29.09.2017

„Haben die Wut auf den Verband auf unserem Rücken ausgetragen“

Ahrensburg-Coach Nagel noch immer bedient - Bösselmann kontert

Ahrensburg-Coach Matthias Nagel ist noch immer sauer über das Verbandsgerichts-Urteil. Foto: Mathias Merk

„Einerseits sind wir noch immer sehr verärgert über das Urteil, andererseits über das Verhalten von Eintracht Norderstedt“, sitzt der Stachel über das Verbandsgerichts-Urteil bei Ahrensburg-Chefcoach Matthias Nagel noch immer sehr tief. Dass in der 81. Spielminute abgebrochene Drittrundenduell im ODDSET-Pokal zwischen dem Bezirksliga-Aufsteiger und dem Regionalligisten wurde nun mit 3:0 für den Pokal-Titelverteidiger gewertet – nachdem der Spielausschuss des HFV zunächst eine Neuansetzung beantragte.

„Als das Spiel wegen des Gewitters unterbrochen wurde und ich nach einer gewissen Zeit zum Schiedsrichter in die Kabine bin, sagte der mir: ‚Wir pfeifen nicht mehr an.‘ Es klang nicht danach, als wenn dies irgendwas mit dem Flutlicht zu tun hätte, sondern einzig und allein mit dem Wetter“, blickt Nagel zurück. „In unseren Augen wurde der sportliche Aspekt mit Füßen getreten!“ Eine klare Aussage vom Ahrensburger Übungsleiter, der zudem erklärt: „Ich selbst war nicht bei der Verhandlung am Mittwochabend dabei, aber mir wurde berichtet, dass wir von Anfang an keine Chance hatten. Und es ist traurig, wenn man den Eindruck gewinnt, keine faire Verhandlung erhalten zu haben, sondern ein Urteil gefällt wird, dass offenbar schon vorher feststand.“

"Recht muss Recht bleiben", sagt Norderstedts Team-Betreuer Olaf Bösselmann. Foto: KBS-Picture

Im Abbruchspiel am 15. August wehrte sich der ATSV bis zur besagten 81. Minute äußerst tapfer und kam eine Viertelstunde vor Ultimo durch Serkan Dede sogar zum 1:2-Anschlusstreffer, den Philipp Koch jedoch fast postwendend konterte. Dass die Chance auf die Sensation in den verbleibenden neun Minuten nur von statistischer Natur war, wissen auch die Verantwortlichen des „Underdogs“ – und sie betonen, dass es ihnen auch gar nicht darum ginge. „Unsere Mannschaft, für die ein solches Spiel natürlich eine tolle Erfahrung und etwas ganz Besonderes ist, hat sich 80 Minuten lang sehr gut gewehrt, tapfer gekämpft und alles versucht“, so Nagel, der anfügt: „Alles, was wir wollten: Ein sportliches Messen über 90 Minuten mit einem Regionalligisten – und nicht nur über 80 Minuten. Zudem hätte Norderstedt auch die Möglichkeit gehabt, sich etwas souveräner aus der Affäre zu ziehen als im ersten Spiel.“ Doch dazu kommt es nicht – weil das Verbandsgericht dem ATSV vorwarf, das defekte Flutlicht im Vorfeld nicht getestet zu haben. „Es ging von unserer Seite aus ja sogar schon soweit, dass wir gesagt haben, dass die Einnahmen des Wiederholungsspiels einem wohltätigen Zweck zu Gute kommen“, verrät Nagel, der noch einmal betont: „Es ist sehr traurig, wie sich Eintracht Norderstedt verhalten hat – und ich denke, obwohl sie in den letzten Jahren wirklich Außergewöhnliches geleistet haben, dass sie sich ihren Ruf damit nicht gerade aufpolieren. Im Gegenteil.“

In Ahrensburg ist man sogar der Meinung, dass Norderstedt seinen „Hass und die Wur auf den Verband auf unserem Rücken ausgetragen hat“, glaubt der Chefcoach zumindest. „Ich bin der Meinung, dass manchmal auch für einen Regionalligisten vielleicht ein bisschen Demut angebracht ist. Sie schaffen sich – trotz des Geleisteten – keine Freunde. Hätten wir einen Spieler eingesetzt, der nicht spielberechtigt ist – alles kein Thema. Aber ich hätte an deren Stelle von vornherein anders reagiert und gehandelt. Unsere Spieler können nichts dafür.“ Abschließend betont Nagel: „Man hat das Gefühl, dass Norderstedt den Pokal-Wettbewerb mittlerweile nur als lästige Pflicht ansieht. Für uns kleine Vereine ist der ODDSET-Pokal aber das, was für Eintracht Norderstedt der DFB-Pokal ist. Deshalb bleibe ich dabei: Der Fairnessgedanke wurde mit Füßen getreten!“

Wie nimmt man diese Vorwürfe und Aussagen in Garstedt wahr? „Lust habe ich eigentlich keine mehr“, entgegnet Team-Betreuer Olaf Bösselmann auf Nachfrage, ob er zu den Geschehnissen noch einmal Stellung beziehen möchte. Kann er den Unmut des Siebtligisten verstehen? „Kein Kommentar!“ Und wie sieht es mit der Norderstedter Motivation hinter dem Protest aus? „Recht muss Recht bleiben – deshalb haben wir Protest eingelegt.“ Und abschließend: Trainer Dirk Heyne nutzte die Pokalspiele in der Vergangenheit immer wieder dazu, um auch Akteuren aus der zweiten Reihe Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen zu geben. Wäre dies in einer Neuauflage nicht auch denkbar oder gar von Vorteil für die weiteren Aufgaben in der Liga gewesen? „Das ist nicht meine Aufgabe, sondern eine Entscheidung des Trainers“, so Bösselmann. 

Autor: Dennis Kormanjos

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