01.09.2019

In Rugenbergen rappelt's richtig: „Wir haben etliche Akteure, die unterirdisch spielen“

SVR-Coach Andelko Ivanko findet nach der Pleite bei Paloma klare Worte

Au Backe, es läuft nicht: Rugenbergens Coach Andelko Ivanko im Spiel gegen den USC Paloma. Foto: KBS-Picture.de

Die Bilanz der letzten Spiele fällt ernüchternd aus: Zunächst 0:5 gegen den TSV Sasel, dann 0:7 gegen den SC Victoria und nun ein 2:5 gegen den USC Paloma (Hier geht’s zum Spielbericht). Kurzum: Andelko Ivanko war nach dem Abpfiff der Begegnung an der Brucknerstraße bedient. Mächtig bedient. Noch ehe der Coach der Bönningstedter auf der Pressekonferenz nach dem Spiel eine Breitseite in Richtung seiner Defensive abfeuerte („Wenn du erst fünf, dann sieben und heute wieder fünf Gegentore kassierst, dann kannst du nicht sagen, die Abwehr war schlecht, sondern du hast einfach keine Abwehr“) ging er auch im FussiFreunde-Interview seine Truppe scharf an. 

Andelko, offenbar ist dir im Gegensatz zu deinem Engagement in Wedel beim SV Rugenbergen das Händchen für den Abstiegskampf abhanden gekommen...

Ivanko: Stimmt. In Wedel hat es funktioniert. Aber da hatte man auch andere Typen. Hier denken viele, sie können Fußball spielen. Klar, wir sind fußballerisch vielleicht besser als andere Mannschaften, aber darauf kommt es gar nicht an. Was unsere Defensive derzeit macht, ist unterstes Bezirksliga-Niveau. Das muss ich zum ersten Mal so hart sagen. Wir haben etliche Akteure, die unterirdisch spielen. Das sehen auch die anderen. Natürlich muss ich mich auch selbst hinterfragen. Jedes Mal, wenn ein Spiel seinen normalen Lauf nimmt, mache ich mit meinem Co-Trainer Daniel Domingo draußen die Planung. Wir überlegen: Das und das können wir machen – und auf einmal fällt ein Tor. Dieses Mal zum Beispiel, weil Jan Schrage mit dem Rücken zum Tor beim Eins-gegen-Eins einen Zweikampf verliert. Felix Dieterich wurde heute 15 Mal am Trikot gezogen. Das ist kein Vorwurf – so wie Paloma das gemacht hat, macht man das. Bei uns passiert gar nichts und die laufen so durch. Das Schlimmste ist: Wir kriegen noch zwei Lattentreffer und dann wird diskutiert, ob eine Szene Abseits war oder nicht. Da ist etwas in den Köpfen, was ich nicht erklären kann. Auch in der Defensive. Heute haben wir mit einer Dreierkette gespielt. Defensive besteht zu 80 Prozent aus Dingen im Kopf: Hast du einen Willen? Hast du überhaupt ein Zweikampfverhalten? Bist du dafür ausgebildet? Bei uns ist es egal. Am besten sind wir von der Breite her in der Innenverteidigung besetzt, da haben wir jetzt alles probiert – es klappt einfach nicht.

Musst du dir dahingehend dann nicht die Frage stellen, ob der Kader im Sommer nicht richtig zusammengestellt wurde?

Schaut gut hin, Jungs – so wird's nicht gemacht, scheint Ivanko in dieser Szene seinen Ersatzspielern zu sagen... Foto: KBS-Picture.de

Ivanko: Wir haben mit unseren finanziellen Möglichkeiten das bekommen, was wir bekommen konnten. Wir hätten einen Felix Dieterich und einen Kilian Utcke nicht bekommen, wenn es nur ums Geld gegangen wäre. Man hat schon gegen Victoria gesehen, warum ein Alex Borck da hin gegangen ist und nicht zu uns. Ich weiß, was er da bekommt und was er vorher in Pinneberg bekommen hat. Der kostet so viel wie drei meiner Spieler zusammen. Am Ende ist das eben so. Ich habe trotzdem gedacht, dass die Jugend und der Elan der jungen Spieler, die wir geholt haben, und die Karte Ehrgeiz bei den Jüngeren uns was bringt. Aber es ist offensichtlich, dass das nicht funktioniert. Das muss ich so deutlich feststellen. Klar, wir hätten noch drei oder vier Spieler in Sachen Kaderzusammenstellung holen können, die wir aber abgelehnt haben, weil wir 27 Spieler im Kader haben.

Man hört zudem, dass es im Kader zwischen den Jungen auf der einen und den alten Spielern auf der anderen Seite Probleme gibt...

Ivanko: Ja, aber das Problem ist auch, dass die jüngeren Spieler denken, sie müssten keine Bälle tragen und so weiter. Aber das ist nicht die Hauptursache. Im Spiel is es einfach so, dass die Erfahrung fehlt. Wenn dann auch der eine oder andere ältere Spieler keinen guten Tag erwischt, dann gehen wir unter. So wie es gegen Paloma der Fall war und in den beiden Fällen davor gegen Sasel und Vicky auch. Es ist keiner da, der das ausbügeln kann. Es gibt keinen richtigen Leader in der Mannschaft. In Wedel hatte ich vier oder fünf, die genau Bescheid wussten. Ein Sascha Richert hat vom Läuferischen vielleicht nicht mal zehn Prozent von dem, was hier ein Leon Neumann macht. Aber er hat die Bälle erobert und die Tore gemacht, wenn es drauf ankam. Hier spielen wir nicht mal richtig Foul. Taktisches Foul gegen uns? Da gibt es 15 von. Und wir begehen zwei oder drei – und wenn, dann ist es meistens noch ungeschickt. Ich will nicht zu Fouls aufrufen, das ist nur ein Beispiel, in welchen Segmenten es uns fehlt. Die einzige Vorgabe, die wir heute gegen Paloma hatten, war, 20 Minuten lang ohne Gegentor zu spielen. Mittlerweile ist das nicht mehr möglich. Ich glaube, jede Kreisliga-Mannschaft würde es schaffen, es bei zwei Gegentoren gegen einen Oberligisten zu halten. Wir sind dazu nicht im Stande. 


Interview: Jan Knötzsch

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