26.08.2018

TuRa: „Ballbesitz ist nicht alles“, aber immerhin kontert Schulz das „Slapstick-Tor“

Harksheide rettet in Halstenbek noch ein 1:1-Unentschieden

Harksheides Leon Schulz (re.) traf zum 1:1-Endstand. Archivfoto: Küch

Es waren Worte, wie Jörg Schwarzer sie wohl gern vernahm. „Ich gratuliere Harksheide zu diesem Auftritt. Das ist eine tolle Truppe. Die hat einen Plan. Das sieht gut aus“, sagte Heiko Barthel, der Trainer der SV Halstenbek- Rellingen auf der Pressekonferenz nach dem Abpfiff der Landesliga Hammonia-Partie gegen den Gast vom Exerzierplatz. TuRa-Trainer Schwarzer saß nicht mal einen Meter daneben und durfte sich über das Kompliment freuen. Doch das Ganze hatte irgendwie einen Haken: Die „tolle Truppe“ hatte es in den 90 Minuten zuvor – trotz eines zugegeben wirklich guten Auftritts – nicht geschafft, alle drei Punkte vom Jacob-Thode-Sportplatz zu entführen (Hier gibt's den LIve-Ticker des Spiels zum Nachlesen).

„Ballbesitz ist eben nicht alles“, bemerkte Jörg Schwarzer dementsprechend, nachdem ihm HR-Präsident Hans Jürgen Stammer das Mikrofon übergeben hatte, damit der TuRa-Coach seine Sicht der Dinge schildern konnte. Eine treffende Erkenntnis, denn: Die Gäste hatten insgesamt zwar mehr vom Spiel und auch die größeren und zwingenderen Chancen – das allein aber entscheidet eben ein Fußballspiel nicht. „Vor allem die Vielzahl an Ecken hat uns Möglichkeiten gebracht, die wir nicht genutzt haben“, ärgerte sich Schwarzer, blieb aber – ganz Sportsmann – fair und erkannte: „Aufgrund der kämpferischen Leistung von HR geht dieses Remis in Ordnung.“

Barthel: „In der zweiten Hälfte war es aus unserer Sicht eine Abwehrschlacht“

Adrian Ghadimi Nouran brachte HR im ersten Durchgang mit 1:0 in Führung. Foto: KBS-Picture.de

Dass TuRa am Ende wenigstens noch einen Zähler mitnahm (Schwarzer: „Wir können frohen Mutes nach Hause fahren“), hatten die Gäste Leon Schulz zu verdanken. Der Youngster stand nach 77 Minuten im HR-Strafraum exakt da, wo Sören Ostermann ihm den Ball hin servierte. Schulz blieb cool und schoss die Kugel rechts am Halstenbeker Schlussmann Stefan Steen vorbei ins Netz – 1:1. Die Hausherren mühten sich danach mit allen Kräften dagegen, dass ihnen noch ein weiterer Treffer eingeschenkt werden konnte – erfolgreich. „In der zweiten Hälfte war es aus unserer Sicht eine Abwehrschlacht. Wir hatten keine zwingende Entlastung mehr nach vorne. Jeder Ball, der in den Strafraum geflogen ist, hätte den Ausgleich bringen können. Am Ende ist es dann ja auch so gekommen“, gab HR-Trainer Heiko Barthel zu, dass er sowohl vor als auch nach dem Ausgleich draußen auf seiner Bank mächtig gezittert hatte und erklärte: „Wir müssen mit diesem Resultat jetzt leben.“

Dabei hätte der Gastgeber doch so dringend endlich den ersten „Dreier“ der Saison einfahren wollen. Allein schon, um in der Tabelle etwas besser dazustehen. Aber auch, um die „Nebengeräusche“ der vergangenen Woche (wir berichteten) zum Verstummen zu bringen. Und danach sah es lange Zeit tatsächlich auch aus, selbst wenn Heiko Barthel nach dem Schlusspfiff der Begegnung unumwunden feststellte: „Man hat in der kompletten ersten Viertelstunde gemerkt, dass wir eine turbulente Woche hinter uns hatten. Aber immer dann, wenn wir drauf gegangen sind, wurde es gefährlich.“ So wie in der 22. Minute als sich Mirco Clausen auf der linken Seite durchsetzte. Sein Schuss klatschte an die Latte und von da wieder ins Feld. TuRa bekam den Ball einfach nicht aus der Box – und das sollte sich rächen: Im dritten Nachschuss-Versuch überwand Adrian Ghadimi Nouran Gästekeeper Aboubaker Fofana zum 1:0 für die Hausherren.

Schwarzer: „Für uns war es schwer, dem Rückstand hinterherzulaufen“

Vor dem Rückstand sei seine Elf zu halbherzig bei ihren Angriffen gewesen, so TuRa-Trainer Jörg Schwarzer. Foto: Küch

„Wir wussten von der Verunsicherung bei HR und wollten, nachdem wir gegen Türkiye eine Niederlage kassiert hatten, die nicht Not tat, diesmal von Beginn an die Dynamik an den Tag legen, die uns am letzten Wochenende gefehlt hat“, erklärte TuRa-Trainer Schwarzer und befand: „Das ist uns in den ersten Minuten gut gelungen, aber dann sorgt so ein Slapstick-Tor dafür, dass HR in Führung geht. Für uns war es danach schwer, weil wir eine junge Mannschaft haben, für die es nicht einfach ist, einem Rückstand hinterherzulaufen und sich neue Ideen einfallen zu lassen. Daran muss sich die Truppe erst noch gewöhnen.“ Zudem trauerte Schwarzer dem Umgang mit Möglichkeiten vorm 0:1 hinterher.

„Wir wollten die Verunsicherung bei HR ausnutzen, aber wir haben die Angriffe, die wir hatten, nur halbherzig verarbeitet“, konstatierte der Übungsleiter der Gäste. Und in der Tat: Weder aus den HR-Fehlern von Mike Theis (2.) und Moritz Raasch (7.) noch aus Ostermanns Gelegenheiten (6., 27.) schlug TuRa Profit. Dennoch lobte Schwarzer sein Team. „Wir haben nach dem Rückstand 60 Minuten gearbeitet und nicht aufgegeben und am Ende das 1:1 gemacht“, so der TuRa-Trainer nach dem Match, in dessen Anschluss HR-„Boss“ Stammer mit Blick auf die gerade einmal 100 Zushauer am Lütten Hall feststellte: „Danke an die, die trotz HSV und St. Pauli noch herkommen. Der Amateurfußball wird leider mehr und mehr zum fünften Rad am Wagen.“

Jan Knötzsch    

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