20.10.2019

Stier empfindet „Genugtuung“ - „Dieser Sieg geht runter wie Öl“

Hathat glänzt - BU triumphiert im „Spiel mit Vorgeschichte“ gegen Meiendorf

Abdel Hathat hatte mit vier Scorerpunkten (1/3) mal wieder entscheidenden Anteil am 5:1-Erfolg seiner Barmbeker gegen Meiendorf. Foto: Bode

Das letzte Aufeinandertreffen zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst und dem Meiendorfer SV hatte ein monatelanges Nachspiel. Der vermeintliche „Rassismus-Eklat“ zog weite Kreise und wurde nicht nur in der Presse-Landschaft rauf und runter diskutiert. Dementsprechend gespannt durfte man – nachdem acht Monate ins Land gezogen sind – auf das neuerliche Duell beider Teams sein. Und um es vorweg zu nehmen: Diesmal stand ausschließlich der Sport im Vordergrund! Wenngleich das Geschehene noch immer irgendwie präsent war – zumindest in den Köpfen. So sprach BU-Coach Marco Stier nach dem 5:1-Erfolg ganz offen davon, „ein Stück weit Genugtuung“ zu empfinden, „nachdem wir so durch den Dreck gezogen worden sind“.

Sein „unglückliches“ Eigentor brachte den MSV kurzzeitig aus dem Konzept: Martin Fedai. Foto: KBS-Picture.de

Erst kränkelte er, dann fehlte er aufgrund einer Gelb-Rot-Sperre: Doch nun war Abdel Hathat zurück – und wie! Gegen Meiendorf ließ der Barmbeker „Flügelflitzer“ mal wieder seine ganze Klasse aufblitzen. An vier der fünf Tore war Hathat direkt beteiligt. Schon nach nicht einmal 180 Sekunden, als ein MSV-Einwurf tief in der gegnerischen Hälfte zum postwendenden Gegenstoß führte, bekam Hathat den Ball von Edison Sa Borges Dju serviert und steckte direkt wieder durch für den Angreifer, der Alexandar Mucunski stehen ließ und eiskalt vollstreckte (3.). „Wir haben das Spiel dominiert, hatten ganz viel Ballbesitz, maximal 15 schlechte Minuten in der ersten Halbzeit – zwischen der zehnten und 25. Minute. Da waren wir nicht so griffig und haben uns ein bisschen hinten reindrängen lassen“, befand Stier. In jener Phase gelang den Gästen der Ausgleich. Über Michael Sara und Martin Fedai kam der Ball zum halbrechts in die Tiefe gestarteten Theodoros Ganitis. Diese rumkurvte Johannes Höcker, geriet dann leicht ins Straucheln, schaffte es aber trotzdem noch, das Runde im Eckigen unterzubringen (26.).

„Zu ungestüm und den Gegner im Spielaufbau stark gemacht“

Während Stier einen dominanten Auftritt seiner Elf wahrnahm, konstatierte Meiendorf-Trainer Baris Saglam: „In der ersten Halbzeit hatten wir Ball und Gegner mit einer guten Aufteilung im Griff.“ Das „unglückliche“ 1:2 kurz nach der Pause führte schließlich dazu, dass man kurzzeitig „die Grundordnung verloren“ habe, „weil die Jungs unbedingt den Ausgleichstreffer machen wollten. Dadurch haben wir zu ungestüm gespielt und den Gegner im Spielaufbau stark gemacht.“ Dass von Saglam bereits angesprochene „unglückliche Gegentor“ ereignete sich in der 53. Minute, als Fedai einen Hathat-Eckball an die Hüfte bekam. Von dort segelte die Kugel in die eigenen Maschen. Eine gute Viertelstunde vor Ultimo war es wieder Hathat, der rechts am Strafraum für den in der Mitte lauernden Elias Saad querlegte. Letztgenannter vollendete cool mit der rechten Innenseite (76.). Nach drei Assists wollte sich der 24-jährige Hathat auch mal selbst in die Torschützenliste eintragen – und tat das auch, nachdem der in dieser Sekunde eingewechselte Florian Kuklinski einen langen Höcker-Abschlag verlängerte, Janis Korczanowski direkt weiterleitete und Hathat von halbrechts auf 4:1 stellte (85.). Lediglich am letzten Tor seiner Mannen war der gebürtige Niebüller nicht beteiligt. Max Rosseburg brachte den durchgebrochenen Korczanowski am eigenen Sechzehner zu Fall. Den folgenden 17-Meter-Freistoß zirkelte Yannik Lux flach durch die löchrige Mauer hindurch ins rechte Eck (90.).

„Wir spielen in bestimmten Phasen nicht erwachsen genug“

BU-Coach Marco Stier gestand, dass er nach dem Sieg besondere Genugtuung empfinden würde. Foto: Bode

„Uns ärgert nicht nur, dass wir Punkte liegen lassen, sondern auch, dass wir nicht erwachsen genug spielen in bestimmten Phasen“, lautete Saglams Fazit. Sein Gegenüber gab zu Protokoll: „Es war ein Spiel auf ein Tor. Meiendorf hatte eine Torchance, wo sie letztlich auch das Tor machen. Wir hätten noch vier, fünf Tore mehr schießen können, wenn nicht sogar müssen. Der Torwart hat noch einige überragende Dinger rausgeholt“, war Stier die Bedeutung dieses Triumphes anzumerken. „Dieser Sieg geht runter wie Öl!“, gestand er aufgrund der Vorgeschichte. Auch wenn sein Team den fünften Erfolg in Serie einfuhr und in der Tabelle als Vierter nur noch ein Pünktchen hinter dem zweitplatzierten FC Teutonia 05 rangiert, bleibt man an der Dieselstraße „bodenständig“, so Stier. „Wir versuchen, Woche für Woche unsere Leistung abzurufen.“

Die 90 Minuten noch einmal im kompletten Re-LIVE

Autor: Dennis Kormanjos

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