Regionalliga Nord

Altona abgeschossen: Konditions- oder Qualitätsvorteil „EN“? – „Die Jungs müssen trotzdem noch weiter bluten“

Norderstedt feiert gegen den AFC einen 5:2-Sieg, weil der Gast nicht konsequent genug trifft

28. Juli 2019, 18:32 Uhr

Spektakuläre Flugeinlage: Nathaniel Amamoo (re.) feiert vor den Augen von Teamkollege Rico Bork mit einem Überschag seinen Treffer kurz nach der Pause. Foto: KBS-Picture.de

Tobias Grubbas Stimmung war im Keller. An den wartenden Journalisten vorbei marschierte der Keeper von Altona 93 nach dem Match gegen Eintracht Norderstedt (Hier gibt’s den Ticker der Partie zum Nachlesen) in die Kabine. „Diese kack Kugel muss auch mal rein“, entfuhr es dem Blondschopf auf dem Weg dorthin. In einem knappen Satz hatte der AFC-Keeper damit das erste Spiel der Gäste zusammengefasst: Altona traf das nur zweifach ins Tor, Norderstedt machte es besser und feierte fünf Einschläge – macht am Ende ein 5:2 für „EN“ vor 1495 Zuschauern und den ersten „Dreier“ für die Equipe von Trainer Jens Martens, während der AFC nun mit leeren Händen an seine nächste Aufgabe herangehen muss, wenn am Mittwoch der VfB Lübeck auf dem Rasen der Adolf-Jäger-Kampfbahn der Gegner ist. 

„Mittwoch ist Mittwoch und heute ist heute. Klar ist es bitter, fünf Dinger zu bekommen, aber dann müssen wir das nächste Spiel eben zu Null spielen. Wir müssen uns jetzt den Mund abputzen und an das Lübeck-Spiel denken“, konstatierte Grubba einige Minuten später, als er nach einer kurzen Stippvisite in dem Katakomben des Edmund-Plambeck-Stadions wieder heraus in die Sonne gekommen war und der Presse Rede und Antwort stand. „Ich glaube, wir waren nicht nur eine Halbzeit, sondern die ganze Zeit nah dran. Wenn noch ein drittes Tor für uns gefallen wäre, dann wäre Norderstedt nochmal ins Schwimmen geraten. Wir haben uns richtig viele Chancen herausgespielt, dann aber vorm Tor geschludert“, sagte der AFC-Schlussmann und fügte hinzu: „In zwei, drei Situationen in der zweiten Halbzeit sind wir nicht richtig wach gewesen, da standen sie komplett blank. Ansonsten kann ich der Mannschaft keinen Vorwurd machen, Wir haben Norderstedt gut unter Druck gesetzt.“

Martens: „So chaotisch wie in der ersten Halbzeit habe ich uns in der Vorbereitung nicht gesehen“

Riesiger Rückhalt: Eintracht-Keeper Lars Huxsohl (hier gegen die Altonaer Abdullah Yilmaz und Eudel Monteiro) zeigte einige starke Paraden. Foto: KBS-Picture.de

Aber eben nur zwei Mal eingenetzt nach Hamajak Bojadgians „Böller“ aus 30 Meter, den Grubba zum 0:1 passieren lassen musste (4.). Zunächst bediente William Wachowski mit der Hacke Neuzugang Marcel Lück, der eiskalt vollstreckte (15.), dann war Wachowski selbst der Torschütze, nachdem Leon Mundhenk die Kugel erobert hatte (18.). Die Eintracht wiederum schlug durch Nils Brünung zurück (32.). „Wir können froh sein, dass wir mit dem 2:2 in die Pause gegangen sind“, resümierte Eintracht-Übungsleiter Martens später, „wir haben eine weniger gute erste Hälfte gespielt und hatten eine Phase völliger Konfusion in der Abwehr, waren nicht stabil. So chaotisch habe ich uns in der Vorbereitung nicht gesehen.“ In der Pause, so Martens weiter, habe er „an die Kondition einer Jungs appelliert. Ich bin davon ausgegangen, dass wir konditionell deutlich stärker sind. Das haben wir in der zweiten Halbzeit auch bewiesen und einen Sieg eingefahren, der uns super weiterhilft und die Jungs jetzt unten begeistert in der Kabine sitzen lässt.“

