Oberliga

„Eine reine Katastrophe“: Saglam sauer – und Bramfeld hadert mit dem Medaiyese-Malheur

Schlusslicht BSV führt in Meiendorf, spielt am Ende aber nur unentschieden

31. Oktober 2019, 19:40 Uhr

Der Moment des Ausgleichstreffers: Tolga Tüter (mi.) zieht gegen BSV-Keeper Victore Medaiyese ab. Foto: Both

Tobias Sävke sparte nicht mit Anerkennung. „Den hält er überragend“, schrieb der Co-Trainer des Meiendorfer SV, früher selbst Torhüter, nach dem Spiel gegen den Bramfelder SV (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) BSV-Schlussmann Victor Medaiyese ins Stammbuch. Der hatte in der 93. Minute einen Schuss des Meiendorfers Michael Sara soeben noch abgewehrt und so das 1:2 aus Sicht der Gäste verhindert. So nahm das Schlusslicht aus der Flens-Arena einen „Punkt für die Moral“ mit, „nachdem wir Ewigkeiten keinen mehr geholt hatten“, wie es Bramfelds Innenverteidiger Jonas Kastl nach dem Match im FussiFreunde-Videointerview (siehe Text) zusammenfasste. Das „Aber“ folgte jedoch auf dem Fuße...

Denn: Es hätten am Ende gut und gerne auch drei Zähler für den Club von der Ellernreihe sein können. Doch so gut, wie Medaiyese in der letzten Szene des Spiels agierte, so viel Pech hatte der „Goalie“ des BSV nach 71 Minuten, als sein Abwurf beim Gegner landete, der Ex-Bramfelder Martin Fedai und sein MSV-Teamkollege Theodoros Ganitis schnell schalteten und der letztlich im Strafraum angespielte Tolga Tüter mit einem Schuss ins rechte untere Eck die Bramfelder Führung von Robin Polzin aus der 44. Minute egalisierte. Und: Der BSV selbst hatte zuvor Chancen liegengelassen – unter anderem eine ganz hochkarätige durch Raoul Bouveron nach 58 Minuten, als dessen Schuss knapp rechts am Tor vorbeiging.

Bramfelds Jonas Kastl im Interview

Henning: „Es war wichtig, nach der Niederlagenserie nicht als Verlierer vom Platz zu gehen“

Allein gegen gleich zwei Bramfelder: Meiendorfs Mittelfeld-Mann Theodoros Ganitis (Mi.). Foto: Both

„Wir hatten zwei, drei Situationen, wo wir Konter fahren, sie aber nicht gut ausspielen. Die Szene kurz vor dem Ende, als wir mit vier Mann gegen zwei eine Überzahlsituation haben und uns fast auf den Füßen stehen, ist exemplarisch. Wenn man da mal nach rechts oder links schaut, wo einer läuft, dann kann man die ganze Abwehr auseinander nehmen“, hatte auch Carsten Henning erkannt, dass ein „Dreier“ für den Letzten beim Drittletzten nicht utopisch war. „Im Endeffekt war es wichtig, dass wir nach der Niederlagenserie jetzt mal nicht als Verlierer vom Platz gehen“, ergänzte der Bramfelder Coach und befand – so wie sein Schützling Kastl –, dass dies „ein Punkt für die Moral“ sei.

Ob dieser den Bramfeldern am Ende im Kampf um den Klassenerhalt weiterhilft, „werden wir sehen. Jeder Punkt ist Gold wert. In der jetzigen Phase hätten uns drei Punkte mehr geholfen“, sagte Henning, befand aber auch: „Der Druck lag mehr bei Meiendorf. Die wollten unbedingt da unten raus. Das haben wir (er und sein Trainerkollege Mirko Schulz, Anm. d. Red.) den Jungs auch die ganze Woche so verkauft: Wir müssen Spaß haben und dem Gegner die Lust am Fußball nehmen. Wenn das der Fall ist, dann werden wir auch jedem Gegner gefährlich.“ Vor dem Gegentreffer, so Bramfelds Übungsleiter in seiner Analyse, „haben wir eine Phase, in der wir schlecht verteidigen. Und dann kriegen wir das Tor. Unser Spiel war auf Konter ausgelegt, weil wir sonst auf Kunstasen spielen. Der Rasen war ein für uns ungewohnter Untergrund.“

Saglam: „Es war von hinten bis ganz vorne eine komplette Fehlerkette“

Achtung, Grätsche: MSV-Akteur Alexandar Mucunski (re.) ist vor Lennard Bahn am Ball. Foto: Both

Die Sache mit dem Raub der Lust am Fußball gelang dem BSV übrigens gut, wenn man das Statement von Baris Saglam nach dem Spiel als Grundlage nimmt. „Es war die reinste Katastrophe, was wir abgeliefert haben. Die Mannschaft weiß, um was es geht und hat Chancen ohne Ende. Aber in Situationen, wo wir aufs Tor schießen müssen, versuchen wir, den Ball ins Tor zu tragen. Es war bei uns heute von hinten bis ganz vorne plus die Spieler, die von der Bank reingekommen sind, eine komplette Fehlerkette. Wir haben immer die falschen Entscheidungen getroffen, wo man anders hätte handeln müssen. Wir sind ins Dribbling gegangen, wenn wir auf Tor schießen mussten und wir haben aufs Tor geschossen, wenn ein Dribbling sinnvoll gewesen wäre. Das war ausschlaggebend und deswegen sage ich: Das ist die reinste Katastrophe und eine gefühlte Niederlage“, erklärte der MSV-Trainer. 

Seine Elf hätte nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel, Bramfelds einzigem Sieg bislang, „noch etwas gutzumachen“ gehabt, so Saglam, „aber nach fünf Chancen, die wir leichtfertig vergeben, habe ich aufgehört zu zählen und mich gefragt: Was ist los mit den Jungs? Wenn du Chancen herausspielst, musst du sie auch nutzen.“ Sinnbildlich dafür, wie man es besser nicht macht: Ganitis‘ Heber aus der 16. Minute. „Er hat den Ball auf seinem starken linken Fuß und freie Sicht. Da knalle ich das Ding mit dem Vollspann direkt in die lange Ecke“, sagte Saglam und erklärte: „Man kann mal einen Ball an die Latte köpfen. Oder es wird auf der Linie gerettet. So ist Fußball. Aber ich habe heute viele Tabu-Dinge gesehen. Die Jungs sollen zum Beispiel keine frontalen langen Bälle spielen. Leider sind einige in dieses Muster verfallen. Und: Du kannst nicht so viele Chancen auslassen – das hätte ich auch kritisiert, wenn wir gewonnen hätten. Aber ein Sieg für uns wäre heute auch unverdient gewesen.“

Jan Knötzsch

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