Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Von (nicht unberechtigten) Teutonen-Träumen und Coolness am Kiesbarg

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der zurückliegenden Woche im Hamburger Amateurfußball auf und kommentieren diese. In dieser Woche geht es um den Nord-Regionalligisten FC Teutonia und dessen Entwicklungen und Ziele sowie die Entwicklung des FC Süderelbe in der Oberliga.

An dieser Stelle lohnt es sich, die innere, imaginäre Uhr einmal zurückzudrehen. Um rund zwei Jahre. In eine Zeit, in der (fast) alles anders war, als es jetzt ist. Das Coronavirus war noch nicht über die Welt und damit auch über den Hamburger Amateurfußball hereingebrochen. Wenn, dann kündigten sich gerade einmal die ersten Boten dieser Pandemie. Dass es keine guten Boten werden würden, war allen klar – zumindest vom ersten Moment an, als das Virus zur Pandemie erklärt wurde.

Wenn die Ziele größer werden und das Image (endlich) vernünftig mitwächst

Ist auf dem besten Weg, den FC Teutonia 05 in andere Sphären zu führen: Chefcoach Dietmar Hirsch. Foto: KBS-Picture.de

Seitdem hat sich viel getan. Logisch, in knapp zwei Jahren dreht sich die Welt weiter. Auch, wenn sie sich seitdem in vielen Dingen grundlegend verändert hat. Diese grundlegenden Veränderungen hat auch der FC Teutonia 05 hinter sich. Damals, als die Pandemie noch in ihren Kinderschuhen steckte und nur zu erahnen war, wie sie im Laufe der Jahre (er)wachsen würde, war „T05“ noch ein Oberligist. Kein stinknormaler, sondern einer mit Ambitionen. Und mit Unruhen. In- sowie extern. Wenn vom Fußball an der „Kreuze“ die Rede war, dann immer von Offensivfußball, schönen Kicks. Von großen Zielen. Aber eben auch von Zwistigkeiten hinter verschlossenen Türen. Von „Machern“, die sich nicht alle nicht immer ganz grün gewesen sein sollen. Und von jeder Menge Druck.

Im März 2020 „opferte“ Teutonia damals Trainer Sören Titze eben diesen Ambitionen. Und wer weiß: vielleicht auch internen Reibereien – das wissen letztlich wohl nur die handelnden Personen so wirklich. Als sein Nachfolger wurde Achim Hollerieth installiert. Auch der ist längst wieder weg und Geschichte. Inzwischen hat Dietmar Hirsch das Sagen. Und Erfolg. Teutonia 05 hat sich für die Meisterrunde in der Regionalliga Nord qualifiziert. Und will immer noch gerne in die Dritte Liga. Die großen Ziele haben sich also nicht geändert. Nein, sie sind sogar noch größer geworden. Noch konkreter: „T05“ plant für Liga drei sogar den Bau eines neuen Stadions.

Teutonia 05 jagt keinen Luftschlössern hinterher und präsentiert sich gereift(er)

Aktuell trägt der FC Teutonia 05 seine Heimspiele im Stadion Hoheluft des SC Victoria Hamburg aus. Foto: KBS-Picture.de

Nun, weder die Dritte Liga noch das neue Stadion scheinen ein komplettes Luftschloss zu sein. In Sachen neuer Spielstätte hat man sich sogar den Hamburger Fußball-Verband (HFV) an seine Seite geholt als Unterstützer, zumindest aber als Fürsprecher. Was auffällt neben Teutonias sportlicher Entwicklung, die anders als die negative Entwicklung in Sachen Corona in den letzten beide Jahren, als positiv beschrieben werden darf: Die Zeit der Neben(kriegs)schauplätze ist vorbei. Es ist Ruhe eingekehrt beim Club von der „Kreuze“, der – heimatlos – an der Hoheluft spielt. Klar, die Ziele sind immer noch groß und werden immer noch kundgetan, aber irgendwie hat sich das Image des Clubs gewandelt. Auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Proficlub, der man sein will. Unter Umständen sogar der wichtigste.

