Landsliga Hammonia

Rinckens rockt, „Fürste“ frustriert: „Noch nie ein Spitzenspiel gehabt, was so wenig Spaß gemacht hat“

Rantzau unterliegt am Reinmüller beim HEBC deutlich mit 0:3

08. September 2019, 18:30 Uhr

Vorzeitiger Feierabend: HEBC-Coach Özden Kocadal gönnte Doppeltorschütze Janosch Rinckens (re.) einen Extra Applaus, als er ihn durch Ole Natusch ersetzte. Foto: Knötzsch

Vor dem Spiel des SSV Rantzau beim HEBC (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) erlebte Marcus Fürstenberg einen Moment, mit dem er so nicht gerechnet hatte. „Draußen ging vor der Anlage mein Ex-Spieler Lukas Dau spazieren. Ich hab gesagt, er soll rein kommen und sich das Spiel ansehen“, berichtete der Coach der Gäste. Dau zog die Fortfühung der Spaziergangs dem Spielbesuch vor – und tat damit das richtige. Zumindest, wenn er seinem Ex-Trainer im Gipfeltreffen der Landesliga Hammonia die Daumen gedrückt hätte. Denn nach dem Match war „Fürste“ alles andere als „amused“ und urteilte im FussiFreunde-Video-Interview (siehe Text): „Ich hab noch nie ein Spitzenspiel gehabt, was so wenig Spaß gemacht hat und wo so wenig Feuer von meiner Mannschaft drin war.“

Ganz anders sah es da mit der Stimmung beim HEBC aus, der sich durch das 3:0 und den daraus resultierenden „Dreier“ gegen den bis dahin Dritten des Klassements in der Tabelle wieder an TuRa Harksheide (siegte am Freitag 5:2 gegen Eintracht Lokstedt, Anm. d. Red.) vorbei auf den Platz an der Sonne schob. „Die erste Halbzeit war eine Macht-Demonstration. Die Tore waren keine Zufallsprodukte. So möchte ich das sehen, das ist der HEBC-Stil“, gab Özden Kocadal seinen Spielern im Teamkreis mit auf den Weg, ehe er ihnen signalisierte: „Und jetzt dürft ihr feiern, Jungs!“ Dass die Eimsbütteler letztlich ihren allseits bekannten „Lila-Weiße-Invasion“-Schlachtruf anstimmen durften, war wieder einmal der Verdienst eines Mannes – zumindest dann, wenn man auf die nackten Zahlen schaut. Denn: Janosch Rinckens rockte den Reinmüller. Vor 163 Zuschauern traf der Stürmer der Gastgeber zwei Mal selbst ins Schwarze (23., 48.), ein Mal – bei Jorma Eggers' Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 – fungierte er als Vorlagengeber.  

„Alles, was jetzt an Kritik kommen würde, wäre Kritik auf ganz hohem Niveau“

Entwischt: HEBCs Tjorven Köhler (re.) muss Flemming Bruns ziehen lassen. Foto: Knötzsch

Doch nicht nur Rinckens und dem ebenfalls starken Fabian Lemke wollte Kocadal nach der Begegnung den Erfolg zuschreiben. „Das ist das Problem: Viele gucken immer gerne in die Offensive und wollen natürlich auch Ballbesitz-Fußball sehen. Aber wenn wir mal nach hinten gucken, dann haben wir heute nur eine Chance zugelassen – das war ein Kopfball an die Latte nach 72 Minuten. Von daher würde ich sagen, dass das eine geschlossene Mannschaftsleistung war“, sagte der HEBC-Coach und grinste: „Natürlich wissen wir, dass wir starke Individualisten wie Rinckens haben. Oder Juro Julardzija, der heute ja noch nichtmal zum Einsatz gekommen ist. Die Leistung von 'Fabi' (Lemke, Anm. d. Red.) war auch sensationell.“ Klingt so, als wenn der Übungsleiter bei seiner Analyse nicht ein einziges Haar in der Suppe gefunden hätte. Doch! Da gab's was: „Alles, was jetzt an Kritik kommen würde, wäre Kritik auf ganz hohem hohem Niveau. Wir haben nicht viel zu bemängeln. Es geht höchstens um Kleinigkeiten, die wir in der Defensive noch besser machen können. Ansonsten war das schon gut“, bilanzierte Kocadal im Anschluss an die Partie.

Blick auf die Konkurrenz? „Wir konzentrieren uns auf uns – das ist das Wichtigste“

Spielunterbrechung: Referee Tim Kossek (Dritter v. li.) steht zwischen zwei zu Boden gegangenen Akteuren der Hausherren. Foto: Knötzsch

„Wir wollen“, so der HEBC-Trainer weiter, „zuhause dominant sein. Dominanz macht sich für mich nicht nur darin fest, dass man sagt: 'Wir haben ganz viel Ballbesitz'. Wir wollen die Spielphasen bestimmen und – je nachdem, wer der Gegner ist – die Schwächen ausnutzen, verschiedene Pressing-Varianten spielen. In der Partie gegen den ETV haben wir es so gemacht, dass wir denen viel Ballbesitz gegeben haben, weil wir vorne schnelle Leute haben.“ Gegen Rantzau sei der Auftritt seiner Elf „richtig dominant“ gewesen, sagte Kocadal und fügte mit Blick auf die Situation als „Leader“ und damit Gejagter vor Konkurrent Harksheide an der Tabellenspitze hinzu: „Ich glaube, dass der ETV noch oben auftauchen wird. Da bin ich mir ganz sicher. Das ist eine spielerisch sehr starke Mannschaft. Auch Halstenbek-Rellingen ist nicht zu unterschätzen. Und auch Niendorf II habe ich inzwischen gesehen. Da werden noch Teams nach oben kommen, ganz sicher.“ Am Ende aber sei das „egal. Wir konzentrieren uns auf uns – das ist das Wichtigste“, schloss Kocadal nach der Macht-Demonstration seiner Lila-Weißen sein Statement.

Jan Knötzsch  

Kommentieren