07.10.2018

"Cello" setzt die Pointe: Jansen schießt HSV III zum Sieg!

Ex-Profi trifft erstmals, Rabenhorst trotzdem sauer

Die letzten Anweisungen vor seiner Einwechslung: 20 Minuten vor dem Ende betritt Marcell Jansen den Platz. Foto: Kormanjos

Es war sein ganz besonderer Moment - doch Marcell Jansen zelebrierte ihn "Teamplayer-like" mit seinen Mannschaftskollegen. Nach einem Bänderriss, den er sich im August zuzog, und einer längeren Pause, stand der Ex-Profi im Gastspiel des HSV III beim SC Sternschanze erstmals wieder im Aufgebot der "Rothosen". Als noch 20 Minuten zu absolvieren waren und seine Kameraden ein wahres Slapstick-Feuerwerk im Auslassen von besten Torchancen abfackelten, betrat Jansen den Platz. Keine fünf Minuten später schritt er erstmals zur Tat...

Jansen entledigt sich seiner Trainingsklamotten. Foto: Kormanjos

Rechts am Strafraum zog Edward Pfister ein Foulspiel. 17 Meter Torentfernung, ideale Position für "Cello". Auf der Bank unkten Marcus Rabenhorst und Christian Rahn bereits: "Guck mal, wo der Torwart steht. Der steht genau in der Mitte. Den brauchst du eigentlich nur mit der Innenseite aufs Tor bringen." Was machte Jansen? Er sah, traf und siegte - um es abzukürzen. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Jansen tat genau das, was sein Trainerteam bereits vorhersah. Er schlenzte den Ball mit der Innenseite halbhoch ins Torwarteck - Schanze-Fänger Max Menschner stand falsch und wurde eiskalt erwischt (75.)! "Ich wünsche mir manchmal, dass sich die Spieler, die jetzt das Vergnügen haben, nochmal mit ihm zusammenzuspielen, genau solche Sachen an- und abgucken. Es ist nicht wichtig, ob der exakt im Winkel einschlägt, vom Innenpfosten reingeht oder irgendwie anders wunderschön geschossen ist - sondern es geht darum, dass der Ball im Netz ist, wir gewonnen und die drei Punkte haben", so Rabenhorst, der das Gefühl hat, "dass die Jungs zu viel Fifa spielen oder zu viel Fernsehen gucken und dann irgendwas machen."

Jansen: „Ich habe mich in dem Moment gut gefühlt“

Jerry Sampaney (li.) bekommt Instruktionen von Coach Marcus Rabenhorst. Foto: Kormanjos

"Matchwinner" Jansen selbst meinte auf unsere Nachfrage hin: "Es ist nicht einfach für einen Torwart, weil da so viele Leute davorstehen, ihm die Sicht nehmen, und die Distanz zum Tor auch relativ nah war. Wenn man den dann einigermaßen platziert aufs Eck trifft, ist der schwierig zu verteidigen." Und weiter: "Wir machen die ja auch in jedem Training und haben einige, die einen guten Abschluss haben. Aber in dem Moment habe ich mich gut gefühlt", ehe er mit einem breiten Grinsen anfügte: "Das war das erste Mal, dass ich aus dem Stehen kam - nach 20 Minuten, wo ich erstmal ins Spiel kommen musste." Für den 32-Jährigen war es das erste Tor im Dress der Dritten Mannschaft - und das führte gleich zur Tabellenführung. Trotzdem gab er sich zurückhaltend: "Ich freue mich riesig, dass ich mit meiner Mannschaft ein Spiel gewonnen habe. Ob ich den jetzt mache oder jemand anderes, ist egal - das ist nicht der Grund, weshalb ich hier wieder angefangen habe. Ich finde es allgemein klasse, was im e.V. für Arbeit gemacht wird - nicht nur um Fußball. Es begeistert mich, zu sehen, wie viele Ehrenamtliche wir auch hier bei uns im Team haben. Dass unser Verteidiger 'Micha' (Michael Ulbricht; Anm. d. Red.) so eine Art Zeugwart macht, unter der Woche die Wäsche wäscht und dann am Wochenende Landes- oder wie im letzten Jahr Oberliga spielt. Da fühle ich mich Zuhause. Es macht einfach Riesenspaß mit den Jungs zu trainieren und zu spielen. Schön ist natürlich, wenn man dann noch so ein Kampfspiel gewinnt."

„Wäre nicht schlimm gewesen, wenn der Trainer mich nicht gebracht hätte“

Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für den Support. Foto: Kormanjos

Nach seiner verletzungsbedingten und beruflichen "Auszeit" sei das Ziel gewesen, "dass ich mich im September durch Training wieder ranarbeite. Ich habe dem Trainer gesagt, wenn es passt und in der Woche gut läuft, dann komme ich auch gerne mit in den Kader. Aber generell geht es darum, dass die Jungen auch spielen. Mir macht es einfach Spaß, sich hier fitzuhalten." In der Trainingswoche absolvierte Jansen sämtliche Einheiten, sodass einem Einsatz - zumindest für 20 Minuten - nichts im Wege stand. "Einerseits hat sich das vom Spielverlauf her so ergeben, andererseits glaube ich schon, wenn der Trainer zu mir sagt, dass ich mitkommen soll, dass ich dann die Einsatzzeiten auch brauche. Denn ich muss ja erstmal wieder reinkommen. Aber es wäre jetzt auch nicht schlimm gewesen, wenn der Trainer es nicht gemacht hätte, denn es ist und bleibt ein Mannschaftssport und macht auch so riesig Spaß mit der Truppe."

Das Freistoß-Tor von Marcell Jansen im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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