Auch der FC Süderelbe war vor Beginn der Corona-Pandemie ein anderer als er jetzt ist. Auch am Kiesbarg passte einiges nicht zueinander, was hätte zusammenpassen sollen. Das Ende vom Lied: Chaos. Präsident Joachim Stolzenburg nahm seinen Hut, „Vize“ Matthias Nehls stand irgendwann allein und im Regen, der damalige Trainer Timucin Gürsan ging, mit ihm „flüchteten“ jede Menge Spieler – einer davon teilte sogar derbe in der Öffentlichkeit aus. Gegen Stefan Arlt. Den Mann, den einige als Strippenzieher dieses Umsturzes am Kiesbarg titulierten. Arlt selbst wollte sich zum Theater, das sich seinerzeit abgespielt hat, offiziell nie äußern. Die FussiFreunde-Redaktion fragte damals an, Arlt lehnte ab. Er hat es tunlichst unterlassen, noch mehr Öl ins eh schon unkontrolliert lodernde Feuer zu gießen, auch wenn mancher sich damals gefragt haben dürfte: Warum entkräftet er die Vorwürfe gegen ihn nicht einfach? Warum schildert er nicht einfach seine Sicht der Dinge?

Arlts Amtszeit beim FC Süderelbe: Lieber wenig Worte, aber dafür ordentliche Taten

Stefan Arlt lässt mit dem FC Süderelbe derzeit Taten sprechen. Foto: noveski.com

Nun steht es jedem frei, auf jede Situation so zu reagieren, wie er will. Und im Nachhinein muss man sagen: Wie auch immer die Dinge in der Vergangenheit am Kiesbarg gelaufen sind, gibt die Wahl der Möglichkeit Stefan Arlt im Nachhinein recht: Er hat „dicht“ gehalten, hat so weitere Unruhen rund um den FC Süderelbe vermieden. Hat den Club – zumindest aber die Mannschaft – seitdem einer Metamorphose unterzogen. Sie gleicht der von vor der Corona-Pandemie nahezu gar nicht mehr. Oder anders gesagt: Stefan Arlt hat mit dem FC Süderelbe Taten statt Worte sprechen lassen. Und diese Taten haben nach und nach ihre Früchte getragen. Von der großen Umstrukturierung um die Mannschaft herum, über die Suche nach neuen Spielern zusammen mit Manager Seweryn Malyk bis hin zu dem Fakt, dass Stefan Arlt der Mannschaft des FCS nach und nach seine fußballerische Handschrift verpasst hat. Rückschläge immer einkalkuliert – aber auch die werfen den FC Süderelbe nicht um.

Nun spielt der FCS zwar in der Abstiegsrunde der Oberliga, was nicht unbedingt unerwartbar war. Es folgt jedoch das große „Aber“: Mit den Erfolgen gegen den SC Victoria und den Hamburger SV III hat der FCS zuletzt Aufmerksamkeit generiert. Weil die Truppe, der so mancher Kenner der Oberliga fraglos die Reife für Hamburgs fußballerisches Oberhaus nicht in Gänze attestieren wollte, eben alles andere als nur ein schnöder Punktelieferant ist. Sondern für Überraschungen gut ist. Das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit, die sich nicht einmal im Ansatz von dem beeindrucken lässt, was von außen gesagt oder kommentiert wird. Wenn Stefan Arlt nun im Gespräch mit dem Portal „Amateur-Fußball-Hamburg“ konstatiert, er sei noch nicht ganz zufrieden, zugleich aber konstatiert, niemand werde „die weiße Flagge hissen“, dann weiß man: Auch hier werden Taten den Worten folgen. Und man darf auf die (Weiter)Entwicklung gespannt sein.

JK

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