01.10.2019

„Bibelkunde“ mit Ausrufezeichen: „Die Jungs haben gezeigt, dass sie wollen – und können!“

Lokstedt macht den Trainer „stolz“ – HTB-Coach wird deutlich

Mario Beslic vollendete den „Spielzug des Spiels“ zum vorentscheidenden 3:1 für Lokstedt. Foto: Sebastian Neumann

„Quo vadis?“ Vor dem Duell mit dem Harburger TB wurde es „etwas ‚biblisch‘ in der Besprechung“ bei Hammonia-Landesligist Eintracht Lokstedt. Trainer Anto Josipovic nahm seine Mannen in die Pflicht und wollte von ihnen auf dem Platz die Frage beantwortet haben, wo die Reise in dieser Saison hinführen kann und soll. „Ich habe den Jungs gesagt, dass es ein Gegner auf Augenhöhe ist und sie mir zeigen können, was wir in dieser Saison noch erreichen wollen. Ob wir einstellig einkommen und unsere Ziele erreichen können oder ob wir immer Sechs-Punkte-Spiele vor der Brust haben, da wir in Richtung Abstiegsplätze gucken müssen.“

Im zehnten Saisonspiel seien „Schonfrist und Welpenschutz vorbei“, so Josipovic weiter. „Die Jungs waren in der Pflicht, Erwachsenen-Fußball zu spielen.“ Mit einem klaren Matchplan, „den Spielaufbau des Gegners zu zerstören“, gingen die Kicker von der Döhrntwiete in das Match. Die spätere Erkenntnis: „Das haben wir unglaublich gut gemacht.“ Und weiter: „Wir wollten von der ersten Minute an da sein!“ Gesagt, getan. Die Eintracht störte den Spielaufbau des HTB, Ante Beslic spielte den Ball lang aus der Kette auf den halblinks startenden Konrad Janta – und der gerade einmal 17-Jährige zeigte seine ganze Klasse, indem er Gäste-Keeper Murat Osman Bakir aus 22 Metern halblinker Position mit dem linken Fuß überlupfte (1.). Was für ein Start! „Danach haben wir das Spiel weiter kontrolliert, kommen zu Chancen und gehen deshalb ‚nur‘ mit einem 1:0 in die Halbzeit“, hätte Josipovic gerne ein noch beruhigenderes Polster gehabt.

„Das zeigt Qualität und mentale Stärke - das fand ich unfassbar stark“

Erzielte mit seinen gerade mal 17 Jahren das traumhafte 1:0: Konrad Janta. Foto: Sebastian Neumann

Es folgte eine Phase, die den Coach der Eintracht mächtig imponierte. Eine Phase, in der ihm seine Jungs bewiesen, was sie wollen. Denn: „Wir kommen aus der Pause und haben zehn Minuten, in denen wir richtig leiden. Der HTB macht Druck, hat Chancen, aber wir haben keinen individuellen Fehler gemacht. Was mich richtig stolz macht, ist die Tatsache, dass wir genau in diese Phase rein das 2:0 machen. Das war ein richtiges Ausrufezeichen von den Jungs. Sie haben mir da gezeigt, dass sie Erwachsenen-Fußball spielen und etwas erreichen wollen. Das zeigt Qualität und mentale Stärke. Das fand ich unfassbar stark“, schwärmte Josipovic, nachdem Johann Buttler, der zunächst durch die Harburger Hintermannschaft tanzte, eine Ablage von Tom Münster verwertete (58.).

„Ich bin wirklich stolz auf die Jungs“

Johann Buttler markierte bereits siebtes Saisontor im neunten Einsatz. Foto: Sebastian Neumann

Die von Josipovic angesprochene „mentale Stärke“ demonstrierte sein Team auch danach, als Mario Beslic aus drei Metern das 3:0 vergab und die Gäste durch einen herrlichen 18-Meter-Strahl von David Mrozek Glischinski urplötzlich auf 1:2 verkürzten (66.). Denn die Eintracht blieb cool – und zelebrierte die Vorentscheidung mit einer traumhaften Stafette über Sandro Mischkowski, Alexander Gäde, Tamino Kunter und Mario Beslic, der den Ball in die Tiefe gespielt bekam und durch die Hosenträger von Bakir eiskalt verwertete (78.). So einfach kann Fußball sein! Der Übungsleiter sprach hinterher von einem „absolut verdienten Sieg“ und befand: „Wir haben schönen Fußball gespielt und den Matchplan unfassbar gut umgesetzt. Nichtsdestotrotz müssen wir stabiler werden, wenn sich gewisse Momente im Spiel verändern. Aber ich bin wirklich stolz auf die Jungs. Sie haben gezeigt, dass sie wollen – und auch, dass sie es im Endeffekt können“, bilanzierte Josipovic.

„Wir haben uns abkochen lassen, von Gegenwehr kann keine Rede sein“

Während HTB-Coach Steffen Prielipp gegenüber „harburg-fussball.de“ überaus deutliche Worte fand: „All das, was ich in der Kabine vor dem Spiel gepredigt habe, war mit dem Anpfiff weg.“ Und weiter: „Wir haben uns abkochen lassen, von Gegenwehr kann keine Rede sein. Kaum einer meiner Spieler hatte Normalform. Das einzige, was bei uns konstant ist, ist unsere Inkonstanz.“

Das Spiel noch einmal über die vollen 90 Minuten im Re-LIVE

Autor: Dennis Kormanjos

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