11.09.2019

Nach Bork-Bock: Erst löst von Knebel die Fesseln, dann schlägt Amamoo zu

Norderstedt gewinnt einseitiges Spiel gegen HSC Hannover mit 3:1

Jubiläums-Treffer: Mit seinem 50- Regionalliga-Tor für die Eintracht brachte Jan Lüneburg (re.) sein Team in Führung. Foto: Sellhorn

Es lief die 50. Minute im Regionalliga Nord-Nachholspiel zwischen dem FC Eintracht Norderstedt und dem HSC Hannover (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker), als Jan Lüneburg sich in Richtung Bank aufmachte. Vorher hatte sich der Stürmer der Eintracht kurz ans Bein gegriffen. Nun ging es nicht mehr weiter für ihn. Jens Martens musste wechseln und ersetzte Lüneburg durch Michael Kobert. „Er hatte Probleme mit den Adduktoren“, sagte der Eintracht-Coach später nach dem Spiel über den Abgang Lüneburgs, der in dem Moment, als er das Feld verließ, noch der Held war. Einen Treffer hatte „Lüne“ erzielt – nach 15 Minuten. Es war der 50. Regio-Treffer Lüneburgs im Eintracht-Dresse. Und bis zur 68. Minute sah es danach aus, als ob es auch der Siegtreffer für die Garstedter sein sollte. Doch es kam anders.

Und das hing mit Rico Bork zusammen. In jener 68. Minute segelte der Ball in der Luft in den Eintracht-Strafraum. Bork wollte das Leder zu seinem Keeper Lars Huxsohl zurück köpfen, doch als Norderstedts Nummer 15 das runde Leder soeben über seinen Scheitel in Richtung eigenes Tor gelenkt hatte, war absehbar: das würde schiefgehen. Denn: Schlussmann Huxsohl stand anders postiert, als Bork sich das wohl gedacht hatte, musste in Folge dessen das Spielgerät an sich vorbei fliegen lassen und die Kugel landete tatsächlich in die Maschen des Eintracht-Tores. 1:1 durch ein Eigentor. Wie bitter für die Mannschaft von Jens Martens und Olufemi Smith, die bis dahin ein Chancenfeuerwerk abgebrannt hatte. Der einzige Haken: das zweite Tor für die Hausherren wollte einfach nicht fallen. „Ich bin sehr zufrieden. Nicht nur weil wir sechs Punkte innerhalb von vier Tagen geholt haben, sondern weil in der ersten Halbzeit mit einer Ausnahme ein überragendes Spiel gemacht haben. Der einzige Minuspunkt ist, dass wir leider den Sack dort nicht zugemacht habe. Wir müssen aus meiner Sicht mindestens mit einem 2:0, vielleicht mit einem 3:0 in die Halbzeit gehen. Dann hätten wir Ruhe im Spiel gehabt“, sagte Martens.

Martens: „Bis auf eine Ausnahme haben wir in der ersten Hälfte ein überragendes Spiel gemacht“

Mit Tempo auf der rechten Außenbahn durchgesetzt: Eintrachts Kapitän Jordan Brown (li.) tat sich im zweiten Durchgang als Vorbereiter hervor. Foto: Sellhorn

So aber musste „EN“ zittern und warten und nach dem unglücklichen Ausgleich sogar nochmal einen Kraftakt bewerkstelligen, um den „Dreier“ im Edmund-Plambeck-Stadion zu behalten. Dass dem letztlich so war, lag an zwei Spielern, die letztlich statt Lüneburg in die Heldenrolle schlüpfen sollten: Johann von Knebel und Nathaniel Amamoo. Ersterer war es, der mit seinem Treffer in der 76. Minute im Anschluss an eine Vorlage von Jordan Brown die Eintracht aus den Fesseln des Unentschiedens befreite. Ammamoo, der nach einer Bänderverletzung im Sprunggelenk sein Comeback feierte, nutzte schließlich eine weitere Hereingabe von Mannschaftskapitän Brown, um fünf Minuten vor dem Ende den Treffer zum 3:1-Endstand zu erzielen und so bei Jens Martens für entspannte Stimmung zu sorgen. Nach der Pause habe sich sein Team zwar „in Schwierigkeiten gebracht“ und der Gegner sei „besser und richtig ins Spiel gekommen – wir haben ihn dann mit dem Eigentor, das wir fabrizieren, ins Spiel gebracht“ –, aber am Ende stünde, so der Eintracht-Coach ein „unterm Strich verdienter Sieg, der der jungen Mannschaft sehr viel weiterhilft. Nach unserer Niederlagenserie waren die Köpfe schon weit unten.“

An diese Serie dachte auch Johann von Knebel nach Spielschluss. „Das war für uns ein sehr wichtiger Sieg, nachdem wir zwischendurch vier Niederlagen hintereinander hatten“, sagte der Torschütze zum 2:1 und erklärte: „Der Sieg ist insgesamt verdien. Erst recht, wenn man sich die erste Halbzeit anguckt. Da hätten wir schon zwei, drei Dinger mehr machen können. Am Ende belohnen wir uns, nachdem wir vorher eine Schwächephase hatten. Wir waren nicht ganz so stark wie im ersten Spiel. Da hatten wir 20 Minuten verpennt. Diesmal hatten wir alles von Anfang an in der Hand. Deswegen war ich mir sicher, dass wir gewinnen werden. Es war ja auch kein herausgespieltes Tor für Hannover, sondern ein Missverständnis.“ Eintrachts „Unglücksrabe“ Bork aber müsse ihm, so von Knebel, für den das Tor der erste Saisontreffer war, „keinen ausgeben“, weil er ihn quasi gerettet habe. Nein, dem 22-Jährigen reichte da schon etwas anderes, um sich neben der Tatsache, dass es in dieser Spielzeit sein Premieren-Tor war, besonders über sein persönliches Erfolgserlebnis zu freuen: „Im ersten Spiel hab' ich an meinem Geburtstag nicht von Anfang an gespielt, deswegen war ich ein bisschen froh, dass es wiederholt wurde. So habe ich mir jetzt quasi noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk gemacht.“

Jan Knötzsch

Kommentieren