Landesliga Hansa

Da „hamze“ Glück gehabt: Ausrutscher und Billard-Tor bescheren Dersim „Dreier“

Kapitän Fadi Hamze trofft beim 2:1-Erfolg gegen enttäuschende Altengammer doppelt

03. August 2019, 21:42 Uhr

Ein Mal jubeln, bitte: Dersimspors Fadi Hamze (li.) freut sich über einen seiner beiden Treffer. Foto: Both

Jan Krey lag gerade in den letzten Zügen seiner Spielanalyse, als es nach der Begegnung zwischen dem SV Altengamme und Dersimspor (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) vorne am ganz anderen Ende der Sportanlage am Gammer Weg laut wurde. Vor der Kabine der Gäste, um genau zu sein. Denn da feierte Dersim seinen „Dreier“. Punkte, die „sehr wichtig für uns waren“, sagte Obmann Mahmut Capan mit Blick auf die vergangene Serie, in der der kurdische Club erst seine Spielstätte verlor und dann am Ende der Spielzeit bis auf zwei Akteure seinen gesamten Kader. Umso euphorischer hatten die Kicker der Gäste und ihr neuer Coach „Sammy“ Selcuk schon auf dem Rasen nach dem 2:1-Erfolg skandiert: „Auswärtssiege sind schön.“

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. Und so hingen auf der anderen Seite die Köpfe tief herunter nach der Niederlage, die für den SVA nach dem 1:3 gegen den SC Condor und dem Aus im LOTTO-Pokal gegen den Oststeinbeker SV nun schon der dritte Tiefschlag binnen weniger Wochen war. Ein Sinnbild für diesen Frust war Sandro Schraub. Zwei mal hatte Altengammes Stürmer, in der letzten Spielzeit noch Torschützenkönig der Hansa-Staffel, Aluminium anvisiert. Und als es in der 85. Minute einen Elfmeter für den Gastgeber gab, trat Schraub an, zielte – und schoss neben das Tor. Die Reaktion: Der Mann mit der Nummer 19 auf dem Rücken seines Trikots zog sich selbiges über den Kopf und wollte in diesem Moment am liebsten wohl unerkannt abtauchen. Dersims Keeper Can Öküzbogan spendete Trost. Dabei hatte Schraub vorher immerhin doch ein Mal getroffen: nach einer Stunde Spielzeit zum 1:1-Ausgleich, als er eine Flanke von Philip Alpen per Kopf versenkte. Das aber reichte eben nicht.

Capan: „Solche Spieler wie Fadi, die im Spiel die Jungs leiten, brauchst du“

Entwischt: Daniel Gomes da Silva (vo.) lässt Altengammes René Johannsen hinter sich zurück. Foto: Both

Weil, wie es SVA-Coach Jan Krey formulierte, „Dersim drei Mal aufs Tor schießt. Zwei Mal ist der Ball drin, ein Mal hält unser Torwart Alexander Golinske klasse, als wir ausgekontert werden.“ Und bei den beiden Treffern hatte Dersimspor Glück, wie auch Obmann Capan erkannte: „Natürlich! Aber dieses Glück musst du halt auch mal haben.“ Auf dem Feld sah das dann so aus: Beim 1:0 rutschte nach einem vorherigen Einwurf von Sinan Günay ein Altengammer weg, sodass Fadi Hamze einnetzen konnte (20.). Beim 2:0 traf Hamze erst den Pfosten, dann versenkte er den anschließenden Abpraller (82.) und verschwand anschließend inmitten der Dersim-Jubeltraube. „Solche Spieler wie Fadi, die im Spiel die Jungs leiten, brauchst du“, lobte Capan, der aber auch warme Worte für Keeper Öküzbogan hatte: „Wir haben ihn von Nikola Tesla geholt, weil wir reagieren mussten. Unser anderer Torwart ist Futsal-Torwart, wir mussten handeln. Hätten wir am ersten Spieltag gegen Voran Ohe schon eine richtigen Torwart gehabt, hätten wir da Unentschieden spielen können. Wir sind froh, dass Can dabei ist. Er strahlt viel Ruhe aus.“

Ruhe – die werden auch Jan Krey und seine Mannschaft benötigen, um nicht nur die Niederlage gegen Dersimspor, sondern den allgemein doch inzwischen als missglückt zu bezeichnenden Start zu analysieren. „Uns ist die Leichtigkeit vollkommen abhanden gekommen. Wir machen uns über alles Gedanken und müssen zusehen, dass wir die Handbremse lösen – sonst wird das eine ganz schwierige Saison“, konstatierte der SVA-Trainer und ergänzte: „Wenn ich die Frage, woran es liegt, beantworten könnte, wäre es einfach.“ Kann Krey derzeit aber nicht bis ins Detail – und so geht der SVA derzeit durch ein schwieriges Tal: „Vom Gefühl her sind wir vom Kopf nicht frei. Gerade das, was uns in der letzten Saison gelungen ist, gelingt uns jetzt nicht. Wir spielen viel zu kompliziert“, versuchte sich Altengammes Übungsleiter dennoch als „Sherlock Holmes“ vom Gammer Weg, der den Gründen für die Misere des SVA dicht auf den Fersen ist. An einem Einzelnen, so Krey, wolle er das Momentum nicht festmachen. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Mannschaft. Klar passt es ins Bild, dass Sandro Schraub beim Elfer Pech hat. Aber bei seinem Pfostenschuss macht er zum Beispiel alles richtig und kommt gut zum Abschluss.“

Krey: „Wir müssen zusehen, dass wir die Handbremse lösen – sonst wird das eine schwierige Saison“

Pechvogel: Altengammes Sandro Sdhraub (re.), der einen Elfmeter verschoss, wird von Dersim-Keeper Can Öküzbogan getröstet. Foto: Both

Vielmehr, so Krey weiter, „müssen wir uns den Vorwurf machen, dass die erste Halbzeit einfach schlecht war. Das ist nicht unser Anspruch.“ Der Auftritt nach der Pause „war okay. In Schulnoten ausgedrückt eine Drei minus. Es war ein kurzes Aufbäumen da, mehr aber auch nicht.“ Und das Rezept ums zu ändern? „Wir machen weiter. Wenn man sieht, wie die Jungs trainieren und wie sie dann spielen – da liegen Welten dazwischen. Im Training sind Feuer und Lautstärke drin. Da haben alle Selbstvertrauen. Am Wochenende geben sie das offenbar vorne im Vereinsheim ab. Vielleicht muss ich da mal hinter den Tresen gucken“, flüchtete sich Krey in Humor. 


Dass nur wenig später der Himmel über dem Platz am Gammer Weg seine Schleusen öffnete, ein kräftiger Regenguss niederging und alles ein bisschen trist aussah, passte irgendwie ebenso ins Bild, wie die Tatsache, dass Ligaobmann Philipp Mohr die eigentlich für nach dem Spiel geplante offizielle Vorstellung der Zugänge vor den Fans aufgrund der Niederlage verschob. „Ich glaube, da verspürt jetzt keiner mehr Lust drauf“, rechtfertigte sich Mohr. Dersims Obmann Mahmut Capan sprach derweil nach dem Sieg das Schlusswort, das auch für den SVA gelten könnte: „Wir gucken nach vorne. Es wird besser!“

Jan Knötzsch

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