Oberliga

Rugenbergen „schlägt sich selbst“ – Rahn: „Ich glaube nicht, dass wir verdient gewonnen haben“

Ivanko-Elf verspielt gegen den HSV III eine 2:1-Führung und verliert mit 2:4

03. November 2019, 22:00 Uhr

Er machte den Unterschied: Dominik Jordan erzielte drei Treffer für die HSV-Drittvertretung. Foto: KBS-Picture.de

Nein, reden wollte er diesmal einfach nicht so gerne. „Ich will nicht schon wieder das Gleiche erzählen wie in den letzten Wochen. Das ist mir fast schon peinlich“, sagte Andelko Ivanko nach dem Spiel des SV Rugenbergen gegen den Hamburger SV III. Das Gleiche hätte in etwa so geklungen: gut gespielt, die Chancen nicht so genutzt, wie man sie hätte nutzen können – und am Ende wieder nicht das geholt, was man hätte holen können. Und so ließ Ivanko diesmal seinem Co-Trainer Daniel Domingo den Vortritt. Doch auch der kam um das Wort „hätte“ in seiner Analyse nach der 2:4-Niederlage gegen die „Rothöschen“ nicht herum. „Hätte, hätte... – dafür kann man sich nichts kaufen“, musste auch Domingo am Ende eingestehen.

„Wir waren“, so ließ der SVR-Co-Trainer Revue passieren. „in der ersten Halbzeit domnant und gehen auch verdient in Führung. Wir hatten viele gute Möglochkeiten. Auch nach dem 1:0. Da hätten wir das 2:0 machen können, doch Felix Dieterich scheitert in einer Eins-gegen-Eins-Situation am Torhüter. Der HSV ist vor der Pause kaum ins Spiel gekommen – und dann machen sie aus dem Nichts das 1:1, weil wir nach einem Abwurf über die rechte Seite nicht kompakt stehen.“ Doch nicht nur das: Keeper Patrick Hartmann wehrte den Angriff nach 32 Minuten zunächst zwar ab – dies allerdings genau vor die Füße von Dominik Jordan, der damit Kilian Utckes Führungstreffer egalisierte. Apropos Utcke: Der hatte vom Toreschießen noch nicht genug und brachte seine Mannschaft in der 39. Minute nach einer Vorlage von Jaques Rodrigues de Oliveira mit einem Volleyschuss erneut in Führung. „Das war mehr als verdient“, befand Domingo, der beinahe noch einen dritten SVR-Treffer im ersten Durchgang gesehen hätte, doch Felix Dieterich wurde unsanft gestoppt. „Theoretisch war das eine Notbremse, aber es gibt keine Rote Karte. Wir nutzen den anschließenden Freistoß nicht, also gab's auch kein weiteres Tor“, so Ivankos „Co“.

Domingo: „Es ist schade, dass sich die Jungs nicht selbst belohnen“

Rugenbergens Co-Trainer Daniel Domingo sah in der zweiten Hälfte einen fahrigen Auftritt der Heimmannschaft. Foto: KBS-Picture.de

Und das sollte sich rächen. „Der HSV II war mit dem 2:1 zur Halbzeit gut bedient, es hätte auch 3:1 oder 4:1 stehen können“, urteilte Domingo und erklärte: „Wir hatten uns vorgenommen, in der zweiten Hälfte mit genau dem gleichen Elan wie in der ersten zu spielen. Unser Ziel war es, den Gegner zu stören und nicht ins Spiel kommen zu lassen. Aber dann kommt es so, wie es kommt: Wenn du vorne die Tore nicht machst, musst du dich nicht wundern, wenn du sie hinten kriegst.“ Und genau das passierte: Jordan nutzte eine Unkonzentriertheit der Hausherren zum 2:2. „Von da an haben wir den Faden verloren“, bilanzierte Domingo, „unser Spiel war dann zerfahren. Aus einem Ballverlust, als Felix Dieterich der Ball verspringt, fällt durch einen Konter das 2:3.“ Aber auch nach dem Treffer, den Ex-Nationalspieler Marcell Jansen für die Gäste erzielte, „hatten wir durch Hendrik Rühmann die Möglichkeit, das 3:3 zu machen. Weil wir dann weiter aufs 3:3 gedrückt und hinten aufgemacht haben, macht der HSV III noch den vierten Treffer“, so Domingo, der feststellte: „Wir haben uns selbst geschlagen. Eigentlich hätten wir viel mehr verdient gehabt. Wir müssen weiterarbeiten. Die Jungs geben alles. Es ist schade, dass sie sich nicht selbst belohnen, weil sie läuferisch und spielerisch viel investieren.“

Rahn: „Wir lassen zu viele und zu einfache Chancen für den Gegner zu“

Auf Seiten des HSV III ärgerte sich Coach Christian Rahn über fehlende Stabilität in der Defensive. Foto: KBS-Picture.de

Bei den Gästen wusste Christian Rahn, bei wem er, sein Trainerkollege Marcus Rabenhorst und sein Team sich zu bedanken hatten. Da war zum einen Keeper Tino Dehmelt, der dafür gesorgt hatte, dass wir „in der ersten Halbzeit nicht höher in Rückstand geraten sind“, der dreifache Torschütze Dominik Jordan und „Sepehr Nikroo, der drei Tore vorbereitet hat.“ In seiner Analyse stellte der HSV III-Übungsleiter fest, „dass wir mit dem Ball – so wie in den letzten Spielen – sehr ordentlich gespielt haben. Gegen den Ball war es, wie auch schon gegen Niendorf, fahrig. Wir lassen zu viele und zu einfache Chancen für den Gegner zu.“ Jordan übrigens hatte auf dem Rasen des Sportzentrum Bönningstedt (Rahn: „Der Platz war in einem guten Zustand und ordentlich zu bespielen, hinterher sah das anders aus“) schon nach 30 Sekunden „die erste große Möglichkeit gehabt, kam aber am zweiten Pfosten einen Tick zu spät“, wie Rahn zurückblickte. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann ein bisschen umgestellt und es lief einen Tick besser. Ich glaube nicht, dass wir verdient gewonnen haben. Auch Rugenbergen hat in der zweiten Hälfte die eine oder andere Chance liegengelassen. Wir waren eifach einen Tick kaltschnäuziger“, befand Rahn und schloss sein Fazit: „Wir wünschen uns, dass wir defensiv stabiler stehen und weniger Gegentore fangen. Im Moment haben wir ein Torverhältnis von 41:39. Das sind 80 Treffer in 16 Spielen – Wahnsinn. Das müssen wir verbessern, auch wenn wir nach vorne die Qualität haben, immer Tore zu erzielen.“

Jan Knötzsch

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