wie das mit dem Posten als Sportlicher Leiter bei der Liga-Mannschaft überhaupt zustande gekommen ist…

Jasper Hölscher: „Es war ja so, dass wir im August vergangenen Jahres, als Koray (Gümüs, Anm. d. Red.) von all seinen Aufgaben zurückgetreten ist, die Lösung mit Khalid als Cheftrainer gefunden haben und die Stelle des Managers im Prinzip unbesetzt war. Es hat sich dann einfach in der Praxis und im Prozess so eingespielt – dadurch, dass Khalid und ich zuvor schon in der Jugend zusammengearbeitet haben uns wir uns länger kannten –, dass die gesamte Kommunikation rund um die Organisation und alle sportlichen Themen, wo der Trainer Unterstützung braucht, und sämtliche Spieler- und Kader-Gespräche über mich liefen. Ich hatte über die hauptamtliche Stelle in der Jugend die Kapazität und kannte ja auch noch das ganze Team und alle Abläufe, da ich bis zum letzten Sommer noch dort gespielt habe. Erstmal war es nur provisorisch, da man ja auch erstmal gucken musste, wie es läuft mit der Zusammenarbeit und der ganzen Kommunikation im Drumherum. Dann hat sich das aber sehr schnell so eingespielt, dass wir im Winter letztendlich entschieden haben, nicht nochmal jemanden von extern zu suchen, der in die Struktur reinkommt, sondern es in der Konstellation weiterzumachen. Denn das Konzept, was wir fahren, ist ja so ausgelegt, dass es keine große Trennung zwischen der Jugend und den Herren gibt, sondern die Herren der direkte Übergang sind – wie von der U17 zur U19. Da ist das Ziel, dass sich das genau so entwickelt. Dementsprechend liegen die Themen-Gebiete so eng beieinander, dass es total Sinn macht, das aus einer Hand zu machen.“

Das heißt: Du hast den Posten eigentlich schon seit Sommer bekleidet – nur eben mehr oder weniger im Hintergrund?

Seit vergangenem Sommer schnürt Hölscher (re.) seine Stiefel für Regionalligist Eintracht Norderstedt. Foto: noveski.com

Hölscher: „Genau. Im Hintergrund eigentlich schon seit Beginn der Saison.“

Wie wichtig ist das für euch als Verein und vor allem auch für den Nachwuchs, dass die Liga-Mannschaft dieses große Ziel von der Oberliga geschafft hat?

Hölscher: „Wir haben immer schon – auch in den Jahren zuvor mit und unter Loïc (Favé, jetzt Co-Trainer beim FC St. Pauli; Anm. d. Red.) – gesagt, dass es das Allerwichtigste ist, dass wir perspektivisch eine Herren-Oberliga haben. Das war immer der nächste ‚Step‘. Viel wichtiger, als ob man zwischendurch mal in der Jugend-Bundesliga spielt oder eine C-Regio hat, damit man dem Großteil der Talente einfach eine Plattform bieten kann, sich im Herren-Fußball weiterzuentwickeln. Dass es immer mal Jungs gibt, die auch sofort Regionalliga spielen können, ist auch klar. Aber der Großteil ist eben mit einer Oberliga-Mannschaft schon sehr gut abgedeckt. Deswegen ist dieser Aufstieg auch für die Jugend extrem wichtig.“

Inwiefern habt ihr die Zeit schon genutzt und Gespräche für sowie über die kommende Saison geführt? Khalid Atamimi hat uns ja schon verraten, dass er auf jeden Fall an Bord bleiben wird…

Hölscher selbst schaffte den Sprung aus der Talentschmiede des ETV in die Vierte Liga. Foto: noveski.com

