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Kosova-Keeper fliegt, Condor siegt - aber: „Wir waren nicht am Limit“

Nach frühem Platzverweis: „Raubvögel“ beißen gegen Kosova sechsmal zu

22. September 2019, 17:10 Uhr

Edmund Saß (li.) eröffnete den Condor-Torreigen am Berner Heerweg. Foto: Kormanjos

„Jungs, was ist da los - gewinnt mal eure Zweikämpfe“, hallte es nach der frühen Führung von der Trainerbank über den Platz. Und selbst beim Stand von 3:0 war beim SC Condor längst nicht alles Gold, was glänzte. Immer wieder war die Unzufriedenheit bei Spielern und Verantwortlichen deutlich hörbar. „Warum machen wir uns selbst so einen Stress?!“, rätselte auch Keeper Maximilian Richter mit dem Pausenpfiff lautstark - und fügte an: „3:0 und Überzahl!“

Gerade einmal 25 Minuten waren am Berner Heerweg gespielt, als die Partie für Kosova-Keeper Olivier Sossou schon wieder beendet war. Mit der Ampelkarte wurde der Schlussmann der Gäste vorzeitig zum Duschen geschickt - und so berechtigt der zweite gelbe Karton auch war, so umstritten war der erste. „Was für ein Geschenk - da würde ich mir mal Gedanken machen!“, war KK-Coach Daniel Sager außer sich - und mit seiner Meinung über die Entscheidung des Unparteiischen Martin Ghafury (BU) nicht allein. Wasim Sarwari verlor in der Vorwärtsbewegung gegen Ramen Nurzai den Ball und blieb zunächst verletzt liegen. Der Condoraner chippte die Kugel in die Spitze, Sossou kam aus seinem Gehäuse, war vor dem startenden Edmund Saß dran und begrub das Leder unter sich. Doch plötzlich ertönte ein Pfiff und der Fingerzeig. Schiri Ghafury entschied - zum Entsetzen der Kosovaren - auf Strafstoß für den SCC. Hamid Zazai ließ sich von dem Tohuwabohu nicht beeindrucken und verwandelte ganz cool in die Tormitte (23.). Bereits zuvor hatten die „Raubvögel“ einmal zugebissen, als Saß eine herrliche Stafette über Nurzai, der den Ball eroberte, Maximilian Kochsiek sowie Francisco Javier Bacabo Ebongo, der zwei Mann austanzte und den punktgenauen Pass vom linken Strafraumeck auf den rechts im Sechzehner blank stehenden ehemaligen Meiendorfer spielte, vollendete (8.).

Kosova versiebt Chancen, Condor „muss kühlen Kopf bewahren“

Condors „Kiko“ Ebongo (vo.) drehte nach der Pause auf und hatte am Ende je zwei Tore sowie Assists zu verzeichnen. Archivfoto: timelash.de

Es folgte die eingans schon erwähnte 25. Spielminute, als Sossous Arbeitstag zwischen den Pfosten vorzeitig gelaufen war. Wieder war es Nurzai, der den öffnenden Pass spielte, Ebongo blieb - im Abseits stehend - weg und Kochsiek, der auf halblinks den Turbo zündete, wurde vom Kosova-Keeper abgeräumt. Diesmal gab es keine zwei Meinungen - Elfmeter und die zweite Gelbe Karte für den Schlussmann! Ersatz-Torwart Alperen Bayraktar kam für Medeni Kaya, nahm Sossous Platz im Kasten der Gäste ein - und war gegen Zazais zweiten Elfer gleich mal chancenlos (26.). 3:0! Die Sager-Elf brachte sich damit selbst um den Erfolg. Denn Chancen waren durchaus vorhanden. Kaya schob freistehend am langen Eck vorbei (17.), ehe Sarwari - nach einem Ballverlust von Darwin Streubier und anschließendem Steilpass von Amritpal Singh - nicht minder blank stehend an Maxi Richter scheiterte (31.). Zu guter Letzt verfehlte Selmin Dogic komplett ungehindert das Ziel (37.). Kein Wunder, dass sich bei den Hausherren der Unmut häufte. „Es ist umso wichtiger, dass wir kühlen Kopf bewahren. Nichts herschenken, weiter stabil stehen“, warnte Kainzberger bereits unmittelbar nach dem dritten Treffer vor Nachlässigkeiten.

„Kiko“ kann kicken - und zieht auf

SCC-Fänger Maxi Richter trieb sein Team lautstark von hinten an und parierte hintenraus noch einen Strafstoß. Archivfoto: timelash.de

Nach 90 Minuten bilanzierte er: „Ich bin ein Typ, der immer ans Limit gehen will. Wären wir da heute rangekommen, wäre es um ein Vielfaches einfacher gewesen - und am Ende auch noch deutlicher geworden, wenn wir einfacher und konsequenter gespielt hätten“, so Kainzberger, der trotz dessen auch im zweiten Abschnitt drei Treffer bejubeln durfte. An allen Toren direkt beteiligt: „Kiko“ Ebongo. Erst brachte der Ex-Palomat eine Kochsiek-Flanke im Gäste-Gehäuse unter (51.). Dann dribbelte er sich abermals durch und legte für den kurz zuvor eingewechselten Luis Honig quer (59.), ehe Ebongo, der im ersten Durchgang noch in vielen Aktionen überaus unglücklich agierte, von halblinks nach innen zog und ins rechte untere Toreck vollendete (75.). Zahlreiche weitere Situationen wurden fahrlässig hergeschenkt. „Wenn wir mal schnell in die Tiefe gespielt haben, hat es auch geklingelt“, konstatierte Kainzberger. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Zwei Siege in Folge zu Null geben Sicherheit.“ Dass man schlussendlich ohne Gegentor blieb, lag auch an Maxi Richter, der noch einen Strafstoß von Dorian Balla parierte.

„Haben uns gegen die Niederlage gestemmt“

„Wenn du nach 25 Minuten 0:3 in Rückstand und ein Mann weniger bist, ist das Spiel im Prinzip gelaufen“, urteilte KK-Angreifer Sarwari. „Trotzdem haben wir uns gegen diese Niederlage gestemmt und in der ersten Halbzeit noch drei 100-prozentigen Chancen, die wir nicht machen. Es hätte auch genauso gut 2:3 oder 3:3 stehen können.“ In der zweiten Hälfte habe man versucht, „irgendwie mitzuspielen, gerät dann aber in einen Konter nach dem anderen - und nach dem vierten Gegentor war es dann tatsächlich auch gelaufen.“ Dennoch haderte man weiter, bis es auch für Manager Visar Galica auf der Bank die Ampelkarte gab. Sarwaris Fazit: „Im Prinzip spiegelt die Höhe des Ergebnisses nicht das Spiel wider - aber so ist es halt manchmal im Fußball.“

Autor: Dennis Kormanjos

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