„Wir haben gerade 40.000 Kilometer gemacht - die letzten vier Meter haben gefehlt“

Trotz schwerer Beine: ETV erst in der Nachspielzeit von Cordi bezwungen

01. Juli 2018, 21:04 Uhr

Vom blau-gelben Dress zur schwarz-roten Bekleideung: Frank Pieper-von Valtier gibt nach seiner Zeit bei BU nun bei Concordia die Richtung vor. Foto: Kormanjos

Es war zwar „nur“ ein Testspiel – doch Thorsten Beyer ging schon so richtig mit. Es lief bereits die Nachspielzeit der Partie seines ETV bei Concordia, als der Favorit mit der letzten Aktion des Spiels den Siegtreffer erzielte. Mit beiden Füßen trampelte Beyer verärgert auf den Boden. „Weil die Belohnung einfach nicht stattfindet“, erklärte er hinterher. „Wir haben jetzt zwei Tage geackert und es auch hier ganz gut gemacht. Da hätte man ein 1:1 gegen einen Oberligisten als Motivation gerne mitgenommen. Schade – deshalb ärgert mich das so“, führte der Coach des Nord-Bezirksligisten fort – und hatte nach elf Minuten den ersten Lacher auf seiner Seite, als sein Akteur Maik Baydar einen kunstvollen Außenrist-Pass versuchte, was Beyer wie folgt rüffelte: „Außenrist darf nur Franz Beckenbauer – du nicht!“

Die Spieler des Eimsbütteler TV beklagten schon vor Beginn des Spiels gegen den Oberligisten die schweren Beine und befürchteten das Schlimmste. Doch: Nach einem Kurz-Trainingslager in Bad Oldesloe, wo Thorsten Beyer seine Schützlinge mit harten Einheiten auf die bevorstehende Saison einstimmte, zeigten die Mannen vom Lokstedter Steindamm einen couragierten und lange Zeit imposanten Auftritt. „Am Ende haben im Grunde nur vier Meter gefehlt“, konstatierte Beyer – und kam damit noch einmal auf die Schlusssequenz zu sprechen. „Ich glaube, wir haben im ganzen Trainingslager 40.000 Kilometer gemacht – und die letzten vier Meter haben gefehlt.“ Was er meinte? Erst ließ man Pascal El-Nemr auf dem linken Flügel zum Flanken kommen. Dann fehlte Lennard Henke das Timing gegen den deutlich kleineren Kevin Zschimmer, der schließlich zum 2:1 für den Favoriten einköpfte. Doch ein Großteil des Tores durfte sich El-Nemr gutschreiben. Der Flügelflitzer, der von BU an den Bekkamp wechselte, kam erst am Samstag aus dem Urlaub zurück, wurde kurz vor Schluss eingewechselt, um ein paar Minuten und erste Eindrücke zu sammeln – dies nutzte er gleich mit einer Torvorlage.

Olayisoye trifft wuchtig, ETV verpasst 2:0 - Zschimmer dreht das Spiel

Schiri Dennis Voß verordnet eine Trinkpause - Kräfte sammeln bei den Spielern des ETV. Foto: Kormanjos

Dennoch: Sein neuer/alter Trainer konnte nur bedingt zufrieden sein. „Man hat gemerkt, dass die Jungs ein bisschen platt sind nach der ersten Trainingswoche“, urteilte Frank Pieper- von Valtier, an dessen rot-schwarzes Cordi-Dress man sich erst noch gewöhnen muss. Mit der zweiten ernsthaften Chance gelang den „Bekkamplern“ gegen unheimlich disziplinierte und gut verschiebende Eimsbütteler zehn Minuten nach der Pause der Ausgleich. Torschütze: Kevin Zschimmer, der später noch zum „Matchwinner“ avancierte und in dieser Situation – nach einem Doppelpass – eine herausragende Vorarbeit von Benjamin Bambur, der den Ball gegen zwei Mann behauptete und mit dem Rücken zum Tor stehend herrlich durchsteckte, veredelte. Zu diesem Zeitpunkt konnte Cordi jedoch von Glück sagen, nicht schon mit 0:2 hinten gelegen zu haben. Denn: In der 16. Minute nickte Samuel Olayisoye einen wahnsinnig scharfen und perfekt getimten Eckball von Pascal Pantelmann am ersten Pfosten wuchtig unter die Latte – 0:1. Unmittelbar nach Wiederanpfiff war es dann Maximlian Susemihl, der nach feinem Zuspiel von Jon Pauli freistehend auf Frederic Böse zusteuerte, das lange Eck aber um Haaresbreite verfehlte (50.).

Anschließend drehte der zwei Klassen höher spielende Gastgeber die Begegnung in Person von Kevin Zschimmer – aber der ETV wusste zu gefallen. Wenngleich Beyer befand: „Nach der Chance zum 2:0 haben wir fast nur noch verteidigt. Ich würde mir schon vorstellen – natürlich mit etwas frischeren Beinen –, dass wir dann auch ein bisschen mehr nach vorne spielen. Denn die Mannschaft hat jetzt auch im Trainingslager gesagt, dass sie sich an ihrer Stärke ausrichten will – und das ist nun mal das Spiel nach vorne.“ Viel ließ sein Team aber nicht anbrennen – und wenn, dann erwies sich der kurzfristig eingesprungene Morten Peetz als starker und sicherer Rückhalt, wie auch acht Zeierumdrehungen vor dem Ende, als er einen 18-Meter-Schuss von Marcel Bannenberg sehenswert um den Pfosten lenkte. „Den Gegner ein bisschen mehr ärgern, ein paar mehr Situationen kreieren – das haben wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so hingekriegt, weil die Beine schwer waren“, bilanzierte Beyer.

Pieper-von Valtier: „Nach dem nächsten Wochenende kann man schon mehr sagen“

Das „neue Gesicht“ von Concordia mit einigen Neuzugängen. Foto: Kormanjos

Während sein Gegenüber, angesprochen auf die geforderten Dinge, die seine Mannen umsetzten, meinte: „Wir hatten das ganze Spiel über Ballbesitz und haben dem ETV – wenn, dann nur nach Kontersituationen – zwei, drei Aktionen gestattet. Da waren wir räumlich nicht so gut aufgestellt, dass wir rechtzeitig ins Gegenpressing kommen. Zudem haben wir zu wenig Bälle hinter die Kette gespielt.“ Allerdings betonte Pieper-von Valtier, der mit vielen Neuzugängen wie Steven Lindener, Sascha de la Cuesta oder Mohamed Labiadh auflief (Serhat Yapici fehlte krankheitsbedingt), auch, dass das „in der letzten Woche noch kein Thema im Training war. Von daher ist es zwar etwas, was uns stört – aber auch etwas, wo die Jungs noch nicht unbedingt wissen, wie wir das haben wollen, weil wir es so noch nicht auf dem Platz hatten. Das wird sich in der nächsten Woche so langsam finden – und am Wochenende, wo wir im Trainingslager sind und viele taktische Dinge aufarbeiten können. Nach den Spielen gegen Lohbrügge und Paloma kann man dann schon ein bisschen mehr sagen“, so der neue Concordia-Dompteur abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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