Derbysieger! Gouaida und Cigerci lassen HSV-Nachwuchs jubeln

St. Pauli-Coach Elert trotzdem „hochzufrieden“

04. Oktober 2014, 18:06 Uhr

Der Jubelrausch reißt nicht ab: Auch im Derby feiert der HSV-Nachwuchs. Foto: noveski.com!

Das Schmunzeln wollte ihm gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen: Nachdem Tolcay Cigerci mit der U23 des Hamburger SV auch das Derby gegen den FC St. Pauli II hochverdient mit 2:1 gewann, die Tabellenführung weiter untermauerte, und der Mittelfeldakteur – der das zwischenzeitliche 2:0 erzielte – darauf angesprochen wurde, ob der Klassenerhalt noch immer das erklärte Saisonziel sei, wich nur ein breites Grinsen über sein Gesicht, dem anschließend ein kurzes „Ja“ folgte.

Nach dem 1:1 gegen Rehden – gleichzeitig die ersten Punktverluste der Saison – brauchten die „Rothosen“, bei denen Kapitän Sven Mende aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt fehlte und auch Nico Charrier verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand, gerade einmal 33 Sekunden für den ersten Torabschluss: Mohamed Gouaida zirkelte vom linken Strafraumeck knapp am kurzen Pfosten vorbei. In der Folge dominierten die Abwehrreihen beider Teams vor 650 Zuschauern an der Hagenbeckstraße, bis zur 29. Spielminute: Von seinen Gegenspielern allein gelassen, marschierte Ahmet Arslan im Mittelkreis los und passte kurz vorm gegnerischen Sechzehner links raus, wo Gouaida das Spielgerät mit seinem starken linken Fuß aus 16 Metern flach ins lange Eck jagte – 1:0! Mit der Führung im Rücken legte die Petrowsky-Elf sofort nach: Erneut war es Arslan, der einen bereits verloren geglaubten Ball für Cigerci ablegte, der nahm aus 17 Metern Maß und schlenzte das Leder in den rechten Knick (32.)! St. Paulis Torsteher Mietja Bieren, der bereits nach wenigen Minuten mit Gouaida zusammen rasselte, seitdem humpelte und sich immer wieder behandeln ließ, war mit den Fingerspitzen dran und hätte den Ball im Vollbesitz seiner Kräfte vermutlich aus dem Giebel gefischt!

Anschließend signalisierte Bieren, dass es nicht mehr weitergehen würde. Der neue Coach des Kiez-Nachwuchses, Remigius Elert, nahm den Schlussmann raus und brachte Ersatzmann Christian Schau. „Es war nicht klar ersichtlich, ob er weitermachen kann. Zunächst hatte es den Anschein, dass es gehen würde“, erklärte Elert hinterher. Die einzige echte Chance der Gäste, die auf den gesperrten Erdogan Pini verzichten mussten, hatte Okyere Wriedt kurz vor dem Pausenpfiff, als HSV-Fänger Kevin Otremba nach einem langen Ball aus seinem Kasten eilte und Götz ihm den Ball nach verunglückter Kopfballabwehr servierte – doch der starke Gideon Jung blockte den Schuss des Flügelflitzers aus acht Metern (43.).

Choi mit dem Mute der Verzweiflung

In der zweiten Hälfte erwischten die Kiezkicker den Blitzstart, als Mustafa Zazai von halblinks quer legte und Wriedt in der Mitte knapp verpasste (46.). Auf der Gegenseite verfehlte Arslan vom linken Strafraumeck den rechten Knick nur knapp (51.). Den Gästen fehlte es in der Offensive an der Durchschlagskraft, dem nötigen Zug zum Tor. Als Francis Adomah den Ball am eigenen Strafraum leichtfertig vertändelte, brauchte Choi viel zu lange mit dem Abschluss, so dass Adomah seinen Fehler wieder wettmachen konnte (53.). In der Folge hatte der HSV alles fest im Griff, agierte aber häufig zu lässig. Wie es gehen kann, zeigte man in der 68. Minute: Eine tolle Kombination über Ashton Götz und Matti Steinmann, der Gouaida auf links bediente, dessen Querpass semmelte Cigerci aus acht Metern völlig freistehend drüber. Aus dem Nichts heraus war die Elert-Truppe plötzlich wieder zurück im Geschehen: Vier Zeigerumdrehungen vor Schluss schlug Chois Verzweiflungsschuss aus 28 Metern rechts unten ein – auch Otremba schien überrascht! Plötzlich musste der Primus wieder zittern – aber nur kurz, denn kurz darauf war Schluss.

Elert: „Bin trotzdem hochzufrieden!“

„Ich denke, es war eine sehr gute Partie – eines Derbys absolut würdig. Wir hatten gegen eine sehr gute eingestellte Mannschaft viele Ballgewinne im Gegen-Pressing. Allerdings hätten wir den Sack früher zumachen müssen. So ein Derby ist natürlich kein Spiel, wie jedes andere. Die Jungs waren heiß und haben verdient gewonnen“, bilanzierte Petrowsky. Während Elert meinte: Wir wollten mit Mut und Leidenschaft das Spiel angehen, das haben wir getan. Der HSV hat im richtigen Moment zugeschlagen. Dann hatten wir ein wenig Glück, dass sie ihre Konter nicht konsequent zu Ende gespielt haben. Der Anschlusstreffer kam etwas zu spät. Unterm Strich bin ich hochzufrieden, denn wir haben nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern gegen den souveränen Spitzenreiter verloren. Natürlich ärgere ich mich über die Niederlage, aber wir haben unsere Handlungsziele, die wir uns vorgenommen hatten, fast alle umgesetzt.“

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