11.08.2019

Paloma II „mega effektiv“: Bei Falke „klingelt“ es hinten und vorne fehlt „die Gier auf die Hütte“

„Tauben“-Reserve schlägt den HFC mit 3:1

Auf engstem Raum: Palomas Maisem Azadeh (am Ball) bemüht sich, an Marco Rohde vorbeizukommen. Foto: Knötzsch

Dirk Hellmann wirkte konsterniert, als er in der Mittagssonne nach dem Auftritt des HFC Falke bei der Zweitvertretung des USC Paloma (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) über den Kunstrasen an der Brucknerstraße schritt. Erst hatte der Coach die Mannschaft zusammengerufen, dann suchte „Helle“ das Gespräch mit seinem „Staff“. Und schließlich fand der Übungsleiter der Gäste dann zu seiner Analyse des Spiels, an deren Ende nach der 1:3-Niederlage ein deutliches Fazit stand: „Wir sind noch nicht zu 100 Prozent in der Saison. Das merkt man im Timing, in der Abstimmung und in Sachen Eingespieltheit.“

„Helles“ Bilanz – sie war das Schlusswort einer Partie, in der Paloma vor allem eines tat: immer dann das gegnerische Tor treffen, wenn es nötig war. So zum Beispiel in der ersten Minute, als ein langer Ball nach vorne bei Rodrigo Lemos Lala landete und der zur Führung für die „Tauben“ einnetzte. „Vor allem dieser Zeitpunkt am Anfang tat uns richtig gut. Das passte fürs Spiel. Wir wussten, dass Falke mit langen Bällen spielt und auf zweite Bälle presst. Sie mögen es nicht, wenn die Kette weit aufgerückt ist. Das kam uns entgegen, weil wir schnelle Stürmer haben, die immer wieder Gefahr ausgestrahlt haben“, jubelte USC II-Übungsleiter Marius Nitsch. Exakt zwei weitere Male sollte Paloma II die Gefahr in Zählbares ummünzen. Zunächst, als Julian Hilbig nach 43 Minuten auf 2:0 erhöhte und dann, nachdem Falke durch Henrik Petersen auf 1:2 herangekommen war (74.), in Person von Joao Carlos Flores Neves, der mit dem 3:1 alles klar machte (80.).

Nitsch: „Wir haben zu brutalen Zeitpunkten die Tore gemacht“

Unter Druck gesetzt: Falkes Dennis Karmazyn (re.) attackiert seinen Gegenspieler. Foto: Knötzsch

„Ich bin insgesamt mit dem Spiel zufrieden. Wir haben brutal viele Meter abgerissen. Die Jungs können stolz auf sich sein. Wir haben nicht viel zugelassen. Und wir haben heute zu brutalen Zeitpunkten die Tore gemacht. Gerade, als Falke nach dem 1:2 kurz dran war“, konstatierte Paloma II-Übungsleiter Nitsch, „unsere Chancenverwertung war mega effektiv. Das war in den letzten Wochen nicht so. Da hatten wir 20, 30 Chancen und haben nichts getroffen.“ Man habe, so Nitsch in seiner Analyse, „auf beiden Seiten gespürt, dass keiner Fehler machen wollte und die erste Reihe dann lieber mal mit langen Bällen überspielt wurde.“ Am Ende sei seine Equipe, so Nitschs Sicht der Dinge, „über den Kampf zu den drei Punkten gekommen.“

Dirk Hellmann hatte sein Team derweil „nicht riesig unterlegen“ gesehen: „Paloma hat in der zweiten Hälfte natürlich umgestellt und sich gesagt: Lass‘ die mal machen und uns anlaufen. Da haben wir zu wenig draus kreiert. Wir hatten ein paar Situationen, wo man einfach die Gier auf die Hütte haben muss. Da muss man das Knistern spüren, den absoluten Willen, zum Ball zu gehen und die Bude machen zu wollen. Das habe ich in vielen Situationen nicht genügend gemerkt.“ Hinzu komme, so Hellmann weiter, in der Defensive zum Beispiel die Szene, die zum 0:1 führte: „Da ist die Innenverteidigung nicht richtig wach und schiebt einfach nicht wieder zusammen. Dass man sich so ein Tor fängt, habe ich selten gesehen. Dann musst du gegen eine gute Mannschaft einem Rückstand hinterherlaufen. Das schaffst du nicht in jeder Woche aufzuholen. Von uns muss im letzten Drittel einfach mehr kommen.“

Hellmann: „Von uns muss im letzten Drittel einfach mehr kommen“

Falke-Coach Dirk Hellmann (li.) im Dialog mit Schiedsrichter Hasan Öcalan. Foto: Knötzsch

Eine Zeit lang kam es sogar. Um genau zu sein: Nachdem „Helle“ nach 57 Minuten Alexander Briegert einwechselte, der auf der rechten Seite ordentlich Betrieb machte und die Paloma II-Defensive das eine oder andere Mal vor Probleme stellte. Warum also diese Variante nicht von Anfang an? „Natürlich fragt man sich das von außen. Aber: Er war krank, hat sich im Pokal durchgequält und war dann im Urlaub. Letzte Woche war er das erste Mal wieder dabei, als er eingewechselt wurde. Auch heute hat man gesehen: Nach zehn Minuten ging bei ihm nicht mehr viel, auch wenn er Betrieb gemacht hat. Wir wissen um die brutale Qualität, die er hat und in den nächsten Wochen auch vermehrt wieder einbringen wird“, so Hellmann.

Aber: „Noch fehlen ihm ein paar Prozent. Und dann haben es eben andere Jungs, die mehr trainiert haben, eher verdient, von Anfang an zu spielen“, erklärte Hellmann seine Entscheidung. Dennoch: Auffällig war, dass Falke nach der Briegert-Einwechselung tatsächlich vermehrt über rechts kam und Marco Rohde, den „Helle“ nach der Auswechselung von Dennis Karmazyn nach links beordert hatte, mehr oder minder ohne Zuspiele „verhungerte“. „Da muss mir an seiner Stelle doch das Messer in der Hose aufgehen. Weil: Dann bin ich am zweiten Pfosten genau derjenige, der in dieser Situation in die Box kommt“, befand Hellmann und kam zu dem Schluss: „Das haben wir heute in vielen Momenten nicht geschafft.“

Jan Knötzsch

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