Testspiel

Erst "muckt" RSC-Youngster gegen Ex-Team auf, dann schlägt die "Vicky-DNA" mit aller Macht zu

Joel Osei Szillat brachte den "Underdog" aus Rahlstedt gegen sein Ex-Team früh in Front. Am Ende wurde es aber doch deutlich. Foto: Mathias Reß

Fünf Testspiele, 35 Tore: Im Stadion Hoheluft ist in der laufenden Winter-Vorbereitung Spektakel garantiert. Auch gegen den Rahlstedter SC ließ es der SC Victoria wieder einmal ordentlich krachen, von einem frühen Rückstand nicht beirren und schenkte dem Hansa-Landesligisten am Ende ein halbes Dutzend ein (die Highlights im LIVE-Ticker). "Wir haben eine brutale Qualität in der Offensive und Spieler, die schon 15 Plus Tore gemacht haben. Es ist einfach in der Mannschaft drin und auch deren DNA", so Vicky-Coach Marius Ebbers. Man habe beispielsweise im letzten Pflichtspiel vor der Winterpause gegen Concordia (10:1) gesehen, "dass die Jungs selbst nach einem 5:1 oder 6:1 nicht aufhören. Wenn sie können, dann spielen sie immer weiter."

Doch genau dieser Punkt bringt den Trainer der "Hoheluftler" ein ums andere Mal auch an den Rande der Verzweiflung. "Grundsätzlich ist das natürlich positiv, aber manchmal denkt man sich draußen auch: 'Jungs, jetzt holt doch mal Luft - das kann doch gar nicht gehen. Wo wollt ihr die ganze Kraft herholen?'" Und weiter: "Wir hatten zu 80 Prozent Kontrolle über das Spiel, aber in der zweiten Halbzeit auch eine Phase über 25 Minuten, wo uns so ein bisschen diese Kontrolle flöten geht, obwohl die Jungs in Ballbesitz sind, aber alle nach vorne spielen wollen. Da wünsche ich mir dann einfach, dass die Truppe auf Ballbesitz mit vielen Kontakten spielen", so Ebbers. Aber man habe eben auch Spieler dabei, "die 15 Kilometer im Vollsprint laufen, ohne dass es sie stört". Da wünsche er sich den einen oder anderen "Leader" auf dem Platz, der dann auch mal den Ton ergreift - und sagt: "Jungs, jetzt lasst uns mal wieder etwas Kontrolle ins Spiel bringen, das ist zu wild gerade." Aber, so der einstige Torjäger des FC St. Pauli, "es ist eben auch eine Qualität, den Gegner permanent unter Druck zu setzen und permanent zu nerven, indem man ihn immer wieder anläuft und vor Probleme stellt. Das können die Jungs. Aber ich wünsche mir eben auch, dass sie ab und zu mal Kontrolle reinbringen und Luft holen, um dann eine neue Phase zu starten." Diese Feinjustierungen müssen noch abgestimmt werden, gab "Ebbe" zu Protokoll. "Aber ansonsten war es ein guter Test und das, was wir sehen wollten."

RSC-"Shootingstar" ärgert Ex-Team - Ernst blüht auf, Shirdel trifft doppelt

Dabei startete der Oberliga-Dritte denkbar ungünstig in die Partie. Ausgerechnet der ehemalige Jugendspieler des SC Victoria, Joel Osei Szillat, düpierte Joshua Freude links im Strafraum und gab auch Hendrik Rabe im Tor das Nachsehen (3.). Freude war es auch, der kurz vor der Pause wenig Freude versprühte, als er gegen Lukas Baake zu spät kam und einen Strafstoß verursachte. Diesen beförderte der Gefoulte jedoch ans Lattenkreuz (45.). So gingen die Gäste mit einem knappen Rückstand in die Pause, da Tom Wohlers, nach feiner Stafette über Klaas Kohpeiß und Luca Ernst (12.), sowie Kohpeiß selbst nach diesmal mustergütliger Flanke von Freude per Kopf (27.) die Partie auf den Kopf stellten. Im zweiten Durchgang wechselte Ebbers die Grundformation bei seinem Team - und trotz des angesprochenen Leerlaufs gab es noch vier weitere Treffer zu bejubeln. Zunächst schnürte der äußerst spielfreudige Luca Ernst einen Doppelpack (52., 64.). Dann war auch "Comebacker" Mohamed Josef Shirdel zweimal zur Stelle (68., 87.) und schraubte sein Torkonto im dritten Testspiel nach seiner ewig langen Leidenszeit auf drei in die Höhe. Besonders sehenswert war sein Treffer zum Endstand, als er eine Hereingabe von Incheol Choi per Volleyabnahme im Kasten des machtlosen Lucas Lamm unterbrachte.

"Wir werden mit allen möglichen Mitteln versuchen, ihn Schritt für Schritt nach vorne zu bringen"

"Ich glaube, dass jeder in Hamburg weiß, was der Junge für eine fußballerische Qualität hat. Auch außerhalb des Platzes hat er ebenfalls eine unheimliche Qualität. Er ist jemand, der auch mal den Mund aufmacht, die Jungs unterstützt und ihnen hilft. Wenn der bei 90, 95 oder 100 Prozent ist, dann ist er für jede Mannschaft in der Oberliga ein absoluter Gewinn", schwärmte Ebbers von Shirdels Vorzügen - und erklärte: "Wir versuchen jetzt, ihn peu a peu an die Mannschaft heranzuführen. Heute hat er das erste Mal 90 Minuten gespielt, aber auch gerade schon in der Kabine gesagt, dass ihm alles wehtut. Es wäre aber 'ein geiles Gefühl', weil er das seit zwei Jahren so nicht mehr hatte. Deswegen versuchen wir, ihn mit allen möglichen Mitteln - mit Physio und unserer medizinischen Abteilung - immer einen weiteren Schritt nach vorne zu bringen", sicherte ihm Ebbers alle Unterstützung des Vereins zu. Kein Wunder, dass Shirdel direkt nach Schlusspfiff Physiotherapeutin Malin Neumann in die Arme fiel. "Wir wissen, dass er noch lange nicht bei 100 Prozent ist - und hoffen, dass er zum Ende der Serie auf dem Leistungsstand ist, um eine geile Saison-Vorbereitung zu machen und uns dann wirklich auch zu 100 Prozent helfen zu können", will Ebbers den 26-Jährigen langsam wieder an dessen Top-Niveau heranführen. Abschließend bilanzierte der Trainer des SCV: "Es war auf jeden Fall ein guter und wichtiger Test gegen einen guten Gegner. Natürlich wurde es hintenraus relativ deutlich und war auch verdient. Aber dafür, dass wir pro Halbzeit zwei verschiedenen Grundformationen gespielt haben, haben die Jungs das gut gemacht. Deswegen sind wir damit sehr zufrieden."

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