Hölscher: „Wir haben mit dem aktuellen Kader und auch mit dem Trainerteam eigentlich schon vor dem Winter gesprochen. Das Trainerteam hat verlängert und bleibt an Bord. Das war natürlich der wichtige Grundstein, da es sehr gut läuft. Mit dem Kader ist es so, dass wir eigentlich von allen Spielern die Zusage haben. Aber wir sind natürlich offen, wenn es Spieler gibt, die kurzfristig die Option haben, noch höher zu spielen, werden wir uns nie in den Weg stellen. Es soll also nicht heißen, dass alle Spieler uneingeschränkt verlängert haben. Denn es ist ja auch unsere Idee, dass wir der Ausbildungsverein sind, der die Spieler weiterbringt und dann auch für Höheres empfiehlt. Mit Theo Schröder wird uns definitiv ein Spieler in Richtung Regionalliga verlassen! Es gibt auch noch zwei, drei weitere Jungs, denen wir diesen Schritt zutrauen, wenn sich da etwas ergeben sollte, was für alle Seiten passt. Aber der Großteil hat uns die Zusage gegeben, Oberliga auf jeden Fall bei uns spielen zu wollen und nicht bei einem anderen Hamburger Team.“

Nun ist es ja schon eine besondere und außergewöhnliche Situation, als selbst noch relativ junger Spieler in der Regionalliga für Eintracht Norderstedt zu kicken und gleichzeitig Sportlicher Leiter bei einem künftigen Oberligisten zu sein. Wie unabhängig voneinander ist das – und wie bekommst du das unter einen Hut?


Hölscher: „Im Prinzip ändert sich für mich eigentlich gar nichts, da ich diese Konstellation ja seit Beginn der Saison habe, dass ich mich beim ETV um die Entwicklung der Trainer und Spieler kümmere – und bei Norderstedt einfach nur Spieler bin. Das klappt super und ist sehr gut abgestimmt. Ich bin beiden Vereinen sehr dankbar, dass es da keinerlei Probleme gibt, sondern sehr professionell abläuft. Es ist auch von den Arbeitszeiten sehr gut miteinander kombinierbar. Die Regionalliga ist natürlich schon nochmal ein anderes Level, so dass man da gar nicht in direkter Konkurrenz steht. Hinzukommt, dass wir uns beim ETV ja, wie schon angesprochen, als Verein sehen, der die Spieler weiterbringt. Das heißt: Wenn ein Spieler den Sprung zu Eintracht Norderstedt schafft, wie Michael (Igwe) oder ich selbst im letzten Jahr, dann ist das ja auch gar kein Interessenskonflikt, sondern eine Win/Win-Situation. Wir schaffen es wieder, einem Spieler die Möglichkeit zu bieten, Regionalliga zu spielen. Und Norderstedt freut sich über ein gut ausgebildetes Talent.“

Blicken wir doch mal auf die kommende Saison mit dem ETV in der Oberliga. Wie geht ihr das Ganze an – und wie lautet die Zielsetzung?

Beim ETV treibt Hölscher die Entwicklung im Jugendbereich voran und kümmert sich auch um die sportlichen Belange der Liga-Mannschaft. Foto: Heiden

Hölscher: „Ich glaube, womit wir ganz gut gefahren sind, auch dieses Jahr, ist ganz einfach der Aspekt, wirklich auf uns zu gucken und zu schauen, wie kann man das Team und die einzelnen Spieler bestmöglich weiterentwickeln. Khalid ist sehr akribisch und ihm geht es wirklich darum, jeden einzelnen Spieler über das Jahr ein bisschen besser zu machen. Natürlich war im Hinterkopf immer der Wunsch da, aufzusteigen. Aber es war nicht so, dass wir dieses 100-prozentige Ziel hatten, aufsteigen zu müssen. Es gab da überhaupt keinen Druck. Wir haben damals auch drei Jahre gebraucht, um aus der Bezirks- in die Landesliga aufzusteigen. Jetzt waren es – auch aufgrund von Corona – ebenfalls drei Jahre. Ich glaube, diesen Weg so zu fahren, dass wir sagen: Wir versuchen, das bestmögliche Training anzubieten und den Spielern die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, was Athletiktraining, Physiotherapie, ein Stück weit Teamcoaching und eben auch die sehr enge Unterstützung angeht.“

Was genau meinst du mit der „sehr engen Unterstützung“?

