Oberliga

Ob zu elft oder nur zu zehnt – HEBC zeigt Düneberg: „Das hat momentan nichts mit Oberliga zu tun!“

13. August 2023, 17:47 Uhr

Erciyes Palo bejubelt sein Elfmeter-Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 und bereitete zwei Treffer mit einfachen Chip-Bällen über die Kette direkt vor. Foto: noveski.com

„Wir kommen gut raus, machen das 1:0 – und alles ist Bombe“, überfiel der Düneberger SV den heimischen HEBC in den Anfangsminuten und überrumpelte die Eimsbütteler förmlich (alle Highlights im LIVE-Ticker). Was dann allerdings passierte, konnte sich selbst Chefcoach André Wengorra nicht erklären: „Ich bin ehrlicherweise ein bisschen sprachlos“, rang der DSV-Übungsleiter nach Worten – und kam zu der Erkenntnis: „Wenn ich mir die Tabelle und das Torverhältnis angucke, dann hat das momentan nichts mit dem Klassenerhalt oder der Oberliga zu tun!“ Deutliche Worte, die das, was die Mannen vom Silberberg am Sonntagvormittag auf den Platz brachten, zu 100 Prozent widerspiegelten!

Da war die Düneberger Welt noch in Ordnung, als Marvin Möller (verdeckt) zur Blitzführung nach gerade mal 120 Sekunden einköpfte. Foto: noveski.com

Wenn man als Mannschaft eine Halbzeit in der Oberliga – trotz Überzahl (!) – mit 1:4 verliert, dann kann schon mal irgendwas nicht stimmen. „Ich habe nicht gesehen, dass wir ein Mann mehr sind“, urteilte Wengorra. Im Gegenteil. Sein Düneberger SV wurde in den zweiten 45 Minute auch von zehn Gegenspielern derart vorgeführt, dass man das Gefühl bekam, der Gast würde in doppelter Unterzahl agieren. Obwohl Rechtsverteidiger Ergin Gökcek, der nach einem Foulspiel bereits gelbverwarnt war, seinem HEBC in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen echten Bärendienst erwies und wegen Meckerns die Ampelkarte sah (45. +3), hatte jener Umstand, dass seine Equipe nur noch zu zehnt auf dem Feld stand, keinerlei Einfluss auf die Partie.

"Es hat an allem gefehlt, was man als Fußballer mitbringen muss"

Elfmeter! Tom Muhlack (li.) lässt sich von Tjorven Köhler übertölpeln und weiß sich dann nur noch mit einem Foulspiel zu helfen. Foto: noveski.com

Dabei erwischten die Geesthachter einen wahrhaftigen „Bombenstart“ und bogen nach einem Freistoß von Tarik Cosgun, den Joe Warmbier verlängerte, durch Marvin Möller nach nicht mal 120 Sekunden auf die Siegerstraße ab (2.). „Und dann ist es beim einen oder anderen vielleicht der Schalter, der nicht ganz umgelegt wird. Man fängt an zu verwalten, wo man nicht verwalten muss. Man macht so viele individuelle Fehler, indem die einfachsten Pässe nicht an den Mann kommen. Zweikämpfe haben wir nur verbal geführt. Wir hatten keine Rückwärtsbewegung, keine Lautstärke – es hat wirklich an allen Sachen gefehlt, die man als Fußballer mitbringen muss“, konstatierte ein ernüchterter Wengorra.

HEBC schickt Düneberg durch einen Slalom-Parcours

Was für ein Strahl! Johann Buttler jagte einen Freistoß links versetzt vom Strafraum ins kurze Kreuzeck - 3:1. Düneberg wähnte den Ball nicht drin. Foto: noveski.com

Vor allem Kapitän Tom Muhlack, der eigentlich als wichtige Stütze und Führungsspieler aus Dassendorf verpflichtet wurde, erwischte einen rabenschwarzen Vormittag! Vor dem Ausgleich ließ er sich nach einem Chip-Pass von Erciyes Palo von Tjorven Köhler ganz leicht abschütteln (5.). Dann verursachte er viel zu ungestüm und ebenso unnötig gegen Köhler einen Foulelfmeter, den Palo sicher verwandelte (23.). Und kurz nach der Pause, als sein Team aufgrund der Überzahl noch einmal kurzzeitig Morgenluft witterte, kam Muhlack nach einem weiteren Chip von Palo gegen Johann Buttler überhaupt nicht hinterher, wurde überlaufen – und der Angreifer der Hausherren krönte seine Aktion mit einem tollen Lop über Arne Hantusch hinweg zum 5:1 (52.)!

