LOTTO-Pokal

Die „Minuten-Männer“ sorgen für „Müller-Lächeln“ vorm Einschlafen: Sasel zieht ins Finale ein

16. August 2020, 20:09 Uhr

Sasels Co-Trainer Marc Gräfe (springend in der Mitte) führte die Feierlichkeiten nach dem Spiel an.

Die wärmsten Worte bekam Nico Zank schon nicht mehr mit: Als die Pressekonferenz nach dem LOTTO-Pokal-Viertelfinale zwischen dem SV Rugenbergen und dem TSV Sasel (Hier gibt’s die Partie zum Nachlesen im Live-Ticker) begann, da hatte sich Sasels Mittelfeldmann ein paar Meter hinter den Journalisten postiert und hörte zu, was TSV-Trainer Danny Zankl und Rugenbergens Übungsleiter Michael Fischer zu sagen hatten. Irgendwann, die Pressekonferenz war gerade ein paar Minuten alt, machte Nico Zankl kehrt und entschwand nach dem 3:0-Sieg, der dem Club vom Parkweg den Einzug ins LOTTO-Pokal-Finale am 22. August (Anstoß: 14.45 Uhr) beschert hatte, auf den langen Weg vom Platz in Bönningstedt in Richtung Kabine.

Artistisch: Rugenbergens Mika Feigenspan (li.) nimmt die Kugel an der Außenlinie per Kopf an.

Nur wenige Augenblicke später setzte Danny Zankl zu einem Loblied auf seinen Bruder an. „Er war am Donnerstag nicht beim Training – das war seine erste Trainigseinheit seit vier Jahren, die er verpasst hat. Wenn ein Spieler den TSV Sasel bis in die Haarspitzen verkörpert, dann ist das Nico Zankl“, sagte der Coach der Gäste über den Mann mit der weißen Nummer zehn auf dem Rücken des blauen Trikots, der jede Menge Strapazen auf sich genommen hatte – nicht nur in der Partie in Bönningstedt, sondern auch schon davor: Nico Zankl war mit den Futsalern der HSV-Panthers zur Finalrunde der Deutschen Futsal-Meisterschaft nach Duisburg-Wedau gereist. Die Panthers spielten dort am Freitagmorgen, schieden aus – und Nico Zankl stand schon am Freitagabend wieder in Sasel auf dem Platz, um zu trainieren. „Ich wäre zum Pokalspiel gekommen – egal, wie weit wir mit den Panthers gekommen wären. Das war vorher so abgesprochen. Auf dem Weg aus Duisburg zurück nach Hamburg habe ich mit Danny gesprochen und ihm gesagt, dass ich mich körperlich zwar ein bisschen erschöpft, aber gut fühle. Am Ende war es dann mit einem Stau auf dem Rückweg eine Sache von Minuten. Ich habe im Training ein paar Passübungen mitgemacht und bin dann in die Eistonne zur Regeneration“, verriet der 29-Jährige.

Nico Zankl: „„Ich wäre zum Pokalspiel gekommen – egal, wie weit wir mit den Panthers gekommen wären“

Sases Nico Zankl (re.) schirmt den Ball vor Leon Neumann ab.

Die Eistonne dürfte auch nach dem Kick in Bönningstedt der eine oder andere nötig gehabt haben. „Es war klar, dass hier keiner 90 Minuten mit Hurra-Fußball die Linie hoch und runter läuft“, bilanzierte Michael Fischer nach dem Spiel treffend – und sein Gegenpüber Danny Zankl bekundete, dass „uns das 1:0 sehr geholfen hat und dann das 2:0 bei diesem Wetter auch in die Karten gespielt hat.“ Treffend analysiert. Denn nachdem der TSV in Person von Ulas Dogan die erste Chance des Spiels noch vergab, sorgte Tim Jeske schließlich nach knapp 24 Minuten für die 1:0-Führung der Gäste. „Den Jeske“, so gab Fischer bei der Pressekonferenz zu Protokoll, „habe ich bis 15.22 Uhr kaum gesehen und von 15.24 bis 15.46 Uhr dann auch wieder nicht – und genau das ist der Ritterschlag. Das zeichnet ihn aus. Er hat eine Aktion, holt den Ball runter, geht ins Eins-gegen-Eins und macht ihn dann mit einer Selbstbverständlichkeit rein. Genau das ist der Unterschied.“ Seine Elf habe derweil, so Rugenbergens Trainer weiter, zwar „Ansätze gehabt“ diese „aber nicht annähernd zum Abschluss gebracht.“ Entsprechend konnte Fischer – im Hauptberuf Lehrer – im Anschluss an das Match eine logische Rechung aufmachen: „Wer einen Treffer mehr macht, der gewinnt verdient. Sasel hat drei mehr gemacht – Chapeau“, konstatierte „Fischi“ mit Blick auf den Kontrahenten, der in der Endphase der zweiten Hälfte durch Nico Zankl (78.) und  Lukas-Gabriel Kourkis (84.) nachlegte und sich den Finaleinzug sicherte.

