Bezirksliga 01

Der SCP lässt einen vom Stapel – Ivanko tritt als TBS-Trainer zurück!

25. Oktober 2021, 14:42 Uhr

Mit seinem goldenen Tor zehn Minuten vor Schluss mutierte Sebastian Stapel zum Derbyhelden aus SCP-Sicht. Foto: KBS-Picture.de

„Ein Klemme findet so ein Spiel ja ganz nett“, hatte der Trainer des SC Pinneberg nach dem Derbysieg beim „FC Bayern der Staffel“ und Lokalrivalen TBS Pinneberg gut lachen. „Ich habe es schon vor der Saison gesagt – und dazu stehe ich auch nach wie vor: Wenn man sich solch einen Kader zusammenstellt, wäre es fast ein Unding, wenn man nicht Meister wird. Das wäre fast schlimmer, als wenn wir mit unserem Kader absteigen würden“, so Heiko Klemme im übertragenen Sinne.

Zweimal hatte Thies Raschke großes Abschlusspech, ein Treffer wurde ihm genommen - aber das Siegtor bereitete der Routinier vor. Foto: KBS-Picture.de

Man brauche sich nichts vorzumachen, führte Klemme aus. „Die sind ein absoluter Favorit und für uns waren das drei Bonuspunkte, die ehrlicherweise nicht einkalkuliert waren, aber die wir natürlich sehr gerne mitnehmen.“ Man könne „gar nicht genug Hüte vor der Truppe ziehen“, sprach der Coach des SCP auf die diversen Nackenschläge während der gut 95 Minuten an, die seine Mannen abschüttelten und wegsteckten. Ein Auszug: Vergebene Großchancen, ein zurückgenommenes Tor, ein nicht gegebener Platzverweis für den Gegner und eine vermutlich schlimme Verletzung von Kapitän Fabian Jensen, der kurz vor Ultimo einen Ball klärte und beim Aufkommen böse umknickte. Der Krankenwagen musste anrücken und Jensen abtransportieren. „Wir haben noch keine Diagnose, es kann wirklich alles sein“, befürchtet Klemme nichts Gutes. Daumen drücken, dass sich die Befürchtungen nicht bewahrheiten!

Tor nicht geben, Gelb-Rot nicht geahndet

„Wir sind gemeinsam durchs Stahlbad Müßentwiete gegangen“, brachte es der Übungsleiter der Gäste auf den Punkt. „Das war eine Riesen-Mannschaftsleistung! Ein Tag, an dem alles passte.“ Zumindest fast alles. Denn lange Zeit schien es so, als würde Thies Raschke zum Unglücksraben mutieren. Früh im Spiel schädelte er das Spielgerät ans Lattenkreuz. Im zweiten Durchgang befördert der Ex-Schenefelder die Kugel freistehend auf dem holprigen Geläuf über das Gehäuse. Und dann war da noch die ominöse 44. Spielminute, als Raschke das Leder nach einer Ecke von Jan Jania, die Andre Alves Lopes nicht festhalten konnte, über die Linie drückte. Nach Rücksprache mit seinem Assistenten nahm Referee Karsten Roos den Treffer jedoch zurück und wertete ein vermeintliches Foulspiel an den Keeper.

"Hört ihr, wie Ivanko euch lobt?!"

SCP-Coach Heiko Klemme durfte sich über den verdienten Derbysieg gegen "den FC Bayern der Staffel" freuen. Foto: KBS-Picture.de

Apropos Schiedsrichter: Unmittelbar darauf zeigte er Daniel Dias Mesquita zum zweiten Mal die Gelbe Karte, beließ es aber dabei und stellte ihn nicht vom Platz. „Ich war mir 100-prozentig sicher“, stellte Klemme den Unparteiischen zur Rede. Doch offenbar lag ein Missverständnis vor. Denn kurz vor Beginn des zweiten Abschnitts holte Schiri Roos SCP-Coach Klemme sowie die beiden Kapitäne zu sich und gestand den Fehler ein. „Das ist in meinen Augen aller Ehren wert! Und ich habe die Entschuldigung auch angenommen“, verriet Klemme, der mit seinem Team dennoch anstatt gegen zehn weiterhin gegen elf Ivanko-Kicker agieren musste.

