Oberliga

„Wenn wir zur Form finden, hat die Mannschaft das Potenzial, locker die Klasse zu halten“

Baris Saglam spricht über die derzeitigen Probleme des Meiendorfer SV

01. November 2019, 09:00 Uhr

MSV-Trainer Baris Saglam ist überzeugt, dass sie Qualitäten seiner Mannschft für mehr als nur den Abstiegskampf reichen. Foto: Bode

In seinen Idealvorstellungen hatte sich Baris Saglam die Saison in der Oberliga ganz anders vorgestellt. So viel ist sicher. Keine Verletzten, eine vernünftige, wiederkehrende Startformation, Siege, vielleicht hier und da ein Pünktchen, mit dem man vorher nicht rechnen konnte – so in etwa dürfte es in den Träumen des Trainers des Meiendorfer SV ausgesehen haben. Die Realität aber ist eine ganz andere: Der MSV hat noch immer kein in sich gefestigtes (Startelf-)Konstrukt gefunden, Verletzungen suchten den Club von der B75 heim, Sperren kamen hinzu. Das Ergebnis? Abstiegskampf! Drittletzter ist der MSV derzeit. Vorm Spiel beim SV Curslack-Neuengamme haben wir mit Saglam über die aktuelle Lage gesprochen.

Die Ansage war klar. Er wolle, so sagte der MSV-Coach am Donnerstag nach dem 1:1 gegen den Bramfelder SV, „keine frontalen, langen Bälle sehen. Das ist ein Tabu-Bereich.“ Seine Jungs sollten es vielmehr „spielerisch lösen“, formulierte Saglam. Spielerisch durch den Abstiegskampf, wo eigentlich die berühmten Tugenden wie Laufen, Kratzen, Beißen erforderlich sind – klappt das überhaupt? Wenn es nach Meiendorfs Übungsleiter geht, dann ja. „Wir müssen nur darauf gucken, was die Jungs am besten können und was wir ihnen in den letzten dreieinhalb Jahren immer wieder eingeimpft haben“, führt Saglam aus.

„Klar holen wir schwierige Charaktere – aber haben wir finanziell andere Alternativen?“

Theodoros Ganitis (re.) ist einer der Neuzugänge, die fußballerische Klasse haben, denen man aber nachsagt, nicht unbedingt pflegeleicht zu sein. Foto: Bode

„Natürlich“, konstatiert der MSV-Dirigent, „haben wir vor der Saison Spieler zu uns geholt, die von ihren letzten Vereinen, zum Beispiel beim SC Condor, anderen Fußball gewohnt sind. Aber haben sie mit ihrem Verein die Klasse gehalten...? Wir sind mit unserer Qualität und den fußballerischen Lösungsmöglichkeiten in der ersten Saison Fünfter in der Landesliga geworden. Mit einer Truppe, die sich nicht kannte und zusammengewürfelt war, nachdem Olaf Ohrt als Trainer nicht kam.“ In der zweiten Saison „sind wir aufgestiegen. Womit? Mit Fußballspielen. Im letzten Jahr haben wir dann in der Oberliga die Klasse gehalten – mit Fußballspielen. Mit Fußballspielen haben wir auch in dieser Saison unsere Siege eingefahren und das Tor gegen Bramfeld war auch fußballerisch herausgespielt“, lässt der 34-Jährige sich nicht beirren.

Dass nun einige seiner Jungs „in lange Bälle verfallen“, ist dem Coach ein Graus. „Altona hat lange Bälle gespielt und ist damit Meister geworden. Aber die haben auch von A bis Z Athleten im Kader. Wir haben finanziell nicht die Möglichkeiten, solche Top-Spieler zu verpflichten. Wir holen Spieler, die in unseren Rahmenbedingungen Top-Spieler sind“, erklärt Saglam und stellt sich auch der Kritik an den Verpflichtungen wie Theodoros Ganitis, Alexandar Mucunski oder Lukasz Sosnowski, die als nicht gerade einfach gelten: „Klar kommen dann einige und sagen, dass wir Leute holen, die charakterlich schwierig sind. Aber haben wir finanziell gesehen Alternativen? Nein! Wir müssen aus diesen Gegebenheiten das Maximum holen, den Jungs eine Chance und Perspektive bieten und uns ein eigenes Bild machen.“

„Wenn wir aus dem Maximum schöpfen, bräuchte man mich als Trainer nicht an die Seite stellen“

So wie hier Sean Paul Vinberg (Mitte) wollen die Meiendorfer möglichst wieder öfter jubeln, um im Abstiegskampf Punkte einzufahren. Foto: Bode

Aber was ist das Maximum für den MSV? Vom Potenzial her bringt das Team fraglos mehr mit, als nur unten drin zu stehen. Findet auch Saglam. „Der Kader ist normalerweise gut, das kann man von der Qualität der einzelnen Spieler her schon sagen. Aber ich habe schon in der vergangenen Woche nach dem Spiel gegen Union Tornesch erklärt: Wir haben noch nicht das Soll erfüllt, als Mannschaft zusammenzuwachsen, weil wir jede Woche eine unterschiedliche Startelf hatten. Wir konnten noch nicht zu unserer Form finden. Wenn wir zur Form finden, hat die Mannschaft das Potenzial, locker die Klasse zu halten – dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Dann würde sie nicht da stehen, wo sie jetzt steht. Aber dafür musst du eben die Gegebenheit erfüllen, dich als Mannschaft zu finden.“

Da dies bislang noch nicht gelang, heißt die Realität Abstiegskampf. Ein Grund zur Unruhe, der Spuren bei Baris Saglam hinterlässt? „Nein, dass wir unten drin stehen, hinterlässt keine Spuren. Dass wir nicht zu einer Mannschaft finden können, weil immer wer ausfällt – das beschäftigt mich mehr als die Tabellensituation“, gibt der MSV-Trainer zu verstehen und ist sich sicher: „Wenn wir aus dem Maximum schöpfen, dann bräuchte man mich nicht als Trainer an die Seite stellen. Dann läuft die Mannschaft allein auf und gewinnt ihre Spiele, weil sie Qualität hat. Da brauchst du keinen Trainer, rein theoretisch gesehen. Die Praxis sagt natürlich etwas anderes.“ Wenn man aber „an jedem Wochenende würfeln muss, wer wo spielt und die Köpfe hängen, dann macht das in dem Moment keinen Spaß“, muss Saglam eingestehen und hofft, dass er und sein Team irgendwann den Idealvorstellungen näher kommen...

Jan Knötzsch

Kommentieren