10.08.2019

„Wenn wir einen oder sogar beide Hochkaräter nutzen, brennt es hier lichterloh“

Dassendorf scheitert nach starker Vorstellung an Dynamo Dresden

Chris Löwe (li.) bejubelt den Führungstreffer für Dynamo gegen starke Dassendorfer. Foto: Bode

Die 22. Spielminute war soeben angebrochen, als Kerim Carolus mit seinem Zuspiel auf dem linken Flügel Mattia Maggio in Szene setzte. Der Ex-Profi ließ Linus Wahlqvist scheinbar spielerisch stehen und passte scharf auf den ersten Pfosten, wo Sven Möller in die perfekt getimte Hereingabe reinrutschte und nur an Kevin Brolls herausragender Fußabwehr hängenblieb. Es war die Top-Chance für die TuS Dassendorf, dem spürbar wankenden Zweitligisten aus Dresden gehörig in die Suppe zu spucken. „Ich hätte es gerne gesehen, wie sie mit einem Rückstand umgegangen wären“, sagte Pascal Nägele, der keine 60 Sekunden später die nächste dicke Chance auf dem Fuß hatte, aber im allerletzten Moment geblockt wurde.

Lautstark wurde die Mannschaft von den Fans vor, während und nach der Partie unterstützt. Foto: Bode

Doch zurück zu „Möllis“ Hochkaräter: „Ich habe die Chance früh kommen sehen“, verriet er hinterher - und führte aus: „Ich wollte ihn etwas höher ins linke Eck drücken, aber der Torwart kam ziemlich schnell raus. Deshalb war mein Ziel, den Ball einfach nur gut zu treffen, habe ich auch - aber nicht hoch genug. Und dann hält er ihn einfach wirklich gut.“ Mit „ein bisschen mehr Glück steht’s 1:0 und die Bude brennt hier. Wenn ‚Palle‘ (Pascal Nägele; Anm. d. Red.) sogar das 2:0 macht, dann hätten wir hinten den Bus geparkt und es brennt hier lichterloh“, so Möller. Während Nägele zu Protokoll gab: „Wenn wir einen oder vielleicht sogar beide Hochkaräter nutzen, dann wäre hier echt was drin gewesen. Dann kommt die zweite, dritte oder sogar vierte Luft.“

"Wir haben zwei dicke Chancen, die eine - und machen das Tor"

Als auch die Anhängerschaft der „Gelb-Schwarzen“ in der Zwickauer GGZ Arena vor insgesamt 5673 Zuschauern immer unruhiger wurde und die Unzufriedenheit über das Auftreten ihrer Mannschaft zum Ausdruck brachte, traf diese den Oberligisten mitten ins Mark. Ein Steckpass von Dzenis Burnic, ein Wackler von Chris Löwe gepaart mit einem trockenen Abschluss – und schon musste TuS-Keeper Christian Gruhne den Ball aus seinem Netz holen. Viel mehr hatte Dynamo Dresden im ersten Spielabschnitt nicht zu bieten. „Wir haben zwei dicke Chancen, die eine halbe und machen das Tor. Das ist der Unterschied. In solchen Spielen entscheiden eben Nuancen“, konstatierte Möller. 37 Minuten lang hielt die Dassendorfer Defensive die Null, ließ so gut wie gar nichts anbrennen, kreierte selbst die eine oder andere gute und vor allem aussichtsreiche Situation. Von einem Drei-Klassen-Unterschied war rein gar nichts zu sehen. Im Gegenteil. Wenn eine Führung in der Luft lag, dann die für den krassen Außenseiter. Aber es sollte anders kommen – auch nach der Pause.

"Dassendorf ist schöner als Berlin!"

Marcel von Walsleben-Schied (re.) konnte nach seiner Einwechselung auch nicht mehr die Wende herbeiführen. Foto: Bode

Dassendorf blieb mutig und ebenbürtig – bis zur 75. Minute. Dann versetzte ein Doppelschlag dem Richter-Ensemble den endgültigen Knockout. Erst traf Burnic nach Vorarbeit des eingewechselten Baris Atik – erneut durch die Hosenträger von Lenz –, ehe Lucas Röser einen Pass von Burnic, der an allen drei Toren direkt beteiligt war, veredelte (77.). Ein typisches Ergebnis für ein Pokalspiel dieser Konstellation zwischen David und Goliath? „Typisch wäre es gewesen, wenn wir gar keine Chance gehabt hätten, Dynamo 90 Prozent Ballbesitz und 17 Millionen Torchancen. Aber so war es nicht. Es war ziemlich ausgeglichen“, befand nicht nur Möller, der mit seinem Team in Anschluss an die Partie von den Fans noch frenetisch gefeiert wurde. Als sich die Truppe in Richtung Kabine begab, forderte der Anhang lautstark: „Wir wollen die Mannschaft sehen!“ Und am Ende folgte noch die Erkenntnis des Tages: „Dassendorf ist viel schöner als Berlin!“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren