25.09.2019

Acht-Tore-Spektakel: Gnadenlose Effizienz schlägt spielerische Überlegenheit

Alsterbrüder II behält gegen Hetlingen die Oberhand

Auch Liga-Leihgabe Felix Niebuhr (re.) konnte sich bei den Alsterbrüdern II in die Schützenliste eintragen - hier scheitert er jedoch an HMTV-Keeper Wolff, ehe Algner zum 5:2 abstaubt. Foto: Dierks

Nach dem Pflichtsieg gegen den SC Pinneberg wollten die Alsterbrüder am Sonntagvormittag zuhause an der Gustav-Falke-Straße gegen Hetlingen mit einem Dreier nachlegen, zumal die junge Truppe aus Schleswig-Holstein ansonsten mit einem Auswärtssieg an den Eimsbüttelern in der Tabelle vorbeiziehen würde. Die Hetlinger wollten zeigen, daß sie auch gegen Mannschaften aus der oberen Hälfte der Tabelle erfolgreich sein können, nachdem sie in der Vorwoche 0:2 gegen Kummerfeld verloren hatten.

Nach ersten Angriffsversuchen der Hausherren, die nach der Rückkehr von Lennart Förster mit runderneuerter Innenverteidigung auflaufen, bietet sich Maximilian Wichern nach Flanke von rechts die große Chance zur Führung nach wenigen Minuten, doch sein Schuss aus zentraler, kurzer Distanz geht deutlich über den Querbalken ins Toraus. Durchatmen bei den Alsterbrüdern.

Schal-Solo sitzt - auch Niebuhr netzt

Philipp Drews (re.) bringt die Gäste zurück - nur noch 1:2- Foto: Klaas Dierks

Die erhoffen sich von ihrem Top-Torjäger Tim Algner ein Ende seiner Mini-Torflaute, und der lang aufgeschossene Spieler ist von Anfang an gut drin im Spiel. Dabei fällt er besonders dadurch auf, daß er immer anspielbereit ist, den Ball gut behauptet und ihn uneigennützig mit Auge auf besser positionierte Mitspieler ablegt. Dadurch bindet er während der gesamten Partie Hetlinger Kräfte, die andernorts fehlen und schafft so Räume für seine Mitspieler, die sie zu nutzen wissen, wenn auch vorerst ohne zählbaren Erfolg. Nach neun Minuten wird Algner erstmals selbst gefährlich, sein Drehschuss ist jedoch nicht platziert genug. Auch Hetlingen hat Chancen, ist aber ebenfalls noch zu ungenau im Abschluss. In der 23. Minute bekommen die Hetlinger den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Sönke Schal geht dazwischen und startet 30 Meter vor dem Tor ein Solo, bei dem er drei Hetlinger aussteigen lässt, um dann aus ca 16 Metern flach links zur Führung einzunetzen. "Zu unentschlossen attackiert", wird man auf Hetlinger Seite sagen. "Gut gemacht!", auf Seiten der Alsterbrüder. Das Spiel der Gäste ist auch nach dem Rückstand gut anzuschauen aber wenig zwingend. Ihre größte Chance resultiert aus einem Annahme-Patzer nach einer Rückgabe auf den Torwart, der aber folgenlos bleibt. Folgenschwerer dagegen ein Patzer in der Hintermannschaft des Gastes im Aufbauspiel, der von Felix Niebuhr in der 33. Minute gnadenlos mit dem 2:0 bestraft wird. Er schiebt die Kugel flach rechts neben dem langen Pfosten ins Tor der Blauen.

Alsterbrüder-Reserve erhöht nach Wiederanpfiff

Alec del Bono (li.) verkürzt auf 2:3 aus Hetlinger Sicht. Foto: Klaas Dierks

Hetlingen lässt sich nicht entmutigen, drückt. Um die 34. Minute drei Ecken in Folge. Eine davon köpft Kapitän Jesse Plüschau auf das Tor, doch Tore Dombrowski pariert gut, verhindert den Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt. Drei Minuten später ist es dann doch soweit. Philipp Drews veredelt einen gelungenen Angriff der Schleswig-Holsteiner mit einem energischen Flachschuss ins rechte lange Eck, noch bedrängt von der Alsterbrüder Verteidigung. Hetlingen erarbeitet, erspielt sich weitere Chancen. Der eifrige Jan-Luca Bruckmann und Kapitän Jesse Plüschau könnten nachlegen, es bleibt jedoch beim 2:1 für die Alsterbrüder. So geht‘s in die wohlverdiente Pause in einem bis dahin fairen Spiel.

