Landesliga Hansa

Fünf ist „Trümpf“: Lohbrügge feiert gegen Dersim 20. Sieg im 22. Spiel und will „die Meisterschaft bald endlich eintüten“

07. März 2020, 23:04 Uhr

Zeit zum Jubeln: Mohamed Labiadh (Mitte) schreit die Freude über seinen Treffer zum 4:1 heraus. Foto: Both

Zack, bumm, fertig. Nein, damit ist nicht etwa die Art und Weise gemeint, wie sich der VfL Lohbrügge am Samstagnachmittag bei seinem 5:2-Heimsieg gegen Derismpor präsentierte, sondern die Art und Weise, in welcher Schnelligkeit und Kürze Elvis Nikolic – der eine Teil des VfL-Trainerduos – nach dem Spiel das Geschehen zusammenfasste. im Anschluss an die Partie am Binnenfeldredder brauchte Nikolic gerade einmal 56 Sekunden, um die Begegnung aus seiner Sicht Revue passieren zu lassen und zu analysieren. Und am Ende des Statements, das der VfL-Coach da soeben abgegeben, stand eine ganz klare Aussage. Die war so deutlich und unmissverständlich wie der Erfolg der „Wild Boys“ gegen die Gäste aus Harburg letztlich ausfiel. 

„22 Spiele, 20 Siege – jetzt hoffen wir, dass wir die Meisterschaft bald endlich eintüten können“, teilte der Übungsleiter des unangefochtenen „Liga-Leaders“ mit. „Ansonsten“, so befand Nikolic, „gibt's auch gar nicht so viel zum Spiel zu sagen: Dersim geht in Führung, weil die Mannschaften gegen uns alle immer hochmotiviert sind. Da haben wir am Anfang ein bisschen gepennt. Danach gehen wir selbst dann durch zwei Treffer mit 2:1 in Führung und müssen eigentlich vor der Pause auch noch den dritten Treffer machen.“ Da aber, so Nikolic weiter, „sind wir zu nachlässig gewesen. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel dann ganz gut beherrscht, dementsprechen die Tore gemacht und einen ungefährdeten Sieg eingefahren.“ Seine Elf müsse sich „immer wieder hochfahren“ und dürfe eben „nicht pennen“, befand der VfL-Trainer nach dem Schlusspfiff.

Nikolic: „In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel ganz ordentlich beherrscht“

Anto Zivkovic (re., hier gegen Jean-Marc Thsidibu) brachte Lohbrügge vor der Pause mit 2:1 in Führung. Foto: Both

Auf dem Platz sah das, was der Coach der Hausherren in unter einer Minute in Worte fasste, so aus: Nach elf Minuten brachte Elias Sawicki den Gast im Anschluss an einen langen Ball nach vorne in Führung, als er Keeper Alen Brandic bezwang. Lohbrügge antwortete nach 21 Minuten: Sandjar Ahmadi nutzte eine Vorlage von Stjepan Brkic zum Ausgleich, dem Anto Zivkovic nur vier Minuten später das 2:1 für seine Farben folgen ließ, als er Jean-Marc Tshidibu austanzte. Dem Treffer war ein Fehler von Dersim-„Goalie“ Can Öküzbogan vorausgegangen, dessen Pass in den Füßen von Brkic landete, der wiederum Zivkovic bedient hatte. Im zweiten Durchgang sollte es dann bis zur 71. Minute dauern, ehe der VfL-Anhang wieder jubeln konnte. Der Spitzenreiter schlug dann aber sogar binnen zwei Minuten noch ein weiteres Mal zu.

Zunächst verwandelte Duro Maskaljevic vom Elfmeterpunkt aus, nachdem Jonas Holz von Sinan Günay gelegt worden war (71.), dann setzte sich der eingewechselte Mert Akkus stark auf der rechten Seite durch, passte zu Holz und der spielte die Kugel weiter zu Mohamed Labiadh – 4:1 für den Gastgeber. Doch der hatte seinen Torhunger an diesem Nachmittag damit noch nicht gestillt. Nach 83 Minuten gab es einen Freistoß. Maskaljevic schnappte sich das Leder und schoss. Der Ball wurde abgefälscht und schlug hinter Öküzbogan ein – 5:1. Damit waren auch die allerletzten kleinen Zweifel am Lohbrügger Erfolg beseitigt. Timo Pfaffenroth betrieb mit seinem Treffer zum 2:5-Endstand aus Dersim-Sicht in der 87. Minute lediglich noch Ergebniskosmetik.

Selcuk: „In den ersten 30 Minuten hat man nicht erkannt, wer der Tabellenführer ist“

Und weg damit: Dersimspors Sinan Günay (re.) schlägt den Ball gegen drei Lohbrügger aus der Gefahrenzone. Foto: Both

„Die Jungs haben in der Woche sehr gut trainiert, waren motiviert und fleißig. Ich habe keine Resignation oder Enttäuschung nach der 0:1-Niederlage gegen Altenwerder verspürt. Auch in der ersten Halbzeit haben wir das gut umgesetzt und respektlos mit unserem 4-2-3-1 gespielt. In den ersten 30 Minuten hat man nicht erkannt, wer der Tabellenführer ist“, befand Sammy Selcuk nach dem Spiel und ergänzte: „Wir hatten sogar noch mehr Chancen als nur die zum 1:0 und hätten mit 3:0 in Führung gehen können. Wer weiß, was dann passiert wäre!?“ Nach Einschätzung des Dersim-„Dompteurs“ „haben wir Lohbrügge überrascht und überrannt. Die Tore, die gegen uns gefallen sind, sind durch individuelle Fehler entstanden. Sinan Günay stand bei den letzten drei Treffern vollkommen neben sich. Das war fahrlässig. Er hatte einen rabenschwarzen Tag – sonst hätten wir 2:2 gespielt. Der Gegner kann nichts für die Tore, die wir ihnen aufgelegt haben.“

Trotz der Niederlage, so Selcuk, sei er „sehr stolz auf die Gesamtleistung meiner Mannschaft. Vor allem darauf, wie fokussiert sie in der Woche gearbeitet hat. Auch im Spiel selbst haben wir das weitergeführt und kein Stück nachgelassen. Der Druck ist immer geblieben, wir haben Powerplay betrieben. Es dauerte lange, bis sich Lohbrügge davon erholt hatte. Die kamen anfangs nicht hinten raus, waren unorganisiert und desorientiert. Wir haben sie mit unserem Kurzpass-Spiel ausgehebelt.“ Wenn es nach ihm gehe, schloss der Dersimspor-Übungsleiter sein Statement, das um einiges länger ausfiel als das von Nikolic, „dann hätten wir hier einen Sieg verdient gehabt. Das 5:2 als Ergebnis täuscht absolut darüber hinweg. Bei den fünf Gegentoren waren drei, vier Geschenke dabei, die wir und der Schiedsrichter verteilt haben.“ 


Jan Knötzsch