Bezirksliga Nord

Falke-Patzer nicht genutzt: Auch BU II strauchelt - Nitsch plagt ein „schlechtes Gewissen“

„Barmbek-Battle“ endet 2:2 - Haimerl: „Du lässt sie künstlich am Leben!“

04. Mai 2019, 22:42 Uhr

Florian Kuklinski (li.) hätte mit seinem Doppelpack zum Barmbeker Matchwinner avancieren können, vergab aber auch weitere gute Chancen auf sein drittes Tor und den Sieg. Foto: Olaf Both

Unmittelbar vor dem Anpfiff flachste BU II-Trainer Jan Haimerl noch in Richtung seines Gegenübers: „Der Verlierer gibt ein Bier aus.“ Als die 90 Minuten – samt fünfminütiger Nachspielzeit – vorüber waren, fand sich an der Dieselstraße jedoch weder ein Sieger noch ein Unterlegener. Stattdessen gab‘s nach dem 2:2 im Derby gegen Paloma II (alle Highlights im LIVE-Ticker) allerhand enttäuschte und bedröppelte Gesichter auf Seiten der Hausherren zu begutachten. Vor allem Doppeltorschütze Florian Kuklinski und auch Haimerl selbst blickten noch Minuten nach Spielschluss mit stoischem Blick drein. Ein Bild mit Symbolcharakter – denn der Tabellendritte war nach der Punkteteilung zumindest der gefühlte Verlierer. Schließlich konnte man den Falke-Patzer am Vorabend (0:1 bei Sperber) nicht nutzen und verpasste den Sprung auf den zweiten Platz.

Durch die Hosenträger von Florian Schulzke (re.) traf Kuklinski zur BU II-Führung. Foto: Olaf Both

Und doch ging das Bier nach dem Spiel auf die Kappe des gefühlten Siegers, Paloma II-Coach Marius Nitsch: „Ich habe ihm schon gesagt: Ich mach’s“, verriet er direkt nach Abpfiff – und führte dann erklärend aus: „Wir kennen uns ganz gut, treffen uns ab und zu auf dem Weg zur Arbeit. Natürlich hat man da ein Stück weit ein schlechtes Gewissen, wenn man weiß, dass es für BU II vielleicht auf den Punktekoeffizienten ankommt und dadurch jetzt wahrscheinlich ein bisschen eng wird.“ Aber: „Wir haben gesagt, dass wir nicht nur uns, sondern auch der Liga gegenüber eine Verantwortung haben, dass wir es ihnen so schwer wie möglich machen, gegen uns zu spielen. Das werden wir nächste Woche gegen Falke genau so machen“, versprach er – und so groß das Mitgefühl für den Kontrahenten auch war, so „stolz“ war Nitsch auf seine Jungs. „Denn für uns geht es letztendlich um nichts, trotzdem knallen wir uns hier super rein, fighten bis zum Schluss, geben keinen Ball geschenkt und haben hintenraus sogar noch ein, zwei Chancen. Auch wenn ich klar sage, dass wir in einer Phase der zweiten Halbzeit mit dem 1:2 gut bedient sind. Da hätte sicherlich das dritte Tor für BU fallen können.“

„Die erste Halbzeit war absolut identisch zum Falke-Spiel“

Bejubelt wurde das 1:0 mit dem Trikot des in der Vorwoche verletzten Benjamin Cordes (Kreuzbandriss). Foto: Olaf Both

