„Ich kann mir diese Serie auch nicht erklären“: „Pam“ sorgt dafür, dass der zehnte Oher Sieg nicht ins Wasser fällt

Voran zieht nach 1:0-Erfolg in Billstedt mit Hansa-Spitzenreiter Bramfeld gleich

28. Oktober 2018, 19:11 Uhr

Der Wahnsinn geht weiter: Die Spieler des FC Voran Ohe durften zum zehnten Mal in Serie einen Sieg bejubeln. Foto: Zerbian

Da standen sie nun. Einer neben dem anderen, der Held des Spiels mit einer dicken dunklen Trainingsjacke über den Schultern. Die Spieler des FC Voran Ohe kamen in diesem Moment einfach nicht den entscheidenden Schritt weiter. Nur gut, dass den Gästen dieses Schicksal nach dem Schlusspfiff des Spiels beim SC V/W Billstedt (Hier gibt's die Highlights zum Nachlesen im Live-Ticker) widerfuhr. Die Tür zur Kabine der Oher war schlichtweg einfach noch verschlossen. Es dauerte einige Augenblicke, dann war Betreuer Michael Kimmel da und öffnete die Pforten zur Umkleide, wo die Oher ihren 1:0-Erfolg am Öjendorfer Weg anschließend lautstark feierten.

Wer wollte es ihnen auch vergönnen. Es war schließlich bereits der zehnte Sieg in Serie, den die Kicker vom Amselstieg da soeben eingefahren hatten. Und das, obwohl der Sportliche Leiter Hanno Stengel – vor einer Woche beim 2:1-Erfolg gegen Hamm United noch derjenige, der den Siegtreffer prophezeit hatte – vor dem Beginn der Begegnung etwas skeptisch war. „Ich hab' kein gutes Gefühl. Heute könnte es uns erwischen“, sagte Stengel da – und sah sich etwas mehr als eineinhalb Stunden später vorzüglich widerlegt. Um beim Bild mit dem Schlüssel zu bleiben: Derjenige, der das Tor zum Sieg „aufschloss“, indem er es erzielte, war Yannik Andersson. Oder anders gesagt: Der Mann, den sie wegen der Gleichheit des Nachnamens mit Schauspielerin Pamela Anderson – einst als Rettungsschwimmerin in der Serie „Baywatch“ auf dem TV-Schirm –  beim FC Voran Ohe nur „Pam“ rufen, sorgte dafür, dass der Jubiläums-Erfolg nicht ins Wasser fiel.

Derakhshan: „Wir müssen einfach effektiver sein und mehr Zug zum Tor haben“

Unsanft gestoppt: Maxim Gassmann (Mitte) kann gegen die Billstedter Sid Ziskin (li.) und NIkola Maric nichts ausrichten. Foto: Zerbian

Allerdings: Ohe und „Pam“ ließen sich vor den 105 Zuschauern lange bitten, ehe sie endlich zuschlugen. Es lief bereits die 77. Minute, als Keeper Michel Thomä mit einem Abschlag aus dem eigenen Strafraum etwa in Höhe der Mittellinie Patrick Gordon erreichte. Der nahm den Ball, schaute einmal auf und spielte ihn dann von links hoch ins Zentrum. Dort stand Andersson, nahm die Kugel an, entschied das Laufduell gegen seinen Widersacher für sich und suchte den Abschluss. Nach der Vorarbeit des Ex-Condor II-Akteurs Gordon knallte Andersson, vor der Saison ebenfalls von der „Raubvogel“-Reserve an den Amselstieg gewechselt, den Ball zum Führungstreffer unter die Latte. Knapp eine Viertelstunde später, Schiri Björn Struckmann (FC St. Pauli, an diesem Tag ein nicht immer souveräner Spielleiter) hatte noch etwas Nachspielzeit obendrauf gegeben, durften die Oher dann erneut jubeln. Diesmal darüber, dass „Dreier“ Nummer zehn im Billstedter Regen in trockene Tücher gebracht worden war.

