Oberliga-Abstiegsrunde

Rothosen-Freude, Lohbrügger Frust: „Wild Boyz“ verlieren Spiel – und ein Führungsduo!

27. Februar 2022, 18:11 Uhr

Sepehr Nikroo agierte aufgrund der Ausfälle als Sturmspitze und erzielte vor der Pause einen Doppelpack. Foto: noveski.com

„Es war ja so ein bisschen das Problem der letzten Wochen und Monate, dass wir nach einem Gegentor komplett zusammengefallen sind“, musste Christian Rahn mit seinem Hamburger SV III einige bange Minuten überstehen – nachdem Christian Degener den VfL Lohbrügge nach einem 0:2 zur Pause zurück in die Partie gebracht hatte (56.). „Wir wussten, dass Lohbrügge nochmal alles nach vorne werfen wird. Aber wir haben eine gute Reaktion gezeigt, uns richtig aufgebäumt und dagegengestemmt“, freute sich Rahn, der zusammen mit Marcus Rabenhorst die Geschicke bei der HSV-Dritten leitet, über die prompte Reaktion seiner Jungs – und das gleich in doppelter Manier…

Lohbrügge-Kapitän Anto Zivkovic handelte sich wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte ein. Foto: Bode

Zwar markierte Levin Erik nach feinem Zuspiel von Michele Morrone im Eins-gegen-Eins das 3:1 für die Rothosen und sorgte damit für eine vermeintliche Vorentscheidung (69.). Doch Lohbrügge gab nicht klein bei, kam erst zur erneuten Anschlusschance durch Stjepan Brkic (71.), ehe sich die Hausherren selbst schwächten. Kapitän Anto Zivkovic handelte sich die Ampelkarte ein, woraufhin die „Wild Boyz“ in Unterzahl agieren mussten. Und dennoch hieß es wenig später 2:3 aus VfL-Sicht, weil Jerry Sampaney einen Elfmeter verursachte und Pascal Bäker die Nerven behielt (81.)!

Umstrittener Strafstoß lässt Emotionen überkochen

Spannende und vor allem hitzige Schlussminuten brachen an, als Referee Henry Wagner (GW Eimsbüttel) plötzlich auf der anderen Seite auf den Punkt zeigte und den Gästen einen durchaus umstrittenen und fragwürdigen Strafstoß zusprach. Mohamed Abd El Aal Ali war’s herzlich egal. Er verwandelte zum 4:2 für die Rothosen (86.), was dafür sorgte, dass Lohbrügge in Marvin Karow einen weiteren Leistungsträger verlor. Wegen Meckern sah der Mittelfeld-Leader ebenfalls Gelb-Rot (87.). Das führte zu wilden Protesten auf der VfL-Bank und einer glatt Roten Karte gegen Co-Trainer Marko Schultz! „Ich fand, dass das eigentlich ein total faires Spiel war“, urteilte Rahn, der aber auch von „ein paar fragwürdigen Entscheidungen“ sprach. Ein Heim-Schiedsrichter war Wagner jedenfalls nicht.

"Eine der schlechtesten Halbzeiten, die wir je gespielt haben"

Freute sich darüber, dass seine Rothosen den Abstiegskampf angenommen haben: Christian Rahn. Foto: noveski.com

Doch darauf wollte Elvis Nikolic die Niederlage keineswegs schieben. Vielmehr fand er deutliche und zugleich ehrliche Worte: „Die erste Halbzeit haben wir komplett verschlafen. Da hat der HSV das gemacht, was wir eigentlich machen sollten – und zwar griffig sein, den Abstiegskampf annehmen und bereit sein. Das waren wir nicht.“ Stattdessen sei „das wohl eine der schlechtesten ersten Halbzeiten, die wir je gespielt haben“, gewesen. „In der zweiten Halbzeit haben wir uns gestrafft. Aber es sollte an dem Tag nicht sein. Wir hatten nicht die Einstellung, über 90 Minuten den Abstiegskampf anzunehmen.“