Der TBS-Trainer wurde aufgrund der Leistung seiner Mannschaft in der Pause deutlich. „Hört ihr, wie Ivanko euch lobt?“, bekam man auch in der SCP-Kabine mit, dass es auf der anderen Seite laut wurde. Sehr laut sogar. „Ich weiß nicht, ob Andelko da ‚Turbo-Boost-Boxen‘ aufgebaut hat“, witzelte Klemme in unnachahmlicher Manier. „Aber natürlich haben wir das zur Kenntnis genommen, dass er offenbar nicht ganz zufrieden war mit seinen Jungs. Das haben wir als Lob für uns aufgefasst.“

Raschke atmet auf, Stapel setzt den Luckypunch

Trotz der ganzen Rückschläge blieb der Außenseiter locker und zermürbte den Favoriten weiter – und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir haben uns taktisch schon etwas einfallen lassen. Es war für mich logisch, dass wir uns tief stellen und immer wieder Nadelstiche setzen müssen. Auf Konter spielen und zusehen, dass wir die Räume eng machen und sie gar nicht erst Fußball spielen lassen. Das haben wir hervorragend hinbekommen“, strahlte Klemme – und konstatierte: „Sie hatten über 90 Minuten nicht eine vernünftige Torchance und haben es nicht geschafft, uns hinten großartig aus dem Konzept zu bringen.“ Vielmehr setzten seine Mannen den Luckypunch. Daran beteiligt: „Unglücksrabe“ Raschke. Dieser verlängerte „in Uwe Seeler-Manier mit der Platte“ einen langen Ball von Thomas Koster. Sebastian Stapel lief durch und spitzelte das Leder an Alves Lopes vorbei in die Maschen (80.)!

"Bei uns ist der Bekannteste vielleicht der Platzwart"

SCP-Kapitän Fabian Jensen verletzte sich nach einer Klärungsaktion beim Aufkommen kurz vor Schluss schwer. Gute Besserung! Foto: KBS-Picture.de

Das erlösende Tor für den SCP und überschwänglicher Jubel. Der David hatte den Goliath niedergerungen – und das verdientermaßen. „Der Unterschied ist ja schon mal, dass wir wegen der Sprit-Preise mit dem Fahrrad ankommen – und die alle mit dem Auto. Und bei uns ist der Bekannteste vielleicht der Platzwart“, scherzte Klemme, fügte aber gleichzeitig an: „Bei TBS sind wirklich sehr faire Sportsmänner, die auch gratuliert haben.“ Dabei gab es im Vorfeld nach der ersten Absage des Duells vor gut zwei Wochen noch das eine oder andere verbale Scharmützel zwischen beiden Parteien.

„Angeblich war man bei TBS ja sehr sauer darüber, dass wir das Spiel vor zwei Wochen aufgrund eines Corona-Verdachtsfalles, der sich glücklicherweise nicht bestätigt hat, platzen lassen mussten. Ich habe den Verantwortlichen aber auch klar gesagt, dass sie der FC Bayern der Staffel sind. Da verlieren wir von zehn Spielen normalerweise neunmal. Deshalb brauche ich da gar kein Theater zu machen. Das ist völliger Quatsch.“ So wurde das „Kriegsbeil“ schnell begraben.

SCP will "Sieg vergolden" - Ivanko tritt als TBS-Trainer zurück

Nach gerade mal sechs Ligaspielen ist Andelko Ivanko als TBS-Trainer von seinem Amt zurückgetreten. Foto: KBS-Picture.de

Durch den wichtigen Sieg konnte der SCP den Anschluss halten und die Hetlingen-Niederlage, „die mich sehr geärgert hat“, so Klemme, ein Stück weit vergessen machen. „Jetzt dürfen wir uns freuen und wieder mit breiter Brust einkaufen gehen. Aber wichtig ist am Freitag in Lieth. Da müssen wir etwas mitnehmen und den Sieg vergolden“, ehe die nächste Pause ansteht. „Das ist ja wie beim Zahnarzt. Da hat man mehr Löcher im Spielplan als gerade Dinger.“ Nie um einen guten Spruch verlegen, der Klemme!

Ganz anders die Situation bei TBS: Trotz der ganzen Namen und Oberliga-erfahrenen Spieler wie Juro Julardzija, Ersen Asani, Schlussmann Andre Alves Lopes oder auch Joel Weiß, die am Sonntag allesamt von Anfang an spielten, hinkt man den Ansprüchen hinterher. Ohne die fehlenden Abdullah Yilmaz, Tarek Abdalla und Devin da Ronch kam den Mannen von der Müßentwiete jegliche Durchschlagskraft abhanden. Dies führte nun offenbar dazu, dass Cheftrainer Andelko Ivanko die Reißleine zog und seinen Rücktritt bekannt gab! Dem „Pinneberger Tageblatt“ sagte Ivanko: „Die Mannschaft bringt ihre guten Trainingsleistungen einfach nicht auf den Platz“, habe seine Entscheidung ausschließlich sportliche Gründe.

Autor: Dennis Kormanjos

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