Oberliga Hamburg
11. Spieltag


Niendorfer TSV

3

:

1


TSV Sasel

Anpfiff

So - 25.09. 14:00 Uhr

Spielstätte

Sachsenweg/Kunstrasen

Zuschauer

141

Schiedsrichter

Dr. Gerrit Breetholt (GW Eimsbüttel)

Oberliga

Trotz „99,5 Prozent Ballbesitz“ – „Wir haben heute drei Punkte für Niendorf erspielt!“

Jubelnde Niendorfer nach dem 3:1-Heimsieg über den TSV Sasel. Foto: Kormanjos

„Die Taschentücher hole ich nachher raus“, scherzte Ali Farhadi unmittelbar vor dem Anpfiff – und bezog sich damit auf die äußerst angespannte Personalsituation bei seinem Niendorfer TSV. Ohne etliche Leistungsträger empfing der Vize-Meister der Vorsaison den TSV Sasel zum Oberliga-Spitzenspiel (alle Highlights im LIVE-Ticker). Aufgrund der Wetterlage nicht auf dem Natur-, sondern auf dem Kunstrasen am Sachsenweg. Und das Fehlen diverser Stammkräfte machte sich zunächst auch überdeutlich bemerkbar. Aber nach 90 Minuten sah das ganz anders aus. Das Fazit von Sasel-Coach Danny Zankl: „Wir haben alles im Griff, der Matchplan geht voll auf – und wir können das Ding eigentlich locker runterspielen, weil es für uns nicht gefährlich wurde. Aber wir haben heute drei Punkte für Niendorf erspielt!“

Clifford Aniteye (Mi.) packt gegen Lukas-Gabriel Kourkis die Grätsche aus. Foto: Kormanjos

Der NTSV stand tief und massiv, überließ Sasel komplett den Ball und das Spiel. Die „Parkwegler“ agierten gewohnt ballsicher und ließen das Runde durch die eigenen Reihen laufen. Die fast schon logische Folge: Nach nicht mal 240 Sekunden stocherte Deran Toksöz das Spielgerät nach einer Freistoß-Flanke von Nico Zankl, die Kjell Ellerbrock am zweiten Pfosten in Richtung langes Eck bugsierte, über die Linie! Und auch danach schien die Frage nur zu lauten: Wann würde das Betteln der „Sachsenwegler“ um ein zweites Gegentor bestraft werden?

Sasel schlägt zu wenig Kapital aus Dominanz

Die Antwort: Gar nicht. Sasel ging viel zu verschwenderisch mit seinen Möglichkeiten um und nach 25 Zeigerumdrehungen kippte das Geschehen urplötzlich. Der wieselflinke Ibrahim Bashiru Ali sorgte mit seinen Tempoläufen ein ums andere Mal für Gefahr. Amir Ahmadi zwang Anton Lattke zu einer Fußparade (29.) und Lennart Merkle fehlte bei seinen Kopfbällen die notwendige Körperspannung sowie die Präzision (30., 34.). Die größte Chance besaßen jedoch die spielerisch überhaupt nicht in die Bredouille gebrachten Gäste nach einer Kontersituation, als Ammat Janha den Ball vertändelte und Toksöz auf halbrechts Lukas-Gabriel Kourkis auf die Reise schickte. Erst scheitere Kourkis am linken Innenpfosten, im Nachschuss an Tobias Grubba (36.).

Lattke-Fehler bringen Niendorf zurück

Tim-Philipp Krüger (li.) ist ganz eng an Sasel-Stürmer Kourkis dran. Foto: Kormanjos

„Ich glaube einfach, dass die Jungs selbst gemerkt haben, dass das heute mit dem, was wir zur Verfügung haben, schwer wird gegen Sasel, da spielerisch mitzuhalten. Das muss man sich eingestehen. Manchmal muss man halbe Schritte zurück machen, um am Ende vielleicht einen etwas größeren Schritt nach vorne zu machen. Den haben wir gemacht“, befand Farhadi, dessen Mannen auch von den Fehlern von Sasel-Schlussmann Anton Lattke profitierten. Erst holte er den durchgebrochenen Ali, der sich den Ball in jener Situation bereits viel zu weit vorgelegt hatte, ohne Not von den Beinen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Daniel Brückner zum Ausgleich (51.). Dann segelte Lattke an einer scharfen Hereingabe von Ahmadi komplett vorbei, so dass der kurz zuvor eingewechselte Leandro Casale am zweiten Pfosten ohne Gegenwehr einköpfen konnte (77.)!