Die zweite Hälfte gestaltet sich in jeder Hinsicht farbenfroher und ereignisreich. Während der nächsten 45 Minuten zückt der Schiedsrichter sechsmal Gelb, viermal gegen das Heimteam, zweimal werden Spieler der Gäste verwarnt, ohne dass das Spiel als unfair bezeichnet werden könnte. Die Duelle wurden nun einfach engagierter geführt und hin und wieder strafbewert kommentiert. In der 50. Minute schläft die Hetlinger Abwehr bei einem schnell ausgeführten Freistoß, das nutzt der angespielte Hanno Gollmer und lupft den Ball über den Torwart aus acht Metern zum 3:1 ins Netz.

Del Bono trotzt der mangelnden Chancenverwertung

Sönke Schal (li.) mit seinem zweiten Streich zur 4:2-Vorentscheidung für die Hausherren. Foto: Klaas Dierks

Hetlingen bleibt seiner spielerischen Linie treu und kommt damit gut bis zum Sechzehner. Auch in den Sechzehner, aber dann wird der Ball durch die Alsterbrüder geblockt, gehalten, oder das Spielgerät geht am Tor vorbei ins Aus. Auch Hochkaräter bleiben in der zweiten Hälfte ungenutzt. Kurzzeitig lässt sich das Heimteam von der mangelnden Chancenverwertung anstecken und vergibt ebenfalls ein 100-prozentigen Möglichkeit. Dann, endlich, mag man auf der Hetlinger Bank gedacht haben, kombiniert man sich nicht nur schön durch die Reihen der Alsterbrüder, Alec del Bono hat nun auch die Nerven, um den Ball am herausstürmenden Dombrowski ins Tor zu schieben. Nur noch 2:3 aus Sicht des Gastes. Geht da noch was? Erstmal verletzt sich der Torschütze zum 3:1 Gollmer ohne Fremdeinwirkung. Verdachtsdiagnose: Faserriss. Gute Besserung von dieser Stelle!

"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß..."

Tim Algner (2. v. li.) macht mit dem 5:2 alles klar und erzielt seinen bereits elften Saisontreffer. Foto: Klaas Dierks

Linus Paul Mende schließt die Lücke bei den Gelb-Blauen nahtlos. Und Sönke Schal stellt den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her. In der 79. Minute nimmt Algner den Ball an, schirmt ab, gibt ab, Felix Niebuhr geht ab und Schal schließt ab, zentral nach Flanke von rechts aus kurzer Distanz. Torwart Lasse Wolf ohne Chance. Zwei Minuten später hat Hetlingen erneut die Chance zu verkürzen. Maximilian Wichern macht eigentlich alles richtig und trifft doch nur den Pfosten. Da kommt einem das Andreas Brehme Zitat in den Sinn: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß..." Vier Minuten später dann die endgültige Entscheidung. Dirk Lünswilken spielt den Ball raus auf Tim Algner, Hetlingen steht zu hoch, ein Verteidiger sieht sich Algner und Niebuhr gegenüber, der von Algner angespielt wird und auf rechts Meter macht. Seinen Schuss kann Lasse Wolff noch parieren, aber Algner beweist Näschen und staubt in der 86. Minute am linken Pfosten zum 5:2 ab. Tor Nummer elf im aktuellen Wettbewerb.

HMTV betreibt Ergebniskosmetik

Das 5:3 durch Jania, dessen Schuss noch von Förster und Algner abgefälscht wird, ist in der 88. Minute lediglich Ergebniskosmetik. Durch die Niederlage fällt Hetlingen in der Tabelle auf Platz sechs hinter Lurup zurück und kann versuchen, am nächsten Spieltag gegen Kellerkind Heidgraben wieder Boden gut zu machen. Die Alsterbrüder festigen Platz zwei und müssen für ein sicher schwieriges Spitzenspiel nach Egenbüttel reisen.

Klaas Dierks

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