Landesliga Hansa

Andrade-Granados: „Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, kannst du die Prüfung auch nicht bestehen“

08. September 2020, 13:10 Uhr

Kritischer Blick: Für Coach Daniel Andrade-Granados und den SVNA läuft die Vorbereitung bisher alles andere als rosig. Foto: Bode

In der vergangenen Saison lief es für den SV Nettelnburg-Allermöhe mehr schlecht als recht. Letztlich hielt die Mannschaft vom Henriette-Herz-Ring durch den von Corona herbeigeführten Abbruch der Spielzeit immerhin die Klasse und spielt auch in der kommenden Saison in der Landesliga Hansa. Wie schwer es dort für die Mannschaft von Trainer Daniel Andrade-Granados, aus der sich diverse erfahrene Kicker verabschiedet haben und für die außer Lukas Sosonowski bislang nur „Youngster“ als Zugänge geholt wurden, werden könnte, zeigen die ersten Ergebnisse der Vorbereitung. Einem 0:4 gegen den USC Paloma II folgte am vergangen Mittwoch ein 2:3 gegen den SC Vier- und Marschlande. Wir haben mit Andrade-Granados über die Niederlagen gegen die Bezirksliga-Clubs, die aktuelle Situation und einen weiteren Abgang gesprochen...   

Dass die Lage allein schon ob der Resultate alles andere als rosig ist, weiß Andrade-Granados selbst, doch zuletzt kam obendrein nun auch noch mehr dazu: Sein für den vergangenen Samstag geplantes Testspiel gegen die „Erste“ des USC Paloma musste der SVNA absagen. Nicht, wie Spötter schon behaupteten, um nicht nach zwei Niederlagen gegen Bezirksligisten gegen einen Oberligisten Gefahr zu laufen, völlig abgeschossen zu werden. Nein, schlicht und einfach, weil es die Personaldecke des Hansa-Landesligisten nicht zuließ. „Unter der Woche im Test gegen den SCVM haben sich vier Mann verletzt“, berichtet uns Andrade, der an besagtem Samstag auch ohne Torhüter dagestanden hätte.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es eine schlechte Saison wird – aber auch nicht, dass sie gut wird“

Der 40-jährige Coach findet bei der Suche nach den Gründen klare Worte. Foto: Bode

„Es waren zwar keine schlimmen Verletzungen dabei, aber eben muskuläre Sachen, die einen Einsatz unmöglich gemacht haben. Und so hast du dann auf einmal mit den weiteren Ausfällen nicht mehr 24 Mann zur Verfügung, sondern nur noch 14 Spieler. Es hätte keinen Sinn gemacht, die Mannschaft mit Spielern aus unserer Reserve aufzufüllen, die in der Kreisklasse spielt. Es tat mir leid für Paloma, dass wir das Spiel absagen mussten. Glücklich bin ich darüber zu diesem Zeitpunkt natürlich auch nicht gewesen. Aber wir haben momentan einfach das Pech auf unserer Seite“, sagt „DAG“, der bislang ergo also wenig Zeit und Gelegenheit hatte, sich mit seiner Truppe, in der Lukasz Sosnowski unter den Neuzugängen der einzige ist, der wirklich langjährige Erfahrung mitbringt, einzuspielen und ideal auf die neue Saison vorzubereiten.

Die dürfte, das weiß auch Andrade-Granados, vermutlich nicht zu einem Zuckerschlecken für den SVNA werden, nachdem schon die vergangene Spielzeit eigentlich ziemlich verkorkst war. „Die Lage ist prekär“, nimmt der 40-Jährige dann auch offen und ehrlich kein Blatt vor den Mund und konstatiert: „Die Corona-Pause hat uns alles andere als gut getan. Wir hatten die Chance, uns in der langen Untebrechung in uns zu kehren und einen Weg zu finden. Geht man nach den Ergebnissen, dann ist es uns nicht gelungen, in die richtige Richtung zu gehen.“ Klare Worte – aber warum funktioniert der SVNA anno (Spät-)Sommer 2020 nicht so, wie er soll? „Das hat nichts mit fehlenden Führungsspielern oder mangelnder Erfahrung zu tun“, sagt „DAG“, sondern betont vielmehr: „Jeder muss bei sich selbst anfangen. Sich fragen, ob er mit seinem Körper pfleglich umgeht, keine Verletzungen provoziert und den richtigen Aufwand im Training und im Spiel betreibt.“

„Man kann sich ausmalen, dass eine Trennung von so einem Spieler nicht grundlos passiert“

Auf dem Absprung: Philip Stefaniuk zählt nicht mehr zum SVNA-Kader und will wohl zum ETV wechseln. Foto: Bode

Die bisherigen Resultate der Vorbereitung will der SVNA-Coach „nicht zu hoch bewerten. Wir haben uns als Verein sehr genau an die Empfehlungen gehalten, was das Training in der Corona-Zeit angeht. Wir mussten feststellen, dass andere Mannschaften nach der Pause weiter waren als wir. Wir sind noch in der Findungsphase“, befindet Andrade-Granados zwar, doch der Kritikansatz ist sichtbar: Es scheint eine Einstellungssache zu sein. Ein Kopf- oder Motivationsproblem, das sich eingeschlichen oder nicht austreiben lassen hat  – und welches nun manch einer als zusätzlichen Rucksack mit sich trägt. Wenig förderlich bei einer Truppe, für die es so oder so schon schwer werden dürfte. Es macht zumindest hellhörig, wenn Andrade-Granados offen sagt: „Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, kannst du die Prüfung auch nicht bestehen – und bei uns machen einige ihre Hausaufgaben schlecht. Ich kann nicht ausschließen, dass es eine schlechte Saison wird.“ Aber: „Ich kann auch nicht ausschließen, dass sie gut wird“, so der SVNA-Übungsleiter, dem klar ist: Im Fußball ist man vor Überraschungen und Tendenzen, die man vorher nicht auf der Rechnung hatte, nicht gefeit.

Schließlich „hatten wir auch in der vergangenen Saison eine veranlagte Truppe“, sagt „DAG“. Das Ende ist bekannt. In besagter Saison übrigens machte mit Philip Stefaniuk einer der Youngster auf sich aufmerksam. Der Offensiv-Mann spielte sich in die Notibücher anderer Clubs, weckte unter anderem das Interesse von Oberliga-Aufsteiger VfL Lohbrügge und entschied sich dennoch, am Henriette-Herz-Ring zu bleiben, wo man ihm eine nicht unwichtige Rolle im künftigen Team zugedacht hatte. Doch spielen wird Stefaniuk für dem SVNA in der neuen Saison nicht mehr. Andrade-Granados bestätigt entsprechende Gerüchte, dass der 19-Jährige nicht mehr im Kader steht. „Ich kann da nicht wahnsinnig viel zu sagen, weil ich nicht mit ihm sprechen konnte. Er war bei einem Gesprächstermin nicht anwesend. Was ich sagen kann ist, dass er ein super Fußballer ist. Ein riesiges Talent. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles gute und dass er sein Talent vollumfänglich ausschöpft“, so „DAG“ zur Personalie Stefaniuk, die wohl zwischenmenschlich bedingt so ausgeht, wie sie nun ausgeht: „Man kann sich ausmalen, dass eine Trennung von so einem Spieler nicht grundlos passiert“, konstatiert Andrade-Granados vielsagend mit Blick auf den 19-Jährigen, um den nach FussiFreunde-Informationen der Eimsbütteler TV wirbt. 

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