Zu den Entscheidungen des Unparteiischen sagte der Lohbrügge-Trainer, der gemeinsam mit Sven Schneppel das Ruder am Binnenfeldredder innehat: „Ich will nicht darüber diskutieren, sondern auf unsere Leistung gucken und es besser machen – auch wenn der Elfmeter zum 2:4 sehr fragwürdig war. Aber das, was dann folgt, ist nicht gut von uns“, gestand er – und fordert im nächsten Spiel beim FC Süderelbe eine Reaktion: „Da müssen wir ganz anders auftreten – und zwar über 90 Minuten.“ Allerdings ohne die gesperrten Zivkovic und Karow – eine Mammutaufgabe!

"Ein gutes Zeichen der Mannschaft, dass wir die Abstiegsrunde angenommen haben"

Auch "Aggressive Leader" Marvin Karow sah kurz vor Schluss Gelb-Rot und wird den "Wild Boyz" in Süderelbe fehlen. Foto: Bode

Auf der anderen Seite freute man sich „über den Sieg und einen super Start in die Abstiegsrunde“, so Rahn. „Ich glaube, bei uns wissen auch mittlerweile alle, worum es geht. Das war ein gutes Zeichen der Mannschaft, dass wir die Abstiegsrunde angenommen haben“, fand er nach zuletzt doch eher dürftigen Auftritten und zum Teil derben Niederlagen lobende Worte. Dabei waren die Voraussetzungen vor dem Spiel am „Binner“ auch nicht gerade die besten: Mit Manuel Brendel (Corona) und Marcell Jansen (Fünfte Gelbe) fielen zwei Angreifer aus, so dass der zuletzt nicht in Top-Form befindliche Sepehr Nikroo in die Sturmspitze rückte. Und Nikroo dankte es dem Trainerteam mit zwei Toren im ersten Abschnitt. Beide Male wurde er von Yannis Büge mustergültig in Szene gesetzt (7., 44.). Beim zweiten Treffer schüttelte Nikroo noch zwei Gegenspieler sehenswert ab, um dann zu finalisieren.

"Die Jungs haben ab der ersten Minute gezeigt, dass sie gewinnen wollen"

Zwischenzeitlich hätte Dominik Jordan schon auf 2:0 für die Gäste stellen können, vergab aber. Kurz nach der Pause musste „Dome“ dann als nächster Leistungsträger verletzt die Segel streichen. „Er hat gegen Ende der ersten Halbzeit einen Schlag auf den Spann bekommen“, klärte Rahn hinterher auf. Trotz der Ausfälle habe man „die Bedingungen angenommen. Die Jungs hatten Bock und haben ab der ersten Minute gezeigt, dass sie das Spiel gewinnen wollen.“ Trotz des holprigen Untergrundes – aber: „Der Platz war in einem vernünftigen Zustand. Ich habe schon auf deutlich schlechteren Plätzen gespielt“, befand Rahn.

"Dürfen nicht nachlassen, sondern müssen genau da weitermachen"

Mohamed Abd El Aal Ali (re.) machte vier Minuten vor dem Ende mit einem umstrittenen Elfmeter den Deckel drauf. Foto: noveski.com

Am kommenden Freitagabend wolle man gegen Hamm United nachlegen. Das Spiel ist aktuell noch im Hammer Park angesetzt. Mit den „Geächteten“ habe man sich aber schon auf einen Heimrechttausch geeinigt, sodass die Partie zunächst in Norderstedt stattfinden soll. Nur von Verbandsseite hat man diesbezüglich immer noch nichts gehört. Wie dem auch sei. Sportlich habe man „immer das Ziel, jedes Spiel gewinnen zu wollen“, ist der Ehrgeiz bei Rahn und seinen Schützlingen groß. „Natürlich hätten wir uns gewünscht, in die Aufstiegsrunde zu gehen. Aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben, dass das nicht passiert ist. Heute war ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen genau da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben.“

Autor: Dennis Kormanjos