06.10.2019

Auch „Comebacker“ Obst kann nicht für die Kirsche auf der Torte sorgen

Ersatzgeschwächtes BU II und top-besetztes Hansa 11 teilen die Punkte

Die letzten Instruktionen vor seiner Einwechslung: BU II-Trainer Jan Haimerl (re.) instruiert „Comebacker“ Stephan Obst. Foto: Kormanjos

67 Minuten waren an der Dieselstraße vorüber, als Jan Haimerl seine letzte Wechsel-Option zum Warmmachen schickte: Co-Trainer Stephan Obst. Der inzwischen 34-Jährige zog sich schnell um, wechselte das Schuhwerk, machte sich auf den Weg hinter das Tor – und kam zehn Minuten vor Ultimo für Oliver Desimeier. Tatsächlich kam der Routinier, der seine Herren-Laufbahn bereits vor zweieinhalb Jahren beendet hatte, noch zu zwei Abschlüssen. Ein Torerfolg war ihm jedoch nicht vergönnt – und so blieb es zwischen seinem HSV Barmbek-Uhlenhorst II und dem SC Hansa 11 im Aufsteiger-Duell beim 1:1-Unentschieden (alle Highlights im LIVE-Ticker)…

Der Grund, weshalb BU II-Coach Haimerl auf den einstigen Torjäger, „der eigentlich keine Rolle mehr spielen soll“, zurückgreifen musste: Die aktuelle Personalmisere. Vor dem Spiel verletzte sich auch noch Christophe Mandji beim Aufwärmen – während Keeper Vincent Driessen und Stürmer André Jozic angeschlagen in die Partie gingen. „Natürlich kann ich jetzt rumjammern und die ganzen Namen aufzählen“, ließ es Haimerl jedoch sein, meinte aber: „Wenn man sich mal anguckt, wer nicht gespielt hat, dann lehne ich mich mal so weit aus dem Fenster und sage, dass das fast eine komplette Landesliga-Startelf ist, die gefehlt hat. Vielleicht ist das ein bisschen übertrieben. Aber es ist auf jeden Fall eine sehr, sehr gute Bezirksliga-Mannschaft ist, die nicht dabei war.“ Und so half neben Stephan Obst auch Mirco Missullis aus. Dieser kam zur zweiten Halbzeit, machte „ein super Spiel“ und hatte „einen ganz klaren Anteil daran, dass wir einen Punkt mitgenommen haben“, lobte Haimerl den 31-Jährigen, der vor der Saison und die „Dritte“ der Barmbeker gewechselt ist.

Hansa verpasst 2:0 - Wrage gleicht aus

Timo Wrage (li.) ballt nach seinem Ausgleichstreffer die Faust. Foto: Kormanjos

So dünn die Personaldecke bei den Hausherren war, so gut bestückt war der Kader des SC Hansa 11. „Heute konnten wir zum allerersten Mal aus dem Vollen schöpfen“, strahlte Trainer Erkan Sancak, der zuletzt sogar zweimal selbst auf der Bank Platz nehmen musste. Apropos Müssen: „Ich musste sogar einem Spieler sagen, dass er nicht im Kader ist. Das ist ätzend für einen Trainer, aber ein Luxusproblem“, so Sancak, dessen Elf in Minute 22 in Führung ging, als Mohammad Akbari ein Zuspiel von Gonzalo Munoz Montaner aus abseitsverdächtiger Position verwertete (22.). Noch vor der Pause bekam „Goalgetter“ Ezequiel Bautista Barbera die große Chance auf das 2:0, als Referee Tobias Nawo einen normalen Zweikampf zwischen Oliver Desimeier und Dejan Prostran als Foulspiel des Barmbekers wertete und den Gästen einen Elfmeter zusprach. Doch Bautista Barbera zielte am linken Pfosten vorbei (39.)! Stattdessen glich BU II – mit neuem 3-4-3-System im zweiten Abschnitt – kurz nach der Pause aus: Tom Jahnke bediente Timo Wrage links im Strafraum. Der Außenverteidiger schloss trocken ins lange Eck ab (50.).

„Die letzten Wochen haben wehgetan und die Jungs ein bisschen ‚kaputt‘ gemacht“

„Wenn man die letzten Wochen sieht, dann ist es ein gewonnener Punkt. Wenn man aber den Spielverlauf als Maßstab nimmt, dann waren es zwei verlorene Punkte“, konstatierte Sancak. „Wir waren in der ersten Halbzeit klar die bessere Mannschaft und bissiger. In der zweiten Halbzeit hatten wir mit der Umstellung ein paar Probleme.“ Aber: „Nach der Klatsche in der Vorwoche (0:8 bei HR; Anm. d. Red.) und der Talfahrt in den letzten Wochen war es für mich alles in allem ein gewonnener Punkt.“ Die von Sancak bereits angesprochene „Talfahrt“ führte unter der Woche zu einer „Besprechung“, wie Sancak verriet. „Es war keine Krisensitzung, ich wollte mit der Mannschaft nur reden und ihr klarmachen, dass wir immer noch gut dastehen – egal wie die letzten Wochen waren. Denn das hat wehgetan und die Jungs in den letzten Wochen auch ein bisschen ‚kaputt‘ gemacht.“ Auch wenn man „sieht, dass wir in einigen Situationen noch sehr ängstlich spielen“, gehe „der Trend wieder nach oben“, glaubt Sancak – und war mit der Reaktion seiner Mannen auf die Durstrecke sehr zufrieden.

„Meterweites Abseits und absolutes Elfer-Geschenk“

Auch Stephan Obst konnte nicht mehr für den Barmbeker „Luckypunch“ setzen. Foto: Kormanjos

Während sein Gegenüber bilanzierte: „Ich lehne mich fast so weit aus dem Fenster und sage, dass es zwei verlorene Punkte sind, schränke das Ganze aber ein. Denn ich glaube, dass wir innerhalb der ersten vier, fünf Spieltage so ein Spiel noch verloren hätten. Jetzt sind wir inzwischen schon so weit, dass wir solche Spiele nicht mehr verlieren. Natürlich haben wir am Ende ein bisschen Glück, hatten aber auch die Chance, wo das Ding im Endeffekt noch zu unseren Gunsten ausgehen kann. Aber unter Anbetracht der Tatsache, dass dem Gegentor eine meterweite Abseitssituation vorausgeht und der Elfmeter ein absolutes Geschenk war, sind es zwei verlorene Punkte“, gab Haimerl abschließend zu Protokoll. 

Autor: Dennis Kormanjos

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