Aus 0:3 mach 3:3 in Minute 96: Union-Keeper Brüggemann mutiert zum Torjäger!

„Er sagt immer, er ist Stürmer - das werde ich mir jetzt eine Woche anhören müssen“

08. April 2018, 20:35 Uhr

Die Spieler des FC Union Tornesch feierten das „Hollywood-reife“ Ende mit dem Punktgewinn nach 0:3-Pausenrückstand auch noch lange nach Schlusspfiff. Foto: Kormanjos

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die kein Hollywood-Regisseur kitschiger verfassen könnte. Oder klingt folgender Spielfilm nicht nach etwas viel Phantasie? Eine Mannschaft, die in der Vorwoche in der Nachspielzeit nach einer 2:0-Führung das 2:2 kassiert, liegt zur Pause mit 3:0 in Front, hat alles im Griff – und lediglich die Höhe des Sieges scheint die einzig offene Thematik zu sein. Als diese Mannschaft das Fußballspielen nahezu komplett einstellt und der Gegner in der 80. Minute das 1:3 erzielt, klingt dies im ersten Moment nur wie ein kleiner Schönheitsfleck. Dieser bekommt allerdings ernsthafte Risse, als der angesprochene Gegner in der zweiten Minute der Nachspielzeit auf 2:3 verkürzt und mit der allerletzten Aktion des Spiels, in Minute 96 (!), das 3:3 markiert – und das durch den Torwart! 

Ein bisschen viel Kitsch – doch am Vormittag fand dieser Streifen beim Spiel zwischen dem USC Paloma und Union Tornesch tatsächlich seine Uraufführung. „Ich habe mich eigentlich schon hier sitzen und dem Gegner gratulieren sehen“, gestand Stefan Dösselmann, Trainer der Unioner. Stattdessen konnte er die Glückwünsche entgegennehmen – wenn auch nur zu einem Punktgewinn. Dieser fühlte sich allerdings wie ein Sieg an. Als die angezeigte „Extratime“ von vier Minuten bereits deutlich überschritten war, feuerte Flemming Lüneburg noch einmal einen Freistoß aus der eigenen Hälfte weit in den USC-Sechzehner. Dort gewann Patrick Ziller das Kopfbalduell – und urplötzlich tauchte am zweiten Pfosten der mit aufgerückte Tornesch-Torwart Tim Brüggemann auf, der das Runde unter kollektivem Jubel der Gäste wahrhaftig ins Eckige beförderte (90. +6)! Schiedsrichter Florian Schwarze, ein alles andere als souveräner und mit klarer Linie ausgestatteter Spielleiter, pfiff daraufhin sofort ab, ließ völlig konsternierte Hausherren und der Ekstase nahe Gäste zurück.

Brüggemann wackelt - „Haben alles vermissen lassen!“

Keeper Tim Brüggemann (grünes Trikot) war der gefeierte Mann nach seinem Tor in der 96. Minute. Foto: Kormanjos

„Hut ab. Er sagt immer, er ist Stürmer“, so Dösselmann mit einem Augenzwinkern über die Offensivqualitäten seines Torhüters. „Das werde ich mir jetzt eine Woche lang anhören müssen“, fügte er mit einem Schmunzeln an. Brüggemann selbst wurde nach Schlusspfiff erst einmal lautstark von seinen Teamkollegen gefeiert, ehe er den Weg ins Clubheim suchte und seine Mannschaft mit frischen (alkoholischen) Getränken ausstattete. „Wenn du in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich machst, kann man durchaus davon sprechen, dass es glücklich ist“, so Dösselmann. Insbesondere nach diesen ersten 45 Minuten, in denen auch Brüggemann schon eine Hauptrolle spielte. „Wir haben in der kompletten ersten Halbzeit alles vermissen lassen, was wir eigentlich an den Tag legen wollten!“ Und so hatte der HEBC-Verfolger scheinbar ganz leichtes Spiel. Die ersten beiden Tore leitete Dominic Ulaga jeweils mit einem Freistoß ein. Erst vollendete Tom Bein nach Kopfballablage von Torsten Hartung (16.). Dann war der Verteidiger höchstselbst zur Stelle, als er Brüggemann mit einem Kopfball ins kurze Eck nicht gut aussehen ließ – 2:0 (30.)! Als die reguläre Spielzeit im ersten Durchgang bereits abgelaufen war, trat Brüggemann ein weiteres Mal in Erscheinung. Diesmal rannte er Ulaga – auf Höhe der linken Grundlinie am Sechzehnereck – in einer ungefährlichen Situation völlig ungeschickt um. Den fälligen Strafstoß verwandelte Denny Schiemann zum 3:0 (45. +1)!

Bacabo Ebongo vergibt Vorentscheidung zweimal leichtfertig

Da es auf der Anlage direkt mit dem Spiel der Paloma-U23 weiterging, verlegten die Akteure des FC Union ihren „Siegerkreis“ nach außerhalb. Foto: Kormanjos

„Natürlich haben wir die Fehler der ersten Halbzeit analysiert. Das war katastrophal, so wollten wir nicht auftreten“, meinte Dösselmann, der bei diesem Spielstand schon von „einer Vorentscheidung“ sprach. Aber: „Wir haben uns in der Kabine gesagt: Lasst uns die zweite Halbzeit gewinnen und ein paar Schippen drauflegen.“ Gesagt, getan. Wie schon so oft in dieser Saison, stellte Paloma das Fußballspielen auf einmal nahezu komplett ein – und machte den Gegner damit wieder stark. Maik Stahnke donnerte das Spielgerät aus der zweiten Reihe an die Latte (54.) und Jannek Laut nickte eine Hereingabe des eingewechselten Sören Badermann an den Außenpfosten (79.). Es sollte irgendwie nicht sein – zumindest bis hierhin. Denn wenige Augenblicke darauf sorgte Laut – wieder nach Badermann-Flanke – für Ergebniskosmetik (80.)! Nach mehr sah es zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus – zumal die „Tauben“ folglich gleich zweimal den Deckel hätten draufmachen müssen. Doch der kurz zuvor in die Partie gekommene Francisco Javier Bacabo Ebongo drosch nach Schiemann-Querpass zunächst aus einem Meter über den Ball (83.), ehe er nach einer verunglückten Marcks-Rückgabe freistehend an Brüggemann scheiterte (89.). „Wenn er den nicht rausholt, ist das Spiel natürlich gelaufen“, erkannte auch Dösselmann, der ebenso sah, dass Bacabo Ebongo in jener Szene einfach nur für den mitgelaufenen Youcef Madadi hätte querliegen müssen.


Autor: Dennis Kormanjos

Seite 1 / 2 Nächste Seite >
Kommentieren