Oberliga

Verbales Feuerwerk als Weckruf, Uneigennützigkeit als Trumpf!

Trotz „Champions-League-Torwart“ beim HSV III: BU knackt die Auftakthürde

28. Juli 2019, 20:12 Uhr

Das „Duo Infernale“ bei den zwei BU-Toren und maßgeblich am Sieg beteiligt: Louis Mandel (li.) und Tim Jeske. Foto: Dimitri Ismer

Bis zur 87. Spielminute musste Johannes Höcker nur einmal so richtig eingreifen, als er einen Schuss von Dominik Jordan um den Pfosten lenkte (64.). Ansonsten verlebte die neue Nummer eins des HSV Barmbek-Uhlenhorst einen relativ entspannten Sonntagnachmittag (alle Highlights im LIVE-Ticker) – und doch war er unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf 180. Der Grund: Ein unnötiges Foulspiel des eingewechselten Tolga Odabas führte dazu, dass der HSV III kurz vor dem Ende durch einen Freistoß des angeschlagenen Jordan urplötzlich auf 1:2 verkürzte. „Das war einfach unnötig“, echauffierte sich „Höcki“ – und fügte an: „Wir müssen das vorher besser ausspielen und das dritte Tor schießen – dann ist das Spiel vorbei. Die Chancen dazu hatten wir.“

Auch wenn seine Barmbeker den knappen Sieg letztendlich über die Zeit brachten, brauchte der ehemalige Norderstedter ein wenig, um nach seinem Liga-Debüt freudestrahlend festzustellen: „Erstes Spiel und gleich drei Punkte – so kann man starten. Das macht wirklich Spaß und Freude auf mehr.“ Mit der Freude war es aber lange Zeit so eine Sache. Denn: BU-Coach Marco Stier musste in der Pause ein paar deutliche Worte verlieren – wenngleich Höcker auf Nachfrage entgegnete, dass sein Trainer „nur minimal“ laut geworden sei. „So wie jeder Trainer, wenn es nicht so läuft. Aber es gab auch gleich wieder positive Worte obendrauf, als wir rausgekommen sind. Das ist auch immer wichtig.“ Stier selbst machte aus seiner lautstarken Kabinenpredigt derweil keinen Hehl: „Weil ich das Gefühl hatte, dass wir uns in die Hosen geschissen haben – und ich nicht wusste, warum?! Wir haben klare Ansagen gemacht, dass wir hinten aus der Viererkette keine Risikobälle oder Fehlpässe riskieren wollen. Stattdessen haben wir denen total in die Karten gespielt und den Gegner mit unseren Fehlpässen stark gemacht. Wenn es einmal passiert, dann spiele ich beim nächsten Mal den einfachen Ball und versuche nicht, das viermal hintereinander zu machen. Das ist dann dumm. Deshalb bin ich auch lauter geworden, habe sie wachgerüttelt – und die Jungs hatten Angst, dass sie vor dem Pokalspiel am Dienstag wieder laufen müssen. Deshalb haben sie sich in der zweiten Halbzeit auch anders präsentiert.“

„Wir hatten keine Ideen, haben müde und nervös gewirkt“

Elias Saad (Mi.) - hier gegen den eingewechselten Tom Dornick - war an vielen Aktionen beteiligt. Foto: Dimitri Ismer

Doch zurück zum ersten Durchgang, indem HSV III-Coach Marcus Rabenhorst „eine richtig gute Halbzeit“ vom Aufsteiger sah. „Bis auf einen Schuss haben wir gar nichts zugelassen. Im Gegenteil. Wir hatten selbst drei, vier gute Möglichkeiten, wo wir einfach nicht geil genug sind, das Tor zu machen. Vielleicht war’s auch ein bisschen die Unsicherheit, weil man da auf einmal so blank durch war. Wir hätten ein Tor verdient gehabt“, befand er. Während sein Gegenüber konstatierte: „Wir sind nicht das einzige Team, das Ambitionen hat, oben mitzuspielen – und in der ersten Halbzeit nicht so gut in die Saison gestartet ist. Der HSV hat befreit aufgespielt und hatte zwei, drei gute Umschaltmöglichkeiten, aus denen sie aber nichts gemacht haben.“ Apropos nichts gemacht: „Wir hatten keine Ideen, haben müde und nervös gewirkt“, urteilte der BU-Übungsleiter.

Mandel und Jeske im perfekten Zusammenspiel

Das änderte sich jedoch nach dem verbalen Feuerwerk in der Pause und mit Beginn des zweiten Abschnitts. „Wir sind top rausgekommen, haben versucht, etwas tiefer zu stehen und unsere Qualitäten im Umschaltspiel mit unseren schnellen Offensivleuten auszunutzen“, so Stier, dessen Schützlinge „mit der zweiten Chance ein sehr schönes Tor“ zur Führung erzielten. „Das, was wir eigentlich auch trainieren und spielen können, haben wir da gemacht.“ Erst die herrliche Seitenverlagerung, dann zog Abdel Hathat auf, steckte im perfekten Moment für Louis Mandel durch, der völlig freistehend noch einmal uneigennützig für Tim Jeske quer legte. Dieser hatte schließlich keine Mühe mehr (53.). Der zweite Treffer fiel nahezu „nach demselben Muster“, wie auch Rabenhorst erkennen musste. Diesmal war es Elias Saad, der in die Gasse spielte, ehe sich Jeske bei Mandel revanchierte und ihm das 2:0 auf dem Silbertablett servierte (62.). „Das ist wirklich große Klasse, wie beide uneigennützig nochmal querlegen“, strahlte Stier. Während Rabenhorst neidlos anerkannte: „Erst kommen wir nicht richtig ins Pressing, dann folgt die Ballverlagerung, wo wir auf dem Flügel das Eins-gegen-Eins haben. Dann muss man einfach auch sagen, dass gerade das erste Tor richtig gut rausgespielt war vom Gegner.“

„Der Torwart war absolute Champions League!“

Auch der einmal mehr starke Abdel Hathat (re.) konnte Tino Dehmelt nicht bezwingen. Foto: Dimitri Ismer

Man habe „versucht, weiter Fußball zu spielen“, so „Rabe“, und der späte Anschlusstreffer habe schließlich dazu geführt, „dass der Gegner einen kleinen Kackstift hinten drin hatte. Aber damit müssen wir jetzt leben. BU ist nicht die Mannschaft, mit der wir uns messen müssen und wollen. Aber wenn man das ganze Spiel betrachtet, dann war heute mehr drin“, bilanzierte der Coach der Rothosen, der zusammen mit Christian Rahn die Geschicke leitet. „In den nächsten Wochen kommen die Mannschaften, wo wir unsere Punkte holen müssen.“ Dann auch wieder mit Tino Dehmelt zwischen den Pfosten. Der 27-Jährige hielt seine Mannen in den zweiten 45 Minuten mit einigen spektakulären Paraden im Spiel und hinterließ damit nicht nur bei Stier einen bleibenden Eindruck: „Der Torwart war absolute Champions League“, schwärmte der BU-Trainer. „Wie der Fußball gespielt hat und wie sie ihn in den Spielaufbau mit einbezogen haben, damit hatten wir Probleme. Und dann hat er auch noch drei oder vier wirklich brutale Dinger echt stark rausgeholt.“ Stiers abschließendes Fazit: „Wenn man die zweite Halbzeit sieht und die Torchancen, die wir hatten, dann war es ein verdienter Sieg. Trotzdem ein großes Kompliment an den HSV. Die haben das sehr gut gemacht, unbekümmert gespielt und uns alles abverlangt.“

Autor: Dennis Kormanjos

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