DFB-Pokal

Vor „überragender“ Kulisse: „Natürlich sind acht Gegentore frustrierend“

15. August 2023, 13:24 Uhr

Teutonen-Captain Marcus Coffie (re.) bringt Amine Adli mit vollem Einsatz zu Fall - Elfmeter. Dieser führt zum 0:4. Foto: noveski.com

Am Ende war’s deutlich. Wieder deutlich. „Zu hoch auf jeden Fall“, befand auch Torhüter Marius Liesegang unmittelbar nach der 0:8-Niederlage seines FC Teutonia 05 gegen Bayer 04 Leverkusen (alle Highlights im LIVE-Ticker). Während solch ein Vergleich zwischen David und Goliath oft auch ein Spiel für den Keeper des krassen Underdogs ist, konnte sich der Schlussmann der Teutonen gegen den Europa League-Halbfinalisten nur einmal auszeichnen, als er einen Kopfball aus kürzester Distanz von Jeremie Frimpong reflexartig entschärfte (52.). Ansonsten war nahezu jeder Schuss auf das Gehäuse des 23-Jährigen auch ein Treffer.

Das unglückliche 0:1 aus Teutonen-Sicht nach einer bis dato guten Anfangs-Viertelstunde. Foto: noveski.com

Besonders bitter und ärgerlich: Das 0:1, als sich Liesegang und Kapitän Marcus Coffie gegenseitig in die Quere kamen. „Natürlich kann man da jetzt sagen: ‚Ihr müsst kommunizieren.‘ Aber im Spiel ist das immer ein bisschen was anderes“, so Liesegang. Während Coffie in Bezug darauf erklärte: „Ich hatte das Gefühl, ich könnte da hinkommen und den Ball klären. Ich muss mir die Szene nochmal genauer anschauen, glaube aber, dass ‚Liese‘ mir den Ball im letzten Moment von der Fußspitze nimmt.“ Edmond Tapsoba sagte „Danke“ und nickte nach dem ruhenden Ball zur Führung für Bayer ein (16.).

Nichtsdestotrotz: „Ich glaube, in der ersten Halbzeit sah es auch relativ gut aus und wir haben den einen oder anderen Akzent setzen können“ konstatierte „Captain“ Coffie – aber: „Das macht natürlich was mit der Psyche, so kurz nacheinander das zweite und das unglückliche dritte Tor zu bekommen. Ich denke schon, dass uns das nochmal einen Extra-Knick gegeben hat“, sprach der 28-Jährige auf den Doppelschlag vor der Pause an. Dem 0:2 durch Victor Boniface (42.) ging eine Beinahe-Chance für die „Kreuzkirchler“ voraus, wenn Fabian Graudenz nach seinem Ballgewinn den auf links gestarteten Diamant Berisha gesehen hätte. Und unmittelbar vor dem 0:3 durch Florian Wirtz in der Nachspielzeit des ersten Abschnitts (45. +2) wurde den Hausherren ein glasklarerer Handelfmeter verwehrt, als Frimpong eine Hereingabe von Ole Wohlers an den ausgespreizten Arm bekam und Tobias Schwede im Nachsetzen am gut reagierenden Lukas Hradecky scheiterte.

"Wenn man den Torwart fragt, ist das natürlich frustrierend"

Beim wuchtigen Abschluss von Victor Boniface (Mi.) ist Marius Liesegang im Teutonen-Tor machtlos - 0:2. Foto: noveski.com

„Ich glaube aber, dass die erste Halbzeit nicht so verkehrt war“, sah auch Liesegang viele positive Ansätze. „Wir sind gut reingekommen, haben die Gegentore aber zu absolut unpassenden Zeitpunkten bekommen.“ Zudem mutmaßte der Teutonen-Torsteher: „Kriegen wir vor der Halbzeit den Handelfmeter und das 0:3 nicht, läuft es in der zweiten Halbzeit vielleicht nochmal anders. Aber so war es natürlich schwer.“ Und so überwog bei „Liese“ in den ersten Augenblicken nach dem Abpfiff auch noch die Enttäuschung – vor allem aufgrund der acht Gegentore: „Wenn man den Torwart fragt, dann ist das natürlich frustrierend. Aber das war für uns ein Bonusspiel, was wir uns in der letzten Saison hart erarbeitet haben.“

"Es ist was anderes, von 10.000 zu hören und 10.000 wirklich zu sehen"

Ein frustrierter Marius Liesegang unmittelbar nach dem Abpfiff. Der Keeper der Teutonen ärgerte sich über die acht Gegentore. Foto: noveski.com

Ein Bonusspiel, das „super anstrengend war und am Ende leider nicht so lief, wie wir uns das vielleicht vorgestellt oder ausgemalt haben“, gestand Coffie. „Aber am Ende des Tages war es natürlich trotzdem super schön, vor so einer Kulisse und vor seiner Familie und Freunden zu spielen.“ Die Stimmung am Millerntor sei „überragend“ gewesen, so der Innenverteidiger. „Natürlich hat man im Vorfeld davon gehört, dass 10.000 Karten verkauft worden sind. Aber es ist nochmal was anderes, von 10.000 zu hören und 10.000 auch wirklich zu sehen. Das freut mich ungemein, dass so viele Leute gekommen sind und uns auch nach der Niederlage noch zu applaudiert haben.“ Letztlich waren höchst offiziell sogar 11.035 Zuschauer am Millerntor.

Teutonen mit "ganz anderem Selbstverständnis"

Mit den Worten "Yannick, Junge", begrüßte Bayer-Keeper Lukas Hradecky (li.) seinen ehemaligen Teamkollegen bei Eintracht Frankfurt, Yannick Zummack. Foto: noveski.com

Und auch, wenn das Ergebnis im Endeffekt das gleiche war, wie im Vorjahr bei RB Leipzig, herrschte beim Nord-Regionalligisten ein ganz anderes Selbstverständnis: „Im letzten Jahr war es eher so: ‚Wow, wir haben den Pokal gewonnen, sind jetzt im DFB-Pokal, schauen einfach mal, was geht – und nehmen alles mit.‘ Und jetzt war es so: ‚Wir haben uns das erarbeitet, wollen einen Fight liefern und gucken, wie weit wir damit kommen.‘“ Die Pokal-Sensation ist zwar ausgeblieben und war am Ende weit weg – doch die Erfahrung und das Erlebnis wird den Spielern des FC Teutonia 05 keiner mehr nehmen können. Und schlussendlich gab es selbst von Leverkusen-Coach Xabi Alonso viel lobende Worte (HIER) für den Hamburger Stadtteilclub aus Ottensen…

Autor: Dennis Kormanjos