12.06.2019

„Das ist Neuland für mich, aber ein richtig reizvolles Projekt“

Ex-Rugenbergen-Coach Ralf Palapies wird U19-Trainer bei Eintracht Norderstedt

Vorfreude auf die neue Aufgabe: Ab 1. Juli traintert Ralf Palapies die A-Jugend von Eintracht Norderstedt. Foto: KBS-Picture.de

Bis zum Ende der gerade abgelaufenen Saison trainierte er nach seinem (Wieder-)Einstieg als Nachfolger seines Nachfolgers Thomas Bohlen den SV Rugenbergen in der Oberliga. Dass Ralf Palapies nach dem Ende der Spielzeit, in der er den Klassenerhalt der Bönningstedter noch realisierte, wieder abtreten würde, war von vornherein klar. Nicht aber, was der 49-Jährige in der kommenden Spielzeit machen würde. Jetzt steht fest: „Pala“ wird in der kommenden Serie wieder als Trainer an der Seitenlinie stehen. Allerdings nicht in der Oberliga, sondern im Nachwuchs von Eintracht Norderstedt. Er übernimmt die U19 der Garstedter. Wir haben mit „Pala“ über die neue Aufgabe, seine „alte Liebe“ Rugenbergen und die Ziele bei „EN“ gesprochen.

„Pala“,wie man im Hintergrund hört, bist du gerade im Auto unterwegs. Ist das schon die erste Dienstfahrt für den neuen Verein?

Ralf Palapies: Stimmt, ich sitze im Auto. Also nicht davon stören lassen, wenn die weibliche Stimme des Navigationssystems dazwischen redet (lacht). Ich bin auf dem Weg nach Jenfeld. Ich muss aber zu keiner Verhandlung oder mir meine Strafe anhören, sondern ich bin zur Sichtung unterwegs. Ich mache gerade meine B-Elite-Lizenz und da gehören Sichtungen dazu.

Ab dem 1. Juli bist du neuer Coach der Eintracht-U19. Erzähl doch mal: Wann und wie kam der Kontakt zustande?

Palapies: Kurz nachdem Jens Martens von der U19 zur Regionalliga-Mannschaft aufgerückt ist und ich wieder Trainer in Rugenbergen wurde, sind wir uns in Norderstedt begegnet. Ich war da am Platz, weil mein Sohn bei der Eintracht in der Jugend spielt – in der U12/U13. Jens, den ich sehr lange kenne, und ich sind dann irgendwie ins Quatschen gekommen. Er hat mich gefragt, was ich nach der Tätigkeit beim SV Rugenbergen machen würde. Ich hab' ihm erzählt, dass ich eine Pause machen wollen würde – es sei denn, es kommt etwas Reizvolles oder Spannendes. Kurz danach hat er sich nochmal bei mir gemeldet, wir haben etwas detaillierter über die Trainerposition der U19 gesprochen. Dann gab's Gespräche mit Jens, Präsident Reenald Koch, Jugendleiter Ekkehard Bushe und mir, in denen wir uns sehr grün waren. Und dann hat das Ganze seinen Lauf genommen...

Was macht die Aufgabe in Norderstedt aus deiner Sicht denn so spannend und reizvoll? Du arbeitest ja nun zum ersten Mal für einen Verein im Nachwuchsbereich...

Bei den Garstedtern will der 49-jährige Coach mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an die Herren heranführen, als dies zuletzt der Fall war. Foto: KBS-Picture.de

Palapies: Richtig, das ist komplettes Neuland für mich. Ich werde 17- und 18-Jährige trainieren, die zum Teil in einem Jahr in den Herrenbereich gehen. Bisher war es immer so, dass ich als Trainer in der Oberliga solche Spieler aus der A-Bundesliga oder -Regionalliga bekommen habe. Jetzt stehe ich als Trainer auf der anderen Seite. Ich freue mich auf die Aufgabe und will gucken, wie der Leistungsstand ist, wen man in den Herrenbereich führen kann. Es ist total spannend, weil ich noch nicht weiß, was mich erwartet: Wie sind die Jungs? Wie ist ihr Leistungswille, ihre Bereitschaft? Was kann man ihnen mitgeben? Wo und wie kann man sie verbessern? Was wollen sie erreichen? Das ist aus meiner Sicht ein richtig reizvolles Projekt. Ich hätte auch einen ambitionierten Bezirksligisten als neuen Verein übernommen, wenn da ein spannendes Angebot gekommen wäre. Mein Hauptantrieb ist der, dass es eine Leistungsorientierung geben muss – egal wo.

