08.09.2019

Teutonen-Wut über Pötter-Pfiffe: „Er wollte zeigen, dass er der Boss im Ring ist!“

Vicky erkämpft Last-Minute-Punkt - aber der Unparteiische wird zur Zielscheibe

Der Ex-Victorianer Vincent Boock (vo.) - hier gegen Timo Stegmann - sorgte mit seinem kuriosen Platzverweis für einen der großen Aufreger des Spiels. Foto: Mathias Reß

Davidson Eden war mehr als nur aufgebracht. Stefan Kohfahl sprach von der „schlechtesten Schiedsrichter-Leistung“, die er „in 30 Jahren erlebt“ habe. Während sich Sören Titze „erst einmal kurz sammeln und überlegen musste, was ich sage“. Beim FC Teutonia 05 war die Stimmung nach dem späten 2:2-Schock gegen den SC Victoria (alle Highlights im LIVE-Ticker) im Keller – und zwar so richtig. Zielscheibe des Ärgers: Referee Florian Pötter (FC Voran Ohe). Die Hausherren fühlten sich vom Unparteiischen massiv benachteiligt – und in der Tat waren einige Entscheidungen höchst umstritten...

Los ging‘s in der 45. Spielminute, als Pötter signalisierte, dass es eine Minute Nachspielzeit geben würde. Als diese längst angebrochen war, köpfte Leon Kroiß eine Ecke von Vincent Boock zur Teutonen-Führung in die Maschen. Was folgte, war nicht etwa der Pausenpfiff, sondern der Vicky-Ausgleich durch Julian Schmid, dessen Schuss nach einer Hereingabe von Alexander Borck noch entscheidend abgefälscht wurde und im langen Toreck einschlug. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings schon drei Minuten nachgespielt. Titze: „Es ist nicht die Schuld des Schiedsrichters, dass wir da ein Tor bekommen. Wir können es trotzdem besser verteidigen“, betonte er sportlich-fair, befand aber auch – und das völlig zurecht: „Du kannst den Spielern nicht ein Signal geben, dass noch eine Minute zu spielen ist – die warten dann auch auf den Pfiff. Das ist so, als würdest du einem kleinen Jungen sagen: Du kriegst gleich einen Apfel, gibst ihm den aber nicht – dann fängt er auch an zu schreien. Das sind alles Gesten, auf die es ankommt. Er hatte die Pfeife schon im Mund, wollte pfeifen und hat immer wieder gewartet.“ Und weiter: „Er zeigt die eine Minute an. Wir machen in der 46. Minute das Tor – dann weiß ich nicht, warum wir noch drei Minuten spielen?!“

Zweimal Gelb in einer Szene: Boock-Platzverweis erhitzt Gemüter

Viele heiße Duelle an der Kreuzkirche. Foto: Mathias Reß

Vicky-Coach Marius Ebbers erwiderte auf Nachfrage zu jener Szene: „Er zeigt vor dem 1:0 eine Minute an. Ich weiß nicht, wie die Regularien dann sind. Unabhängig von dieser Sache ist es ja so: Wenn man eine Minute anzeigt, eine Mannschaft schießt ein Tor und jubelt, übertrieben gesagt, vier Minuten an der Eckfahne – dann muss er es ja nachspielen lassen.“ Da dies in jener Situation nicht der Fall war, war der Ärger der Hausherren verständlich, sollte jedoch erst der Anfang gewesen sein. Denn nach dem traumhaft herausgespielten 2:1, als Nick Gutmann (Ebbers: „Ein überragender Spieler, den wir heute über weite Strecken gut im Griff hatten“) einen Spielzug über Felix Vobejda und Gerrit Pressel veredelte (58.), ereignete sich der nächste große Aufreger: Boock beging innerhalb weniger Augenblicke zwei Foulspiele – erst gegen Julian Schmid, dann gegen Ian-Prescott Claus. Beide Male ließ Pötter zunächst den Vorteil laufen. Als die Partie unterbrochen war, gab er dem Teutonen für beide Vergehen jeweils Gelb – macht in der Summe Gelb-Rot (62.). Eine extrem harte Entscheidung! Insbesondere auch, weil es, wie Titze richtig anmerkte, „vorher im ganzen Spiel nicht eine Gelbe Karte gab. Die Linie, die er von Anfang an vorgegeben hat, war die, dass er hat viel laufen lassen.“

