Landesliga Hansa

Der Trainer packt an: Kainzberger renoviert, plant – und holt neue „Raubvögel“ ins Nest

Condor-Coach Ralph Kainzberger hat die fußballfreie Zeit genutzt - und fiebert einer Rückkehr auf den Platz entgegen. Foto: Bode

Ralph Kainzberger hat die fußballfreie Zeit genutzt. Der Trainer des SC Condor besorgte sich einen Gewerbeschein und renovierte während des Lockdowns die Kabine der „Raubvögel“ – und das komplett eigenständig. „Ich hatte Langeweile“, verrät er uns mit einem breiten Grinsen im Gesicht – und konnte so zumindest ein wenig Kabinenluft schnuppern. „Den einzigen Wunsch, den ich den Jungs noch nicht erfüllen konnte, sind neue Trainingsbälle“, plaudert der 52-Jährige aus dem Nähkästchen – und verspricht: „Wenn wir die ersten fünf Spiele gewinnen, werde ich mich darum kümmern.“

Milos Ljubisavljevic (li.) und alle weiteren Leistungsträger bleiben den "Raubvögel" erhalten. Foto: Both

Zeitgleich trieb der Übungsleiter – im Verbund mit seinem Funktionsteam – die Planungen am Berner Heerweg für die kommende Saison voran. Sein Credo: „Ich möchte die Spieler nicht überreden, sondern überzeugen.“ Und das gelang Kainzberger mit Erfolg. Denn: Nahezu der gesamte Kader bleibt dem ambitionierten Hansa-Landesligisten erhalten. „Es gab gar keine Diskussionen, sondern ging komplett reibungslos vonstatten“, erzählt er uns. Ein Beispiel: „Michael Sara sagte nur zu mir: ‚Trainer, ich bin doch nicht hergekommen, habe noch nichts erreicht – und bin schon am Ende.‘“ Eine Einstellung, die der Großteil des Kaders teilte. Da es Kainzberger auch als seine Aufgabe ansieht, „den Jungs gerecht zu werden und ihnen eine ehrliche Einschätzung zu geben“, wird es aber auch den einen oder anderen Abgang geben.

Abgänge im "Raubvögel"-Nest

Während sich Miguel Marcus gegen die Konkurrenz in der Offensive nicht durchsetzen konnte, beim klassentieferen Bezirksligisten SC Alstertal-Langenhorn nun Werbung für sich machen will und die Farmsener „komplett im Guten verlässt“, wie auch Kainzberger meint, soll Jude Graßmann bei der eigenen „Zweiten“ des SCC nach langer Verletzungspause „wieder regelmäßig spielen, Selbstvertrauen tanken, zu alt-gewohnter Stärke zurückfinden und dann eventuell mit breiter Brust zurückkehren“. Nicht mehr dem Kader angehören werden auch Keeper Joao Victor Teixeira (zurück nach Portugal), Stürmer Igor Rodrigues da Costa (Ziel unbekannt) sowie eines der größten Mysterien im Hamburger Amateurfußball, Andrej Blum. Unter großen Vorschusslorbeeren wurde der einstige Torjäger und Torschützenkönig des Meiendorfer SV im vergangenen Sommer verpflichtet, aufgetaucht ist er am Berner Heerweg jedoch nie. Nun ist das Kapitel (vorerst) beendet.

Zwei Youngster an den Berner Heerweg

Angreifer Kevin Ferchen (re.) stürmt von BU an den Berner Heerweg und geht künftig für den SC Condor auf Torejagd. Foto: noveski.com

Den Abgängen stehen aber auch vier Neuzugänge gegenüber: Lui Kirsch wird aus der eigenen U19 in den Liga-Kader aufrücken, während Tom Meyer aus der A-Jugend-Regionalliga-Mannschaft des FC Eintracht Norderstedt zum SCC stößt. „Ich kenne seinen Papa Holger Meyer gut. Wir schätzen uns sehr. Ich hatte mit Tom ein super Gespräch, wir waren uns sofort einig. Er ist lernwillig und bringt beste Voraussetzungen mit“, lobt Kainzberger den Youngster, der – genauso wie auch Kirsch – die Riege der „jungen Wilden“ am Berner Heerweg erhöht. „Mehr für die Jugend tun können wir nun wirklich nicht. Die Jungs wollen lernen – und die Erfahrenen müssen ihnen dabei helfen, sie abholen und mitnehmen“, so Kainzberger.

Konkurrenzkampf im Tor: Trio fightet um die Nummer eins

Über den Wechsel von Schlussmann Yannick Jonas (TuS Dassendorf) zum Landesligisten hatten wir bereits berichtet. Der 29-Jährige soll den Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten weiter erhöhen, wie Kainzberger erklärt. Und das, obwohl man mit Maximilian Richter und Norman Volber bereits zwei starke Torleute in den eigenen Reihen hat. „Die Jungs müssen sich voll konzentrieren. Wir können uns einfach keinen Schwachpunkt erlauben, wenn mal jemand ausfällt“, begründet Kainzberger die Verpflichtung – und fügt an: „Yannick bat um eine faire Chance und scheut den Konkurrenzkampf nicht. Die Trainingsleistungen werden entscheiden, wer letztendlich spielen wird.“

BU-Angreifer Ferchen kommt - "Wollen nicht nach links oder rechts schauen"

Hatte trotz der Fußballpause alle Hände voll zu tun: SCC-Trainer Ralph Kainzberger. Foto: Bode

Der vorerst letzte Neue im Bunde ist Stürmer Kevin Ferchen (BU). Der Kontakt zum 23-Jährigen kam über Florian Rammer, Trainer des VfR Horst, zustande. „Ich hatte wirklich ein super Gespräch mit Kevin. Er ist noch jung, hat aber dennoch schon eine imposante Vita vorzuweisen“, so Kainzberger über den Angreifer, der vor seiner Zeit beim Hamburger Oberligisten bereits für Holstein Kiel II und Eutin 08 aktiv war.


 „Er ist super sympathisch, menschlich astrein, total bodenständig – und seine bisherige Vita spricht für ihn“, freut sich der 52-Jährige über seine neue Offensivkraft – und will mit den „Raubvögeln“ in der kommenden Spielzeit wieder angreifen: „Wir haben uns punktuell mit jungen und hungrigen Spielern verstärkt. Unser Ziel ist, nicht nach links oder rechts zu schauen. Mir ist völlig Wurscht, wer wie und was aufrüstet. Wir sind ein eingespieltes und gutes Team. Wenn die Gespräche alleine schon Punkte bringen würden, dann wären wir jetzt schon aufgestiegen“, witzelt er. „Es zeichnet uns aus, dass wir Bock aufeinander haben, uns hohe Ziele stecken – und diese auch erreichen wollen. Wir wollen leistungsbezogenen, guten Fußball spielen – und wenn wir das auf den Platz kriegen, dann muss man uns erstmal schlagen.“

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