Hölscher: „Als Beispiel: Khalid spricht mit jedem Spieler sehr viel, ist nah dran, hört sich auch die privaten Probleme an und hat immer das Ziel vor Augen, die sehr vielen jungen Spieler weiterzubringen. Dadurch entwickelt sich ein guter Teamspirit und eine gute Kultur, so dass alle Bock haben, Gas zu geben. Und wir versuchen natürlich auch, unsere Spielidee weiterzuentwickeln. Dadurch spielen wir einen guten Fußball und die Ergebnisse sind dann das, was im besten Fall, von selbst kommen. Aber da legen wir nicht so direkt den Fokus drauf.“

Und wo liegt der Fokus in Sachen konkreter Zielsetzung?

Mit gerade einmal 24 Jahren übernimmt Jasper Hölscher bereits viel Verantwortung - auf und abseits des Platzes. Foto: noveski.com

Hölscher: „Wir warten mal ab, was geht. Man kann die Testspiele gegen Oberligisten nicht vergleichen. Und es ist immer noch so, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben. Wir rechnen mit Sicherheit nicht damit, dass wir jetzt durch die Oberliga durchmarschieren. Natürlich wäre es schön, wenn wir im ersten Jahr die Klasse halten. Und keine Frage, es wäre auch noch schöner, wenn wir sogar ein bisschen darüber hinauskommen. Aber wir wollen da gar kein konkretes Ziel ausgeben, sondern sind mit dem Weg, nur auf uns zu schauen und es bestmöglich zu machen, gut gefahren.“

Du hast die sehr junge Mannschaft bereits angesprochen. Nun geht es für euch in die Oberliga. Inwieweit ist da angedacht, den jungen Kader noch mit erfahrenen Spielern zu verstärken – oder werdet ihr den Weg kontinuierlich auch in der Oberliga so weitergehen?


Hölscher: „Also, es ist auf jeden Fall der Weg. Und es ist ja auch der Anspruch, dass wir sagen, wir wollen unsere Spieler durch die Jugend so gut ausbilden, dass sie theoretisch auch sofort in der Herren-Oberliga spielen können. Und man muss ja auch sehen, dass im Kader Spieler dabei sind, die zwar noch jung sind, diesen Weg aber schon seit fünf, sechs Jahren mitgehen. Ich finde, dass Erfahrung nicht immer mit dem Alter gleichzusetzen ist. Wir haben Spieler im Kader, die sechs Jahre Herren-Fußball gespielt haben – und zwar bei uns und mit unserer Idee. Diese Jungs sind dann in dem Aspekt schon sehr erfahren und können meiner Meinung nach auch Führungsspieler sein. Aber es ist auch immer so, dass wir ganz genau gucken. Und wenn es einen Spieler von extern gibt, der unsere Idee und unsere Werte verkörpert und sagt, er hat Bock, in solch einer Mannschaft vielleicht auch ein Stück weit die jungen Spieler anzuführen und weiterzubringen, dann werden wir uns natürlich damit beschäftigen. Aber es ist nicht so, dass wir ganz gezielt extern auf die Suche gehen, sondern der Fokus liegt immer erstmal auf den Spielern, die da sind – in der U19 und der U18. Der Grundsatz muss für uns immer sein, dass die Spieler – egal in welchem Alter – Bock haben, sich weiterzuentwickeln und generell etwas zu entwickeln.“

Was muss denn ein vom Alter her erfahrener Spieler haben, um „interessant“ für den ETV zu sein?

Hölscher: „Wenn da ein 30-jähriger Spieler ist und wir merken, der brennt noch, hat Lust, weiterzukommen und nochmal einen Schritt zu machen – vielleicht auch in einem besonderen Team –, dann ist das attraktiv. Wenn da aber ein Spieler ist, der 30 Jahre alt ist, acht Jahre Oberliga gespielt hat, will aber möglichst wenig trainieren, sich nicht mehr anstrengen, trotzdem spielen am Wochenende und dann auch noch möglichst viel Geld verdienen, dann passt es natürlich nicht.“

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