20.10.2019

„Auf dem Arsch gelegen, statt standhaft und aggressiv zu sein“: Rühmann „rockt“ trauriges Tornesch

Rugenbergen holt beim Aufsteiger mit 2:1 einen „Dreier“ im Abstiegskampf

Hendrik Rühmann traf zum 2:0 für den SVR und war laut seines Trainers der überragende Mann auf dem Platz. Foto: KBS-Picture.de

Er narrte sie alle. Die Hintermannschaft von Union Tornesch spekulierte im Match gegen den SV Rugenbergen eine knappe Viertelstunde vor dem Anpfiff auf Abseits. Doch Hendrik Rühmann spielte nicht den Pass in die Tiefe, sondern startete selbst Richtung Tor. Als der Mittelfeld-Mann des SVR dann eine ideale Schussposition erreicht hatte, zog er ab. Die Kugel flog an Unions Torsteher Björn Schramm vorbei und landete zum 2:0 für die Gäste im Netz. Damit war die Entscheidung im Kreisderby gefallen. Oder doch nicht? In der 80. Minute kam Tornesch nochmal auf 1:2 heran, als Lennart Dora per Kopf traf. Am Ende aber nutzte das der Mannschaft von Trainer Thorben Reibe nichts mehr. Es blieb beim Sieg der Bönningstedter.

Und dabei, dass dieser letzte Treffer der Begegnung Andelko Ivanko gar nicht passte. „Das muss ich meiner Mannschaft einfach vorwerfen: Nach einer der schlechteren Ecken von Tornesch steht Dora da im Fünfmeterraum alleine und köpft völlig ungestört ins Tor. Das ist inakzeptabel in der Phase und auch in der Situation, in der wir uns gerade in der Tabelle befinden. Du musst so ein Spiel einfach souverän mit 2:0 über die Bühne bringen und ein drittes oder viertes Tor nachlegen, damit es nicht noch eng wird“, ärgerte sich Rugenbergens Coach nicht nur über den Anschlusstreffer, sondern auch darüber, dass seine Equipe nicht schon vorher den berühmten Sack zugemacht hatte. „Wir hatten klare Möglichkeiten, genau das zu tun. Leider haben wir das nicht gemacht. Tornesch war durch Standards immer gefährlich. Ein paar Mal hatten wir da eine kleine Dosis Glück. Ich war schon zur Pause unzufrieden, dass wir nicht nachgelegt haben“, verriet Ivanko nach dem Schlusspfiff.

Ivanko: „Ich war schon zur Pause unzufrieden, dass wir nicht nachgelegt haben“

Die eigene Chancenverwertung und der Gegentreffer missfielen Rugenbergen-Coach Andelko Ivanko. Foto: KBS-Picture.de

Doch es gab durchaus auch Aspekte, mit denen der Coach der Gäste zufrieden sein konnte – und die überwogen am Ende auch. Doch der Reihe nach: Nachem Kilian Utcke zunächst seine erste Gelegenheit nicht nutzte, holte er dies mit der zweiten nach und brachte Rugenbergen bereits in der neunten Minute mit 1:0 in Führung. „Wir sind gut ins Spiel gekommen, hatten viel Ballbesitz, waren dominant und haben sofort Akzente gesetzt“, befand Ivanko. „Mit dem Anfang der zweiten Hälfte hat Tornesch dann Gas gegeben, wir haben uns tiefer positioniert. Aber nur für eine kurze Phase. In der haben wir klasse verteidigt. Dann machen wir mit einem Konter das 2:0“, so der Rugenbergen-Übungsleiter, der seinen Torschützen lobte: „Hendrik war überragend. Der beste Mann auf dem Platz. Es war imposant, was er auch schon vor dem Treffer in der Defensive und in der Offensive geleistet hat.“ Insgesamt, so Ivanko, „war unser Sieg am Ende verdient. Ich freue mich, dass die Mannschaft weiter zusammenwächst. Das war zu Beginn der Saison noch das Problem. Heute war es so, das ich spielerisch richtig schöne Kombinationen und Ballstaffetten gesehen habe. Wir müssen allerdings noch effektiver werden.“

Reibe: „Es ist schon ein bisschen bedenklich, dass man so ein Kreisderby nicht so richtig angeht“

Tornesch-Trainer Thorben Reibe sah vor den Gegentoren jeweils individuelle Fehler. Foto: KBS-Picture.de

Wo solche Freude herrscht, da ist freilich auch das Leid nicht weit. Und das hatte auf Seiten der Hausherren in dieser Partie Tim Moritz gepachtet. „Wir machen zwei krasse individuelle Fehler. Vor dem 0:1 stoppt Moritz den Ball nicht, sondern lässt ihn durchlaufen. Und beim zweiten Treffer spielt er dem Gegner den Ball in den Fuß“, konstatierte Thorben Reibe. Doch es lag „nicht allein daran“, wie der Union-Coach befand: „Bei uns hat vieles nicht gepasst. Wir sind mit dem Untergrund überhaupt nicht zurecht gekommen, Die Hälfte der Mannschaft hat überwiegend auf dem Arsch gelegen, statt standhaft und aggressiv zu sein. Aber gerade das brauchst du im Abstiegskampf.“ Und dort befindet sich der Aufsteiger noch immer, wenn es nach Reibe geht – der letzten guten Wochen zum Trotz. „Viele haben schon gesagt: 'Jetzt klopfen die im Mittelfeld an.' Aber das ist nicht so, das war uns vorher schon klar, Man muss sicher nicht alles schwarz malen, aber es ist schon ein bisschen bedenklich, dass man so ein Kreisderby nicht so richtig angeht. Wir hatten zwar eine kurze Druckphase, aber in den letzten Minuten sind wir nicht mehr vors Tor gekommen. Von daher ist es ein verdienter Sieg für Rugenbergen. Gerade aufgrund der ersten Viertelstunde, wo wir gar nicht im Spiel waren.“

Jan Knötzsch 

Kommentieren