Dem Ziel ganz nah – HSV III dicht vor Landesliga-Aufstieg!

Este muss zittern – Karch hat seinen Helden gefunden

28. Mai 2015, 10:21 Uhr

Die "Rothosen" Emrey Yasar (l.) und Timo Mäkelmann (r.) bejubeln den Führungstreffer. Foto: Christian Küch!

„Auch wenn ich es mir nach außen nicht gerne anmerken lasse, die Anspannung war schon sehr groß“, gab Felix Karch, Spielertrainer des Hamburger SV III, nach dem ersten Sieg im zweiten Relegationsspiel um den Landesliga-Aufstieg unumwunden zu. Schließlich fügte er an: „Die Auftakt-Niederlage hat schon am Ego der Mannschaft gekratzt. Jetzt haben wir die richtige Reaktion gezeigt!“ Nach dem 1:2 gegen die Zweite von HR war der Druck auf den HSV III vor dem Spiel gegen den SV Este 06/70 schon gewaltig – ein Sieg zwingend notwendig, um die Hoffnungen auf den Aufstieg am Leben zu erhalten und weiterhin alles in eigener Hand zu haben.

Die Unterstützung der Fans war dem HSV III einmal mehr gewiss. Foto: Christian Küch!

Im Wolfgang-Meyer-Stadion an der Hagenbeckstraße, wo eigentlich die U23 des HSV beheimatet ist, hatten die „Rothosen“ den Süd-Liga-Zweiten vor einer äußerst beeindruckenden Kulisse von bestimmt 500 Zuschauern von der ersten Minute an fest im Griff. Este baute auf seine Stärke: die Kompaktheit in der Defensive. Nach vorne brachte die Atanassov-Elf lange Zeit rein gar nichts zustande. Emre Yasar, dessen Schuss nur um Haaresbreite am langen Eck vorbei strich (7.), und Routinier Andreas Achtmann, der nach herrlicher Kombination über Josip Kozina und Timo Mäkelmann freistehend vor Koray Candan auftauchte (21.), vergaben die besten Möglichkeiten für die Karch-Truppe. Mit einem spektakulären Reflex gegen Achtmann bewahrte Candan sein Team vor einem Rückstand! Fünf Zeigerumdrehungen vor der Pause war aber auch er machtlos, als Kozina mit einem Zuckerpass auf halblinks Mäkelmann in Szene setzte. Dessen Hereingabe ließ Achtmann geschickt passieren, so dass Emre Yasar freie Schussbahn hatte und aus halbrechter Position im Sechzehner trocken ins lange Eck einschoss (40.)!

Angeschlagener Heuer schwingt sich zum Matchwinner auf

Keeper Heuer (M.) pariert den Strafstoß von Candan. Foto: Christian Küch!

In der Schlussminute des ersten Abschnitts der allererste Torabschluss Estes durch Rico Kremer – sein Schuss landete jedoch am Außennetz. Als beide Mannschaften sich bereits in der Kabine wähnten, unterlief HSV-Außenverteidiger Desmond Agyei Tutu ein folgenschweres Missgeschick: völlig unbedrängt stoppte er die Kugel am rechten Strafraumeck mit dem Oberarm – Schiedsrichter Mike Schnitger blieb keine andere Wahl, als auf den Punkt zu zeigen. Plötzlich ergab sich dem Atanassov-Ensemble die große Chance auf den Ausgleich. Der für den früh verletzten Janek Bundt eingewechselte Eray Candan schnappte sich das Leder, scheiterte mit seinem schwach in die Mitte getretenen Versuch allerdings am starken Yannick Heuer (45. +2)! Der Assistent riss jedoch seine Fahne in die Luft, deutete wohl eine Wiederholung des Strafstoßes an. Die Proteste des SV blieben aus und Schnitger pfiff nach kurzer Beratung zur Halbzeit ab.

Kozinas Bärendienst, Tutus Entscheidung

Die Jubelschreie durften nach dem 2:0 natürlich nicht fehlen. Foto: Christian Küch!

Gleich zu Beginn der zweiten 45 Minuten erwies der bis dato stark aufspielende Josip Kozina seinem HSV einen Bärendienst, indem er sich wegen Meckerns die Ampelkarte einhandelte (47.)! Folglich stand der „Rautenclub“ also nur noch mit zehn Mann auf dem Platz. Allerdings war davon in keiner Phase etwas zu sehen! Hamburgs „Dritte“ dominierte Spiel, Ball und Gegner weiter nach Belieben. Este kam nicht aus seinem „Schneckenhaus“ und leistete sich zahlreiche unnötige Abspielfehler. Mohammed Burtakucin hätte den Sack schon zumachen können – doch sein Schuss verfehlte das lange Eck knapp (54.), ehe „Joker“ Onur Subay nach Zebas Traumpass die Hereingabe von Tutu in den Schlussminuten nur haarscharf verpasste (87.). 60 Sekunden waren noch auf der Uhr, als sich Este aus dem absoluten Nichts heraus die Gelegenheit zum Punktgewinn bot. Ein langer Einwurf wurde auf den Schlappen von Christian Pöppe geklärt, dessen Volleyabnahme konnte Heuer nach vorne wegfausten (89.). Nach dem Elfmeter der zweite ernstzunehmende Abschluss des Süd-Ligisten, der sich in der Offensive erschreckend schwach präsentierte. Für den Schlussakkord eines meist einseitigen Spiels sorgte Rechtsverteidiger Desmond Tutu, der ein Anspiel von Mäkelmann an Candan vorbei legte und in die Maschen rollen ließ (90.) – 2:0!

„Wenn wir aufsteigen, ist es zu 90 Prozent Yannicks Verdienst“

Mit einer Laola bedankten sich die Akteure für den Support der Fans. Foto: Christian Küch!

Während man sich beim SV Este vor allem über den Austragungsort der Partie ärgerte, da es sich wohl nicht nur nach Meinung der „Gelb-Blauen“ nicht gerade um einen neutralen Platz handelte, stand Felix Karch die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Ich habe die Klappe seit Monaten groß aufgemacht, zum Glück hat mich die Mannschaft nicht im Stich gelassen. Ich bin super stolz auf die Truppe, die es in Halbzeit zwei in Unterzahl bombastisch gelöst und taktisch unfassbar clever gespielt hat.“ Seinen „Helden“ hatte er auch schnell gefunden: Keeper Yannick Heuer. „Der kämpft und schleppt sich seit Wochen mit kaputtem Nacken und Schulter durch. Heute hat er das Spiel für uns gewonnen. Wenn wir aufsteigen, dann ist es zu 90 Prozent sein Verdienst!“ Da Bergedorf 85 nach der Punkteteilung zum Auftakt nun gegen HR II einen 3:1-Sieg landete, sind die „Elstern“ mit vier Punkten bereits sicher aufgestiegen. Dahinter folgt schon der HSV III, der von einem der ersten drei Plätze, die zum Landesliga-Aufstieg berechtigen, ebenfalls kaum mehr zu verdrängen ist. Glückwünsche wollte Karch aber noch nicht entgegen nehmen. Für Este steht am Sonntag ein echtes Endspiel bei Halstenbeks Reserve an. Der Sieger geht in jedem Fall in die Landesliga hoch. Beim Verlierer wird die Enttäuschung hingegen groß sein…

Der LIVE-Ticker zum Spiel:

Der gehaltene Elfmeter von Yannick Heuer im AUS!-Video

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