Oberliga

Alex’ Adiletten und starker Strömer brechen Dassendorfer (Tor-)Bann

Geduld bewahrt, Jansen ausgeschaltet: Dassendorf wieder „on top“

31. August 2019, 17:59 Uhr

Erleichterung pur! Len Aike Strömer (re.) schreit seine Freude nach dem erlösenden Führungstreffer hinaus. Foto: Bode

Wenn die TuS Dassendorf in den ersten fünf Saisonspielen eine Qualität – neben den vielen anderen – ganz besonders ausgezeichnet hat, dann war es die Geduld. In keiner Partie lag die TuS nach 45 Minuten in Front, nur zwei der bis dato 15 erzielten Tore fielen im ersten Abschnitt. „Das ist eine hohe Qualität, die wir jetzt schon so früh in der Saison haben, dass wir nicht ungeduldig werden oder viele Fehlpässe spielen, sondern auch bis zur 60. oder 70. Minute warten können und dann mit Impulsen von außen oder eben durch diejenigen, die auf dem Feld stehen und die richtigen Bälle spielen, Tore erzielen können“, weiß Trainer Jean-Pierre Richter um die Güteklasse seiner Equipe.

Marcell Jansen (li.) war bei der Dassendorfer Defensive um Amando Aust bestens aufgehoben. Foto: Bode

Auch im Heimspiel gegen den HSV III (alle Highlights im LIVE-Ticker) konnten die „Wendelwegler“ in der ersten Hälfte keinen zählbaren Ertrag aus ihrer drückenden Dominanz schlagen. Also, dachte sich Liga-Manager Alexander Knull wohl, musste in der Pause neues Schuhwerk her. Nicht etwa bei den Spielern, denen die Genauigkeit beim letzten Pass oder im Abschluss abhandenkam, sondern bei ihm selbst. Knull tauschte – auch der brütenden Hitze geschuldet – die festen Treter gegen die mehr Luftzufuhr bringenden Adiletten im „Dassendorf-Design“ samt Logo aus. Und plötzlich lief es! In der 52. Minute brach der Pokalsieger den Bann und das gegnerische Bollwerk, als Len Aike Strömer nach einem Pfostentreffer von Marcel von Walsleben-Schied den richtigen Riecher bewies und im Nachsetzen zur Stelle war. Dem 2:0 von Rinik Carolus, der eine maßgeschneiderte Hereingabe von Mattia Maggio unter die Latte beförderte (65.), ließ Sven Möller – nach Vorlage den starken Strömer – mit einem 17-Meter-Strahl in den rechten Winkel noch den dritten Streich folgen (85.).

Jansen: „Ey, habt ihr Angst oder was?!“

Nach den Ausschreitungen im letzten Jahr nach dem Spiel weilten insgesamt fünf Polizei-Beamte unter den Zuschauern am Wendelweg. Foto: Bode

„Ein völlig verdienter Sieg“, befand auch Rothosen-Coach Marcus Rabenhorst im Anschluss. „In der ersten Halbzeit waren wir viel zu passiv, hatten kaum Entlastung und haben nur zweimal in Richtung Tor geschossen. Das war zu wenig und zehrt an den Kräften und auch ein Stück weit am Selbstvertrauen, wenn man sich nur aufs Verteidigen beschränkt“, fügte er an – und erklärte: „Das war auch nicht der Plan.“ Dennoch „sind wir nicht komplett unzufrieden mit dem, was die Jungs heute abgespult haben.“ Allerdings gestand er auch, dass man sich „gerade aufgrund der Dreierkette“ bei Dassendorf „etwas mehr erhofft“ hätte und „im Umschaltspiel genau diese Räume bespielt. Das ist speziell in der ersten Halbzeit gar nicht gelungen, weil wir einfach nicht gewillt waren, den Ball zu fordern. Da waren wir viel zu ängstlich“, so Rabenhorst, der damit in dieselbe Kerbe schlug wie Marcell Jansen. Der HSV-Präsident, der bereits dreimal erfolgreich war und erneut in der Startelf stand, monierte bereits nach acht absolvierten Zeigerumdrehungen lautstark: „Ey, habt ihr Angst oder was?!“ Rabenhorst: „Max (Scholz; Anm. d. Red.) und Marcell waren allein auf weiter Flur. Wir haben es auch nicht geschafft, wenn wir den Ball mal tief gespielt haben, nachzurücken. Dadurch war es schwer und musste schon viel zusammenpassen, dass sich die Zwei gegen drei Verteidiger so durchspielen, dass man zu einem Torerfolg kommt.“

Rabenhorst: „Hat einfach nicht gereicht, um den Gegner vor riesige Probleme zu stellen“

Auch wenn Jansen heute ohne Treffer ausging und nach 70 Minuten für Dennis Ayas, der in der Schlussphase einmal an Christian Gruhne (80.) und dann an der Unterkante der Latte (86.) scheiterte, ausgewechselt wurde, habe er „in den letzten Wochen unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, viele Tore zu schießen in der Liga“. Am heutigen Tag waren er und sein Team aber „nicht zwingend genug und es hat einfach nicht gereicht, um den Gegner vor riesige Probleme zu stellen“, wie Rabenhorst feststellte.

Richter: „Die ganze Mannschaft arbeitet gezielt darauf hin, dass ein Tor fällt“

Rinik Carolus (re.) - hier gegen Dominik Jordan - erzielte das vorentscheidende 2:0 für die TuS. Foto: Bode

Während Richter im ersten Durchgang noch die fehlenden zwingenden Lösungsansätze bemängelte, „und wenn wir sie mal hatten, dann haben wir es nicht gut zu Ende gespielt“, habe er nach Wiederanpfiff „viele gute Läufe und Ballaktionen“ gesehen. Obwohl man auch „im sechsten Spiel die erste Halbzeit nicht gewinnen konnte“, was „zum Teil auch an den guten Gegnern liegt“, wie Richter meinte, müsse man „die Räume auch erstmal finden, den Gegner müde spielen und auch so eine Ballkontrolle und -zirkulation haben, dass dieser viel hinterherläuft.“ Da man mit den drei Innenverteidigern, „die wenig bis gar nichts zugelassen haben und eine brutale Konterabsicherung waren“, war der Führungstreffer nur eine Frage der Zeit – und eben auch der Geduld: „Es ist ein Produkt dessen, dass die ganze Mannschaft gezielt darauf hinarbeitet, dass irgendwann das Tor fällt. Sicherlich möchte man auch frühzeitiger im Spiel die eine oder andere Chance besser nutzen. Aber wenn man das über 90 Minuten so spielt, wie wir heute, dann darf man auch zufrieden sein“, resümierte Richter, der noch am Montag bei der Gala des Hamburger Fußball-Verbandes hinter Berkan Algan (Altona 93) den zweiten Rang bei der Wahl zum Trainer des Jahres belegte. Ein Platz, mit dem sich die TuS in dieser Saison sicherlich nicht ohne weiteres zufrieden gibt – und vielleicht tragen ja auch Knulls neue „Glücks-Adiletten“ dazu bei, dass „Dasse“ nach einem Jahr Pause am Ende wieder dort steht, wo man zumindest bis Sonntagnachmittag Platz genommen hat: An der Spitze!

Die komplette Pressekonferenz im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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