11.08.2019

Zum Abschuss aufgelegt: Hamm verteilt „Geschenke“, aber „das bricht uns überhaupt kein Bein“

Teutonia 05 bezwingt den Aufsteiger mit 6:0 und feiert den ersten Saisonsieg

Das halbe Dutzend ist voll: Die Teutonia-Spieler um Gerrit Pressel (Vierter v. li.) jubeln, Hamms Lucas Kauth ist konsterniert. Foto: Küch

Eren Eröksüz taugte irgendwie als Sinnbild. Kaum war der Youngster von Hamm United im Spiel beim FC Teutonia 05 (Hier gibt’s das Match zum Nachlesen im Live-Ticker) auf dem Platz, da war er auch schon wieder runter. Eine Minute, nachdem sein Coach Sidnei Marschall ihn eingewechselt hatte, griff sich Eröksüz an den Oberschenkel – und es war vorbei. Hamm hatte zu diesem Zeitpunkt schon dreifach gewechselt, musste die Begegnung also zu zehnt beenden. Eren Eröksüz lehnte die ersten Minuten nach seinem „Aus“ an der Steinmauer neben der Bank. Den Kopf nach unten gesenkt, mit dem Rücken zum Spielfeld. Kurzum: Er wirkte niedergeschlagen. Angesichts seiner Verletzung logisch.

Aber dieser Status des Niedergeschlagenseins passte an diesem Sonntagnachmittag vor den 153 Zuschauern an der Kreuzkirche auf alle „Geächteten“. Sechs Mal hatte „T05“ dem Aufsteiger am Ende eingeschenkt, die letzten beiden Treffer fielen in Überzahl für die Teutonen. Das halbe Dutzend an Gegentoren tat weh. Und für Sidnei Marschall war es zu viel. „Die ersten vier Treffer sind allesamt Geschenke von uns. Die hat Teutonia nicht verdient. Wir sind unkonzentriert oder aber treten über den Ball. Beim fünften und sechsten Tor sind wir in Unterzahl, da können wir nichts mehr machen. Für mich persönlich fällt das Ergebnis viel zu hoch aus. Wenn das hier 1:0 oder 2:0 ausgeht, ist es okay“; konstatierte der HUFC-Coach nach dem Schlusspfiff.

Marschall: „Spielerisch habe ich in der ersten Hälfte keinen Unterschied gesehen“

Von den Beinen geholt: Teutonias Davidson Eden wird im Zeikampf von Alessandro Schirosi zu Fall gebracht. Foto: Küch

„Ich weiß, das hört sich jetzt bei einem 0:6 doof an“, setzte Marschall fort, „aber ich habe spielerisch in der ersten Halbzeit keinen Unterschied gesehen. Klar ist Teutonia eine Spitzenmannschaft und auch ein Titelfavorit, aber in der ersten Halbzeit habe ich uns gleichauf, wenn nicht sogar einen Tick besser gesehen. Zur Pause steht’s zwar 0:2 – aber auch da gebe ich nicht auf“; bilanzierte der United-Coach und erklärte das unerfreuliche Ende für Eröksüz: „Er hat wochenlang nicht trainiert, weil er aus der alten Saison noch an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel laboriert hat. Jetzt hatte er zwei, drei Mal trainiert- Für mein Gefühl war das zu früh, aber wir sind hier dezimiert angereist. Das soll allerdings keine Entschuldigung sein.- Er hat gesagt, dass er wollte und könnte, also hab ich ihn eingewechselt. Jetzt ist die Verletzung wieder aufgerissen.“

Und so brach eben nicht nur dieses Unheil, sondern auch die letzten beiden Treffer über den HUFC herein: Erst traf Nick Gutmann zum 5:0 (81.), dann zeichnete Gerrit Pressel für das 6:0 verantwortlich (86.). Zuvor hatten im ersten Durchgang Kevin Krottke (30.) und Aytac Erman (32.) mit einem Doppelschlag den Weg Richtung Sieg geebnet, nach der Pause erhöhten abermals Krottke (67.) und Mirco Bergmann auf 4:0 (74.), ehe die Unterzahl den Anfang vom Hammer Ende bedeutete. „Es war klar, dass wir mal verlieren. Wenn wir 34 Spiele gewinnen, dann werden wir als Aufsteiger Meister“, sagte Marschall, dessen Equipe bislang ohne Niederlage war. „Das bricht uns überhaupt kein Bein“, stellte der HUFC-Trainer fest, „wir wollen weitermachen und Gas geben. Am Freitag spielen wir gegen BU – das wir nicht einfacher als heute. Das 0:6 ist zwar ärgerlich, aber ab morgen geht’s weiter für Freitag!“

Titze: „ich möchte nicht, dass jetzt einer denkt, es ist alles Friede, Freude, Eierkuchen“

Aller Einsatz zwecklos: Hamms Sebastiao Maunkumbani kann VIncent Boock nicht daran hindern, den Ball weiterzuleiten. Foto: Küch

Auf der anderen Seite durfte sich Sören Titze freuen. Im dritten Spiel der Saison gelang „T05“ endlich der erste Sieg. Ist der Knoten beim selbsternannten Aufstiegsaspiranten damit nun also geplatzt? „Das ist das falsche Wort. Ich glaube, wir sollten demütig sein. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, nachdem wir ja auch im Pokal schon gute Auftritte hatten – das ist in der Phase leider etwas untergegangen. Wir haben uns gut präsentiert, hatten eine gute Woche. Die Mannschaft hat offensiv wie defensiv bis auf kleine Nuancen gut gearbeitet. Aber ich möchte nicht, dass jetzt einer denkt, es ist alles Friede, Freude, Eierkuchen und wir machen das top. Mit der gleichen Einstellung wie heute müssen wir jede Woche arbeiten. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Drei von neun möglichen Punkten ist nicht viel. Nächste Woche wartet das nächste Spiel, da zählt dieser Sieg schon nicht mehr“, so der Coach der Hausherren.

Dass jener Erfolg, so wie von Trainerkollege Marschall angesprochen, etwas zu hoch ausgefallen sei, sah Titze anders. „Ich bin ehrlich: Ich finde ihn in dieser Höhe verdient. Ob wir jetzt fünf oder sechs machen, darüber kann man streiten. Aber es ist selten, dass wir so glasklare Chancen haben. Am Ende hätten wir gefühlt alle zwei Minuten ein Tor machen können. Wenn wir über die ersten 60 Minuten reden, dann stimmt das. Da wäre ein 2:0 oder 3:0 okay gewesen. Aber aufgrund des Power-Fußballs, den wir in den letzten 30 Minuten gespielt haben, ist das Ergebnis auch in der Höhe verdient“, bilanzierte der Teutonen-Trainer und erklärte: „Ich neige zu Perfektionismus. Ich bin tatsächlich sehr zufrieden, aber ich sehe auch heute Sachen, die wir nicht gut gemacht haben. Wir hatten ein, zwei Phasen – so wie kurz vor der Pause, als Hamm nach einem Konter das 1:2 machen kann. Da hätten wir uns fast die schöne erste Halbzeit kaputt gemacht. Du darfst einfach nie abschalten.“ 

Jan Knötzsch

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