Fischer: „Wir hatten unsere Ansätze, sind aber nie wirklich zu einer Torchance gekommen“

Timo Adomat (re.) war als Vorbereiter maßgeblich am Sieg des TSV Sasel beteiligt.

„Wir haben uns taktisch ein bisschen was einfallen lassen, was phasenweise auch ganz gut geklappt hat“, befand Fischer, dessen Elf in der Tat über einige Strecken nicht schlecht aussah. „Wir hatten sowohl in der ersten als auch in der zweiten Hälfte unsere Ansätze – aber wir sind nie richtig zu einer Torchance gekommen. Und die einzige, die wir hatten, wurde mit Abseits aufgehoben“, so der SVR-Übungsleiter mit Blick auf die Szene aus der 43. Minute, als Nikolaj Röström Pech hatte und Kilian Utcke anschließend eben im Abseits stand. „Wir haben gut mitgespielt“, sagte Fischer, wusste aber im Endeffekt auch: „Gut mitspielen gegen Sasel – das ist schwierig. Die haben eine hohe individuelle Qualität und Klasse – gerade das Bermuda-Dreieck im Mittelfeld“, so der 52-Jährige, der als fairer Verlierer schließlich Danny Zankl und dessen Team beglückwünschte und „viel Spaß gegen Norderstedt am nächsten Wochenende“ wünschte. Nicht ohne den Zusatz, dass sich Sasel den Finaleinzug verdient hätte. Nach „kräftezehrenden 90 Minuten“, wie TSV-Coach Zankl befand und analysierte: „Wir hatten nach dem Halbfinale gegen BU vom letzten Wochenende ein paar Erfahrungswerte, woran wir uns orientiert haben. Wir wollten Mittelfeld-Pressing spielen und nur situativ ganz oben pressen – das haben wir gut gemacht. Wir sind vernünftig ins Spuel reingekommen. Es war aber super schwer, zwischen den Ketten zu spielen und es spielerisch zu lösen, wie wir das sonst immer machen.“ Sein Team, so Zankl weiter, sei „nicht so oft in Offensivaktionen gekommen.“

Danny Zankl: „Wir müssen jetzt alle Infos zusammensammeln und versuchen, Norderstedt zu ärgern“

Auf sich alleingestellt: Leon Neumann (re.) gegen die Saseler Tio Adomat (li.) und Jean-Lucas Gerken.

Letztlich aber „haben wir die Momente auf unsere Seite gekriegt“, sagte Zankl, dem „die letzten zehn Minuten der ersten Hälfte zu fahrig“ waren: „Da war zu viel Hektik drin, Nach dem 2:0 in der zweiten Halbzeit konnten wir das Spiel gut zu Ende spielen, haben die langen Bälle gut verteidigt und außer Flüchtigkeitsfehlern nicht viel zugelassen“, so der Saseler Übungsleiter, auf dessen Elf mit den Nord-Regionalligisten nun „ein schwieriger Gegner“ wartet – „vor allem unter den aktuellen Voraussetzungen“, wie Danny Zankl meint: „Das hat man heute und in der vergangenen Woche gesehen. Man muss in die Taktik mit einbeziehen, dass man nicht 90 oder 120 Minuten Hurra-Fußball spielen kann.“ Seine Elf werde sich „ab morgen“ auf das Finale, das in diesem Jahr nicht an der Hoheluft, sondern auf dem Rasen der Wolfgang-Meyer-Sportplätze an der Hagenbeckstraße stattfinden soll, vorbereiten. „Heute werden wir erstnal, wie Thomas Müller vom FC Bayern München es nach deren Weiterkommen gegen Barcelona gesagt hat, mit einem Lächeln einschlafen. Wir wissen, dass Norderstedt eine schwierige Aufgabe ist. Wir haben wenig Erfahrungswerte, weil wir sie wenig beobachten konnten. Die haben ja gefühlt mehr in Tschechien getestet („EN“ spielte unter anderem Tests in Mecklenburg-Vorpommern, Anm. d. Red.). Wir müssen uns jetzt Infos zusammnsammeln und versuchen, sie zu ärgern. Aber wir wissen auch, dass Norderstedt derzeit das Nonpluslutra im Hamburger Fußball ist“, so Zankl.

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