Oberliga

„Vicky-Win“ nach 82-minütiger Unterzahl: „Lohmi sollte sich nicht dreckig machen - das hat er sehr wörtlich genommen“

Marschall mächtig angefressen: „Das hatte nichts mit Fußball zu tun!“

26. Oktober 2019, 02:21 Uhr

Vickys Timo Stegmann (Mi.) im Duell mit Hamm-Verteidiger Sebastiao Mankumbani. Foto: Küch

Im Stadion Hoheluft war soeben die achte Minute angebrochen, als es für den heimischen SC Victoria ganz dicke kam, der anvisierte Matchplan über den Haufen geworfen werden konnte und die Felle davon zu schwimmen drohten. Der Grund: Nach einem Handspiel außerhalb seines Strafraums sah Vicky-Fänger Dennis Lohmann den roten Karton. 82 Minuten lang in Unterzahl – ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen. Oder etwa doch nicht? „Es hört sich doof an. Aber für uns war es fast gut, dass er vom Platz geflogen ist“, stellte SCV-Coach Marius Ebbers anschließend zum großen Erstaunen fest – und sorgte dann für den einen oder anderen Lacher…

Auch der sonst so sicherer HUFC-Rückhalt Samuel Graudenz (3. v. li.) gab beim 0:2 keine glückliche Figur ab. Foto: Küch

Man habe in den letzten Wochen und auch explizit vor dem Heimspiel gegen Hamm United noch einmal ausführlich die Probleme der letzten Wochen erörtert und offen auf den Tisch gelegt. Einer der Punkte: „Wir haben zu viele Gegentore zu leicht zugelassen“, so Ebbers. Deshalb sei die Zielsetzung gewesen, „zu Null zu spielen und so wenig wie möglich zuzulassen“. Er habe, verriet Ebbers weiter, „ein bisschen scherzhaft gesagt, dass sich ‚Lohmi‘ (Torwart Dennis Lohmann, Anm. d. Red.) heute nicht dreckig machen braucht.“ Die Erkenntnis: „Er hat’s dann sehr wörtlich genommen, nach acht Minuten Schluss gemacht und ist dementsprechend auch nicht dreckig geworden“, zog der langjährige Profi des FC St. Pauli mit dieser Aussage den einen oder anderen Schmunzler auf seine Seite. Kein Wunder, dass „Ebbe“ hinterher „mega happy“ war. Schließlich haben sich seine Mannen zu keiner Zeit anmerken lassen, dass sie in numerischer Unterzahl agierten. Ganz im Gegenteil.

„Haben mit einem Mann mehr nichts auf die Beine gekriegt“

„Ich weiß gar nicht, was ich heute groß sagen soll“, begann HUFC-Übungsleiter Sidnei Marschall sein Statement, ehe er ernüchtert feststellen musste: „Das hatte nichts mit Fußball zu tun!“ Es lief bereits die Nachspielzeit im ersten Durchgang, als sein Verteidiger Marco Panata am eigenen Strafraum ins Dribbling ging und den Ball gegen den nachsitzenden Dennis Bergmann vertändelte. André Monteiro Branco war durch und vollstreckte unter die Latte zur Hausherren-Führung – wohlgemerkt in Unterzahl (45. +1). „Mit einem Mann mehr haben wir nichts auf die Beine gekriegt“, ärgerte sich Marschall – und äußerte dann sein Mitleid: „Es ist ein bisschen traurig für die Fans und die Zuschauer, die heute gekommen sind. Denn das hatte nichts mit Oberliga-Fußball zu tun. Verdient 3:0 mit einem Mann weniger zu gewinnen, das ist schon bitter“, zeigte er sich tief enttäuscht.

„Die Jungs haben all das umgesetzt“

Die Hausherren hatten allen Grund zum Jubeln. Foto: Küch

Denn im zweiten Durchgang staubte zunächst Ian-Prescott Claus zum 2:0 ab (58.). Auch jenem Treffer ging ein kapitaler Bock der „Geächteten“ voraus: Keeper Samuel Graudenz ließ nach einem Eckball von Timo Stegmann eine völlig harmlose Kopfball-Bogenlampe seines eigenen Mannes, Sebastiao Mankumbani, fallen. Vor dem 0:3 aus Hamm-Sicht war es erneut Panata, der den eingewechselten Klaas Kohpeiß im eigenen Sechzehner zu Fall brachte, ehe Bergmann vom Punkt aus ganz cool blieb (83.). „Wir haben viele Jungs, die eine richtig gute Qualität haben“, erzählte Ebbers – und erörterte dann eine weitere „Problematik der letzten Wochen“. Denn: „Im Fußball und generell im Mannschaftssport gehört es einfach dazu, dass man sich auch gegenseitig coacht auf dem Platz. Heute hatte ich das Gefühl, dass sich die Jungs dadurch, dass sie ein Mann weniger auf dem Platz waren, viel mehr coachen mussten.“ Umso größer war die Freude, dass seine „Jungs all das umgesetzt haben, worüber wir schon seit Wochen im Training reden und woran wir arbeiten. Das war eine sehr, sehr gute Leistung“, bilanzierte er.

„Hätten wir nur die Hälfte abgerufen, hättest du gewinnen müssen“

Nutznießer beim 2:0 war Vicky-Torjäger Ian-Prescott Claus (2. v. re.). Foto: Küch

Sein Gegenüber betonte, „die Leistung des Gegner überhaupt nicht schlechtreden zu wollen“ – aber: „Hätten wir die Hälfte von dem abgerufen, was wir gegen Sasel, BU oder Niendorf gespielt haben, dann musst du dieses Spiel hier gewinnen“, so Marschalls Meinung. „Wenn man die letzten Spiele gesehen hat, was für Leistungen wir angerufen haben – und dann sieht, dass wir heute nicht einmal aufs Tor geschossen haben, dann müssen wir das am Montag analysieren und diskutieren, was gefehlt hat. Ich bin sehr enttäuscht und traurig, dass die Mannschaft heute so eine Leistung abgerufen hat. Wir haben keinen Fußball gespielt und Vicky hat verdient gewonnen.“ Trotz Unterzahl, dafür allerdings mit einer starken und beherzten Vorstellung! 

Autor: Dennis Kormanjos

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