Regio Nord

Stark(er) Sezer: Ex-Lübecker lässt „Kiezkickerchen“ jubeln!

„Es wäre komisch, wenn man im ‚falschen Dress‘ beim VfB aufläuft“

11. August 2019, 18:45 Uhr

Cemil Sezer hatte allen Grund zum Jubeln: Der langjährige Lübecker war an allen Toren seiner sankt paulianischen U23 beteiligt. Foto: KBS-Picture.de

Für Cemal Sezer schien es einer dieser gebrauchten Tage zu werden. Zwar hatte der neue Angreifer der sankt paulianischen U23 beim Führungstreffer von Christian Stark, der den Ball artistisch an Lars Huxsohl vorbei im Norderstedter Gehäuse unterbrachte (10.), noch seine Haarspitzen mit im Spiel. Doch nachdem die Garstedter das Derby vor 408 Zuschauern im Edmund-Plambeck-Stadion mit einem Doppelschlag zu Beginn des zweiten Abschnitts auf den Kopf stellten und urplötzlich mit 2:1 in Front lagen (alle Highlights im LIVE-Ticker), hatte eben jener Sezer gleich zweimal aus allerkürzester Distanz den Ausgleich auf dem Fuß (59., 62.). „Die müssen normalerweise reingehen“, gab er hinterher offen zu. „Deshalb war ich umso glücklicher, dass ich mit einem schönen Tor das 2:2 gemacht habe.“

Äußerst artistisch trifft Christian Stark (li.) zur frühen Führung. Foto: KBS-Picture.de

Doch dabei beließ es der langjährige Lübecker, der zunächst ein Zuspiel von Seungwon Lee per Donnerhall aus 19 Metern im rechten unteren Toreck unterbrachte (84.), nicht. Es war erst der Beginn der fünf stark(en) Sezer-Minuten! Denn keine 120 Sekunden später zwang er Norderstedt-Verteidiger Fabian Grau nach einer scharfen Hereingabe von Jannes Wieckhoff durch seine Präsenz zu einem Eigentor (86.). Dem vorausgegangen war jedoch ein Ballverlust der „Gäste“ am gegnerischen Strafraum, als Juri Marxen mit seinem etwas zu ungenauen Pass eben nicht Mitspieler Nick Brisevac, sondern nur Christian Viet fand. Dieser leitete den Konter ein, marschierte einmal schnurstracks bis an den Eintracht-Sechzehner durch und hatte sich dann eigentlich schon festgelaufen, ehe er mit einem traumhaften Steckball den startenden Wieckhoff mustergültig in Szene setzte. „Das 3:2 war einfach nur noch Wille“, befand Sezer – und meinte, erkannt zu haben: „Norderstedt war platt, das hat man gespürt. In der letzten Viertelstunde hatten wir nochmal ein bisschen mehr Kräfte.“ Diese warfen die „Kiezkickerchen“ auch beim 4:2 in die Waagschale, als wiederum Sezer in der Norderstedter Spielhälfte Philipp Koch das Leder abluchste und Stark auf die Reise schickte. Dieser machte seinem Namen alle Ehre und vollendete stark zum Endstand (89.).

Brown und Kobert schießen Norderstedt virtuell an die Spitze

Beim Geschoss von Sezer zum zwischenzeitlichen 2:2 fliegt EN-Fänger Lars Huxsohl vergeblich. Foto: KBS-Picture.de

„Ein geiles Spiel“, jubelte der Doppeltorschütze. „Es hat extrem viel Spaß gemacht und wir wussten, dass noch was drin ist – auch wenn wir nicht allzu gut aus der Halbzeit gekommen sind. Aber wir haben nie aufgegeben“, so der Offensivakteur, der vor dieser Spielzeit vom großen Rivalen HSV II zu den „Boys in Brown“ gewechselt ist. Ein alles in allem verdienter erster Saisonsieg für die Philipkowski-Schützlinge, die den Kontrahenten vor allem in der Anfangsphase dominierten. „Die erste Halbzeit war ganz in Ordnung“, konstatierte auch Sezer, der im Endeffekt an allen Toren beteiligt war.“ Nach Wiederanpfiff „haben sie uns aber ganz kalt erwischt. Dabei hatten wir es in der Halbzeit noch angesprochen, dass wir die ersten zehn Minuten gut überstehen müssen“, verriet der 23-Jährige. Stattdessen kassierte man „zwei sehr, sehr einfache Tore“, brachte es der Matchwinner auf den Punkt. Erst war es der soeben eingewechselte Viet, dessen Querschläger Brisevac in Aktion brachte. Dessen scharfe Flanke brachte Jordan Brown im Kasten unter (51.). Dann gab Marvin Senger nach einem langen Marxen-Ball im Laufduell mit Michael Kobert keine glückliche Figur ab. Auch Keeper Leon Schmidt ließ sich vom Abschluss der EN-Spitze letztendlich überraschen (54.). Damit war die Martens-Equipe zumindest für eine halbe Stunde virtueller Tabellenführer der Regionalliga Nord.

„Es wäre komisch, wenn man sein Leben lang beim VfB gespielt hat und dann dort im ‚falschen Dress‘ aufläuft“

In der Schlussminute machte Stark (Mi.) mit seinem zweiten Treffer den Sack zu. Foto: KBS-Picture.de

Doch dann kam Cemal Sezer, der nach seinem Strahl zum 2:2 einen Sprint über den halben Platz in Richtung Ersatzbank hinlegte. Anschließend klärte er auf: „Ich bin zu unserem Physio Tim, der mich heute behandelt hat, durchgelaufen.“ Der Grund: „Als er mich gepflegt hat, sagte er zu mir: ‚Du machst heute eine Bude, ich hab‘s irgendwie im Gefühl.‘“ Gesagt, getan. Und während Sezer mit der Eintracht kurzen Prozess machte, lieferte seine langjährige sportliche Liebe aus Lübeck den Profis des FC St. Pauli einen echten Pokalfight und zog erst – nach einem 3:3 nach 120 Minuten – im Elfmeterschießen äußerst unglücklich und tragisch den Kürzeren. Ob der gebürtige Lübecker nicht viel lieber gegen seine Ex-Buddies gespielt hätte? „Ich bin ehrlich: Es wäre komisch, wenn man sein ganzes Leben beim VfB gespielt hat, dann dort aufläuft und noch im ‚falschen Dress’. Deswegen habe ich jetzt nochmal eine Woche länger Zeit, darüber nachzudenken, bevor wir mit der Zweiten da sind“, erklärte er mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht.

Was hatten beide Trainer nach dem Spiel zu sagen? Die PK im Video!

Autor: Dennis Kormanjos

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