Dafür sorgten Nathaniel Amamoo (48.), Jordan Brown (52.) und Nick Brisevac, der nach einem Foul von Christian Rohweder an Rico Bork den von Schiedsrichter Max Rosenthal (VfL Bad Schwartau) verhängten Elfmeter zum 5:2-Endstand verwandelte (62.). „Wir haben Glück gehabt, dass Lars Huxsol im Tor auch beim Stand von 5:2 noch zwei, drei Mal gut zugegriffen hat. Das hätte auch anders aussehen können“, wusste Jens Martens, bei wem er sich zu bedanken hatte. „Wir sind jetzt total glücklich. Wir hatten uns einen Sieg vorgenommen und hart dafür gearbeitet. Dieses Ziel haben wir erreicht. Damit bin ich sehr zufrieden“, so der 63-Jährige, der den Ausfall von Amamoo („Da hat es im Fuß geknackt, das hörte sich nicht gut an. Ich gehe davon aus, dass er in den nächsten zwei Partien nicht spielen kann“) hinnehmen musste und analysierte: „In der letzten Saison haben wir oft in der zweiten Hälfte abgebaut und verloren. Heute hat die Mannschaft das drauf gehabt, Aber die Jungs sind von der Kondition her noch nicht bei 100 Prozent, sie werden noch weiter bluten müssen.“

Algan: „Wir müssen genau das selbe Spiel auch gegen Lübeck spielen und nur die Dinger reinmachen“

AFC-Schlussmann Tobias Grubba war nach dem Schlusspfiff frustriert. Foto: KBS-Picture.de

„Es ist natürlich eine unangenehme Situation, wenn du fünf Dinger kassierst und 2:5 verlierst“, beschied derweil Martens' Trainerkollege Berkan Algan, „das ist vom Klang des Ergebnisses her recht deutlich. Als ob man chancenlos war. Aber das war nicht so. Deswegen ziehen wir als Fazit: Wir brauchen am Anfang durch unseren Umbruch mehr Zeit. Dass wir die Chancen so gut herausspielen, habe ich nicht erwartet. Das haben wir gut gemacht. Vom Gefühl her hatten wir viele deutliche Gelegenheiten, aber sie nicht genutzt, Das ist ein Manko gewesen und war ausschlaggebend für die Niederlage. Norderstedt hat clevere und glückliche Tore gemacht.“ Trotz der Niederlage „freue ich mich auf die Saison. Ob wie mit 1:2 oder 2:5 verlieren, ist egal. Da kräht kein Hahn mehr nach. Uns fehlten ja auch noch ein, zwei Jungs, die in der ersten Elf gestanden hätten“, so Algan.

Ergo hakte der AFC-Coach die Pleite schnell ab. „Ich sehe die Entwicklung der Mannschaft positiv, da verbirgt sich immens viel Qualität. Wir müssen uns jetzt schnell auf Lübeck vorbereiten, das ist auch keine schlechte Mannschaft“, sagte Algan im Hinblick auf das Spiel am Mittwoch um 19 Uhr und hat sein Rezept für einen erfolgreicheren Auftritt schon parat: „Wir müssen genau das selbe Spiel spielen und nur die Dinger reinmachen“, verriet er und konterte in Richtung von Jens Martens: „Und an der Kondition arbeiten – das habe ich heute gelernt.“ Oder wie es Tobias Grubba zusammenfasste: „Ich will den Jungs vorne nicht die Qualität absprechen, sie haben alle die Berechtigung für die Regionalliga. Aber wir müssen beim letzten Abschluss konsequenter sein. Das hat ja in der ersten Hälfte auch zwei Mal geklappt.“

Jan Knötzsch 

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