Das freilich hätten die Gäste auch schon in den ersten 45 Minuten erledigen können. Genauer gesagt sogar in der Anfangsviertelstunde: Tarec Blohm und gleich zwei Mal Maxim Gassmann hätten Voran locker mit 3:0 in Front bringen können, acht Minuten vor dem Seitenwechsel hatte dann erneut Blohm den Treffer auf dem Fuß. Doch entweder zielten die Gäste zu ungenau oder es stand, wenn das nicht der Fall war, Keeper Fabian Haupt im Weg. Doch auch Billstedt hatte drei Torszenen, die gleichwohl nicht allesamt so gefährlich waren, wie die der Oher. Alexander Bogunovic, Sid Ziskin und Emrah Ates aber vergaben allesamt, so dass es mit einem torlosen Remis zur Pause ging. „In der Halbzeit haben wir nochmal umgestellt, danach haben wir uns step by step zurückgekämpft. Wir haben mehr Kontrolle über Spiel bekommen, hatten mehr Ballbseitz und mehr Chancen. Wir waren immer im letzten Drittel“, resümierte Hamid Derakhshan.

Seibert: „Seit ich in Ohe bin, war das der beste Auftritt gegen Billstedt“

In den Weg gesprungen: Ohes Ilja Gassmann (vo.) stoppt unter den Augen von Siegtorschütze Yannick Andersson (Zweiter v. re.) seinen Billstedter Widersacher. Foto: Zerbian

Was der Coach der Billstedter in seiner Analyse des Spiels aber auch nicht vergaß: „In den ersten 15 Minuten hatte Ohe die drei dicken Dinger. Unsere linke Seite war in der ersten Halbzeit nicht so stabil“, konstatierte Derakshan und führte weiter aus: „Uns hat in der zweiten Hälfte nicht unbedingt nur der entscheidende Pass gefehlt, sondern wir haben zu oft den Fehler gemacht, dass wir uns auf Schönheit besonnen haben. Wir müssen einfach effektiver sein, anstatt das Klein-Klein-Spiel auszureizen. An genau dieser Effektivität arbeiten wir seit Wochen.“ Alle Niederlagen seiner Elf seien, mit Ausnahme des 1:4 vor einer Woche gegen Rahlstedt, „mit nur einem Tor Unterschied passiert. Wenn die Mannschaft reifer wird – und ich bin überzeugt, dass sie das wird sie, weil in der Truppe viele riesige Talente stehen – dann glaube ich, dass wir auch solche Spiele, die jetzt noch gegen uns laufen, für uns entscheiden können. Aber wir wussten, was auf uns zukommt. Wir müssen ruhig bleiben und alles sachlich analysieren“, so Derakhshan.

Von Ruhe war auf Oher Seite kaum zu reden. In der Kabine tobte der Bär – und davor stimmte Rainer Seibert, sinnbildlich gesprochen, ein Loblied an. „Gegen Billstedt sind wir in den letzten drei Jahren immer verhauen worden, deswegen wäre ich aufgrund der Bilanz mit einem Punkt zufrieden gewesen. Siegesserie hin oder her. Aber so langsam müssen wir uns damit abfinden, dass wir jetzt da stehen wo wir wohl hingehören“, sagte Ohes Coach, dessen Team nun punktgleich mit Spitzenreiter Bramfeld nur wegen des schlechteren Torverhältnisses auf dem zweiten Platz rangiert. „Seit ich in Ohe bin, war das der beste Auftritt gegen Billstedt. Zumindest in der ersten Halbzeit. Da hätten wir vier Dinger machen müssen. Die zweite hat mir nicht so gut gefallen. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Im Großen und Ganzen war das in Ordnung. Wir haben Billstedt 45 Minuten dominiert“, so Seibert, der zur Serie seiner Elf zu Protokoll gab: „Ich kann mir das auch nicht erklären. Hätte mir vor der Saison einer gesagt, der Zweite spielt heute gegen den Neunten, dann hätte ich das unterschrieben. Aber mit dem Glauben, dass wir Neunter sind...“

Jan Knötzsch