„Man hat gemerkt, dass der Gegner damit gebrochen war“, befand Jan Geist, der den urlaubenden Chef Özden Kocadal vertrat. Letztlich war Düneberg aber schon nach dem Dreierpack binnen fünf Minuten im ersten Abschnitt gebrochen. Nach Foul von Warmbier an Allan Muto, der die Düneberger mehrfach in einen Slalom-Parcours versetzte, jagte der ganz starke Buttler einen Freistoß links versetzt vom Strafraumeck ins linke Kreuzeck (26.), ehe der Kunstschütze die viel zu hoch stehende Viererkette mit einem (sensationellen) Steilpass aushebelte und Köhler auf 4:1 stellte (28.)!

"Es waren vor allem unsere Jungs"

Tarik Cosgun (li.) forderte bei nahezu jeder Flanke einen Handelfmeter und geriet deshalb mit Erciyes Palo (re.) aneinander. Ergin Gökcek mischte sich ein - und flog. Foto: noveski.com

Apropos Viererkette: „Ich habe Düneberg letzte Woche gegen Vicky, wo sie das phasenweise richtig gut gemacht haben, und auch gegen Altona gesehen“, verriet Geist. „Deswegen war ich etwas überrascht, dass die mit einer Viererkette begonnen haben. Da ist unser Pressing anfangs nicht so aufgegangen, wie wir das wollten. Aber die Jungs haben sich viel vorgenommen – das hat man auch gesehen.“ Die Tiefe wurde gut bespielt – wenngleich der Gegner den Eimsbüttelern auch vollauf in die Karten spielte und es dem HEBC überaus einfach machte. Zudem zeigte man sich sehr effektiv“, lobte Geist. „Ich erinnere mich noch ans letzte Jahr, wo wir teilweise Probleme hatten, diese Läufe zu machen. Ich will den Gegner nicht besser oder schlechter machen, als er war – aber ich glaube, dass das vor allem unsere Jungs waren, die da mittlerweile ein Mittel gefunden haben, gefährlicher zu sein.“

Auch nach dem halben Dutzend, als Semir Demirovic eine herrliche Stafette über Nikola Kosanic und Muto mit einem Rechtsschuss (!) aus 16 Metern krönte (64.), machte der HEBC weiter. „Wir haben was gutzumachen!“, verwies ein lautstarker Palo auf das 1:6 in der Vorwoche bei Süderelbe. Zwar betrieb Valentin Zalli nochmal so etwas wie Ergebniskosmetik (74.), aber die „Veilchen“ – wohlgemerkt in numerischer Unterzahl – hatten noch nicht genug. Magnus Hartwig veredelte einen Doppelpass mit Raoul Bouveron (82.), der wenig später DSV-Fänger Arne Hantusch nach Muto-Vorarbeit ganz, ganz schlecht aussehen ließ – 8:2 (85.)!

"Glaube, dass das heute das i-Tüpfelchen war, dass es so nicht weitergeht"

Auch Semir Demirovic (Mi.) trug sich - mit seinem schwächeren rechten Fuß - in die Torschützenliste ein. Tom Muhlacks Blockversuch kommt zu spät. Foto: noveski.com

Dass seine Mannen auch mit nur noch zehn Mann weitergemacht haben, stelle ihn „ganz besonders zufrieden“, so Geist, der seinen Schützlingen anschließend im Teamkreis eine Kiste versprach. Die wird sich der Liga-Neuling vom Silberberg in den kommenden Tagen und Wochen hart erarbeiten müssen. „Von dem, was wir uns vorgenommen haben, und dem, was wir auf den Platz gebracht haben – da lagen Welten dazwischen. HEBC hat das clever ausgespielt. Aber nach so einer Leistung erfolgt hoffentlich ein Stück weit eine gewisse Selbstreflektion von der Mannschaft. Wenn ich mir die Gesichter angucke, dann glaube ich, dass das heute das i-Tüpfelchen war, dass das so nicht weitergeht“, will Wengorra von seiner Elf gegen HR „eine Wiedergutmachung“ sehen. „Auch für die Fans, die heute mit hergekommen sind, damit sich so eine Schmach nicht wiederholt.“

Autor: Dennis Kormanjos

Fotogalerie