Inwiefern hat die neuerliche Zeit in Rugenbergen mit dem Erreichen des Klassenerhalts dafür gesorgt, dass du nach deiner Pause neues Blut in Sachen Trainerdasein geleckt hast?

Palapies: Fußball ist einfach in mir. Ich war auch in der Zeit ohne Trainerposten bis zu drei oder vier Mal in der Woche auf oder an einem Sportplatz, weil mein Sohn Fußball spielt. Fußball bestimmt halt mein Leben. Ich wollte, als ich im letzten Sommer beim SVR aufgehört habe, einfach was Neues. Die Oberliga ist super, ich mag sie unheimlich. Und sie ist unheimlich spannend. Aber so lange, wie ich dabei war, kennt man halt am Ende alles und jeden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich irgendwann nochmal wieder in der Oberliga auftauche. Aber jetzt stehen für mich erstmal meine 25 leistungsfähigen Jungs in der U19 im Fokus.

Mit welchem Ziel gehst du die Aufgabe in Norderstedt an? Zählt eher die Entwicklung der Spieler oder guckst du verstärkt auf die Tabelle?

Palapies: In erster Linie freue ich mich, dass ich junge Spieler an den Herrenbereich heranführen kann. Wir wollen den eigenen Nachwuchs noch enger an unsere Herrenmannschaft und in diese hinein führen. Wenn es Spieler aus der U19 in den Regionalliga-Kader der Eintracht schaffen, dann wäre das toll. Wenn sie am Ende so qualifiziert sind, dass es sie zu noch höherklassigeren Adressen verschlägt, dann dürften wir auch nicht viel falsch gemacht haben. Vorrangig wollen wir mehr Spieler aus der eigenen Jugend nach oben in die „Erste“ bringen, als das in den letzten zwei, drei Jahren der Fall war. Die Durchlässigkeit dahin muss größer sein. Was die Tabelle angeht: Wer mich kennt, weiß, dass ich immer gerne das Maximale erreichen möchte. Aber das wollen andere Vereine auch. Unser oberstes Ziel ist es, in der A-Jugend-Regionalliga die Klasse zu halten.

Mit einem Augenzwinkern gefragt: Mit Dirk Heyne und Jens Martens rückten die letzten beiden U19-Trainer der Eintracht zum Regionalliga-Coach auf. Wann sehen wir dich in der „Regio“?

Trotz seiner neuen Aufgabe will Palapies weiterhin auch die Oberliga und den SV Rugenbergen im Blick halten. Foto: KBS-Picture.de

Palapies: Daran verschwende ich keinen Gedanken. Ich besitze ja nichtmal die nötige Lizenz dafür. Am Stuhl von Jens Martens zu sägen, liegt mir fern. Das ist absolut nicht mein Ziel. Ich möchte in meiner neuen Funktion mit meiner neuen Mannschaft viel Spaß haben und möglichst viel erreichen.

Zurück zur Ernsthaftigkeit: Blickst du trotz des Schrittes raus aus der Oberliga noch auf den SV Rugenbergen und die Entwicklung dort?

Palapies: Ja, allein schon, weil ich mit meinem Nachfolger Andelko Ivanko 1989 zusammen beim VfL Pinneberg gespielt habe. Vielleicht werde ich es sogar schaffen, mir das eine oder andere Spiel anzusehen. Auf jeden Fall werde ich aber auf die Aufstellungen gucken, wer spielt und was die Mannschaft so erreicht. Rugenbergen ist immer noch ein toller Club. Ich werde die Oberliga und den SVR im Blick halten. Mit Rugenbergen habe ich übrigens in der Vergangenheit auch Testspiele gegen Norderstedts A-Jugend absolviert. Das waren immer spannende und gute Partien, auch wenn ich nicht mehr weiß, ob wir immer gewonnen haben...

Wenn du jetzt ein Spiel mit Ivanko vereinbaren würdest, und deine A-Jugend Rugenbergen schlägt, würdest du zumindest wissen, wer gewonnen hat...

Palapies: ich mag beide Clubs und Mannschaften. Da könnten wir uns auch auf ein Unentschieden einigen. Das wäre okay... (lacht)

Interview: Jan Knötzsch 

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