Doch der Reihe nach: Mel Morawitz vergab direkt nach Anstoß und wenigen Sekunden bereits die erste richtig gute Chance für die Gäste. In der Folge dominierte jedoch der Favorit das kleine „Barmbek-Battle“, ging nach einer Flanke von Niklas Müller-Leitloff durch Florian Kuklinski in Führung (10.), feierte den Treffer geschlossen mit dem Trikot des schwer verletzten Benjamin Cordes-Vorberg und vergab fortan beste Gelegenheiten. „Die erste Halbzeit war ganz genau so wie bei Falke – mit Ausnahme der Situation, die Paloma gleich nach wenigen Sekunden hat. Aber ansonsten war das absolut identisch. Wir können nach 20 Minuten problemlos 3:0 führen – da beschwert sich dann auch keiner“, konstatierte Haimerl, der stattdessen den Ausgleich – eine Verkettung von Fehlern bei seinem Team – beobachten musste. Erst verlor Maximilian Reckendorf den Ball, dann leistete sich Keeper Pascal Marquardt einen Querschläger ins Zentrum. Nutznießer war Morawitz, der ein Zuspiel von Wolfgang Pesch in den rechten Knick jagte (24.). „Auch wenn Pascal da nicht gut aussieht, haben wir im Anschluss daran noch dreimal die Möglichkeit, den Ball zu klären. Das kriegen wir nicht hin. Danach war ein kleiner Bruch im Spiel“, so Haimerl. Während sein Gegenüber befand: „Mit unserem Tor waren sie ein bisschen beeindruckt. Danach haben sie sich ein bisschen fallen lassen und uns nicht mehr ganz so hoch gepresst. In der Viertelstunde vor der Pause haben wir aber auch guten Fußball gespielt.“

„Du lässt sie künstlich am Leben!“

Kurz vor Schluss hatte der „Underdog“ in Person von Wolfang Pesch sogar den Sieg auf dem Fuß - BU II-Keeper Marquardt wäre geschlagen gewesen. Foto: Olaf Both

Mit Wiederanpfiff übernahm BU II aber erneut das Zepter und verbuchte schnell das 2:1 – abermals durch Kuklinski, der nach einem USC-Querschläger in der Hintermannschaft und anschließender Reckendorf-Flanke am zweiten Pfosten einköpfte (52.). Es kam zu der von Nitsch Eingangs bereits angesprochenen Phase, in der die Gastgeber nachlegen hätten müssen. „Du lässt sie künstlich am Leben! Auch da kann es problemlos 3:1 oder 4:1 stehen. Da sind Dinger dabei…“, musste auch Haimerl erstmal schlucken, ehe ihm die Spucke fast im Halse stecken blieb. Einen Freistoß von Jan-Philipp Kainzbeger köpfte Daniel Fabian Görg an den Pfosten, den Abpraller wurschtelte Rodrigo Lemos Lala zum 2:2 über die Linie. Hintenraus entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. „Selbstbewusstsein, präsent sein, wir kriegen die Dinger noch“, rief Haimerl seinen Jungs kurz vor Schluss zu. Gefolgt von einem: „Positiv, Jungs. Brust raus, fünf Minuten Zeit, das Ding zu machen!“

„Nächste Woche mal wieder in die Spur kommen und ein anderes Gesicht zeigen“

Niedergeschlagene Hausherren nach Spielende... Foto: Olaf Both

Nach dem Spiel erklärte er: „Wir sind volles Risiko gegangen. Denn was bringt uns auch ein Punkt in dem Fall?! Ich bin auch nicht der Typ, der auf Unentschieden spielt“, wollte Haimerl mit seinen Schützlingen den zweiten Tabellenplatz erklimmen – doch daraus wurde nichts. „Wir haben letzte Woche bei Falke zwei Punkte liegen gelassen, heute ganz klar zwei Punkte liegen lassen. Das ist ärgerlich“, resümierte er, hofft aber weiter: „Ich glaube, dass da noch lange nichts entschieden ist und wünsche mir, dass Paloma nächste Woche gegen Falke genau so engagiert spielt wie heute. Dann ist da auch was drin. Wir müssen zusehen, dass wir nächste Woche in Niendorf mal wieder einen Dreier holen und gucken, dass wir wieder ein bisschen mehr in die Spur kommen und ein anderes Gesicht zeigen.“ Gewinner des Spieltags ist ohne Zweifel der ETV. Die Eimsbütteler - Manager Koray Gümüs weilte unter den Zuschauern - könnten schon am kommenden Wochenende die Meisterschaft in der Bezirksliga Nord fix machen und den lang ersehnten Aufstieg in die Landesliga feiern...

Autor: Dennis Kormanjos

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