Ebbers: „Für mich wäre Gelb absolut okay gewesen“

Nicht so bei Boocks „Doppel-Foul“, wo „eine Gelbe Karte für zwei Vergehen völlig okay und angesichts des Spielverlaufs auch gerechtfertigt gewesen“ wäre, wie Titze meinte. „Es waren keine glasklaren Torchancen oder sonst irgendwas – wie auf der anderen Seite.“ Womit er auf ein hartes Foulspiel von Claus an Gutmann (82.), der in aussichtsreicher Position Richtung Vicky-Tor war, ansprach. Derweil nahm Ebbers nahm den Platzverweis wie folgt wahr: „Das erste Foul war definitiv eines und für mich auch absolut gelbwürdig, weil ‚Vinnie‘ (Boock; Anm. d. Red.) dort keine Chance auf den Ball hatte. Das zweite Foul ist eine ähnliche Situation. Und wenn man das als Schiedsrichter so machen kann, dann ist das halt Gelb-Rot.“ Allerdings gestand er auch: „Für mich wäre es auch absolut okay gewesen, wenn er nur eine Gelbe Karte gezeigt hätte.“

Pötter-Pfiff in der Schlussminute bringt Eden zum Kochen

Nick Gutmann (vo.) erzielte das zwischenzeitliche 2:1 für T05 und hatte in der Nachspielzeit sogar noch das Dritte auf dem Fuß. Foto: Mathias Reß

In Unterzahl verteidigten es die „Kreuzkirchler“ über weite Strecken gut und ließen aus dem Spiel heraus kaum etwas anbrennen – bis zur 90. Minute, als eine Entscheidung von Pötter vor allem bei Eden auf blankes Entsetzen stieß. Teutonia-Keeper Zummack war in Ballbesitz, als plötzlich ein Pfiff ertönte, die Gäste einen Freistoß zugesprochen bekamen und das circa 22 Meter vor dem Gehäuse der Titze-Schützlinge. Der Grund: Pötter ahndete ein „Meckern“ von Dino Fazlic mit Gelb, genauso wie einen Schubser von Klaas Kohpeiß und unterbrach das Spiel. „Wir sind in Ballbesitz. Die Gelbe Karte kann er ihm bei der nächsten Spielunterbrechung geben“, echauffierte sich Eden über die „Doppelbestrafung“ – und den auch aus neutraler Sicht überaus kuriosen Pfiff. Zwar blieb der folgende Standard von Marc Lange zunächst in der Mauer hängen. Aber die Hoheluft-Mannen setzten nach, der eingewechselte Yannick Siemsen brachte die Kugel noch einmal scharf vors Tor, wo Borck goldrichtig stand und zum umjubelten 2:2 einschoss (90. +1)!

„Das hat für mich etwas mit Selbstdarstellung zu tun“

Mit Zug zum Tor: Alexander Borck (re.) plagte sich die ganze Woche mit einer starken Erkältung herum und markierte in der Schlussminute den Ausgleich. Foto: Mathias Reß

So sehr sich Titze auch zusammenriss, auf die Zunge biss und von seinen Emotionen nicht übermannt werden wollte, so klar und deutlich war er in seiner Aussage zu der Entstehung: „Alle reden und meckern auf dem Platz – und dann möchte er zeigen, wer der Boss im Ring ist. Das hat für mich etwas mit Selbstdarstellung zu tun. So bitter das ist! Er kann es vorher oder bei anderen Szenen machen, macht es aber in der 90. Minute in so einer Situation kurz vor dem Strafraum. Dass ich heute bedient bin, ist doch klar“, konnte man seinen Ärger verstehen. „Ich muss es akzeptieren. Aber alle Fifty-Fifty-Entscheidungen waren gegen uns“, fügte er an. „Man kann die einzelnen Entscheidungen anzweifeln. Aber wenn er es so gesehen hat, sind es seine Entscheidungen. Klar kann ich Teutonia verstehen und dass die sagen, es sei unglücklich“, so Ebbers. „Es waren ein paar Situationen, wo man definitiv drüber diskutieren kann“, gab er zu – und wusste „selbst mit ein paar Minuten Abstand noch nicht“, wie er das Ergebnis einschätzen soll. „Ich bin zwiegespalten. Einerseits sollte man mit einem Punkt zufrieden sein, wenn man zweimal in Rückstand gerät und bei Eier sehr ambitionierten Mannschaft einen Punkt holt. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass wir Teutonia größtenteils im Griff hatten – gerade deren Offensive – und dass mehr drin war. Was uns heute so ein bisschen gefehlt hat, war die Zielstrebigkeit im letzten Drittel, den absoluten Willen, das Ding irgendwie über die Linie zu kriegen – was wir kurz vor Schluss gezeigt haben.“

Autor: Dennis Kormanjos

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