"Das haben wir gut hingekriegt, die ins Spiel zu holen"

Leandro Casale (re.) auf dem Weg zum 3:1. Der pfeilschnelle Offensivakteur lässt Marc-Oliver Timm stehen und leitet den Endstand in der Nachspielzeit ein. Foto: Kormanjos

Auf einmal führte Niendorf mit 2:1, weil es Sasel schlichtweg verpasste, aus der totalen Dominanz mehr Kapital zu schlagen und „das Ergebnis klarer zu gestalten“, wie auch Zankl monierte. „Wir wurden fahrig und schlampig – und Niendorf hat sich trotzdem immer tiefer fallen lassen. Wir hätten mit einer schwachen Leistung 2:0 in Führung gehen müssen. Aber dann haben wir die nochmal schön ins Spiel geholt. Das haben wir gut hingekriegt, muss ich sagen.“

Und es wurde noch bitterer aus TSV-Sicht: Unmittelbar nach dem 1:2 zückte Referee Dr. Gerrit Breetholt (GW Eimsbüttel) nach einem Foul von Jean-Lucas Gerken im Mittelkreis gegen den im Sprint befindlichen Jesse Osei urplötzlich glatt Rot (79.)! Eine deutlich zu harte Entscheidung, wie selbst die Hausherren im Nachgang befanden. Mit zehn Mann wurde es folglich doppelt so schwer für die Zankl-Zocker, die alles probierten, aber viel zu kompliziert agierten, sich immer wieder im entscheidenden Moment verzettelten, die falsche Entscheidung trafen oder aber am mal wieder sicheren NTSV-Rückhalt Grubba hängenblieben.

"Wir haben auf die Momente gewartet, die Sasel uns Gott sei Dank gegeben hat"

In der Nachspielzeit machten die personell arg dezimierten und angeschlagenen Niendorfer nach einem Saseler Eckball (!) den Deckel drauf. Der pfeilschnelle Casale ließ Marc-Oliver Timm stehen, konnte Lattke zwar nicht bezwingen, dafür aber Merkle, der die Kugel ins verwaiste Eckige drosch (90. +1)! „Die Jungs haben das richtig gut umgesetzt. Mit einer Portion Geduld, was für mich ja das größte Talent im Fußball ist, was man neben dem Willen braucht, kann man solche Spiele auch gewinnen. Wir haben auf die Momente gewartet. Die hat uns Sasel Gott sei Dank auch gegeben. Das muss man ganz ehrlich sagen. Damit habe ich persönlich nicht gerechnet, weil Dannys Truppe immer Bombe eingestellt ist. Aber man hat auch schon in der ersten Halbzeit gemerkt, als wir unsere Momente hatten, gab es auch bei denen kleine Schwierigkeiten“, attestierte Farhadi seinen Schützlingen „eine Monster-Leistung“.

"Sind sehr anfällig und labil, haben auch nicht die Power und Präsenz"

Niendorf-Coach Ali Farhadi (Mi.) richtete nach Schlusspfiff einige lobende und bereits vorausblickende Worte an seine Mannschaft. Foto: Kormanjos

Ganz im Gegensatz zu Zankl: „Wir hatten ein paar Leute auf dem Platz, die nicht den 100-prozentigen Fokus und die Präsenz hatten. Das habe ich der Truppe eben auch gesagt: So spielt eine Durchschnitts-Mannschaft!“ Und weiter: „Du darfst hier niemals verlieren! 70 Prozent haben gereicht, um sich gefühlt 100 Torchancen zu erspielen. Aber wenn man nicht auf Zündung ist, dann vergibt man auch vier, fünf klare Dinger.“ Man habe „immer noch die gleichen Krankheiten in der Truppe wie zu Beginn der Saison. Leider kriegen wir diese nicht raus. Wir sind immer für was Gutes zu haben.“ Aber eben auch für das Gegenteil. „Wir sind leider sehr anfällig und labil, haben aktuell auch nicht die Power und Präsenz, um das besser und stabiler zu spielen. Das wissen wir nicht erst seit heute. Es hat sich nur leider wieder bestätigt.“

"Ballbesitz ist mir in so einem Siel komplett Wurscht"

Und obwohl man nicht allzu viele Ballbesitzphasen hatte und den Gegner gewähren ließ, bilanzierte Farhadi: „Ich glaube, wenn man drei Tore gegen Sasel schießt, kann man auch von einem verdienten Sieg sprechen. Ballbesitz ist mir in so einem Siel komplett Wurscht! Die können ruhig 99,5 Prozent Ballbesitz haben. Dieses halbe Prozent reicht uns.“ Man hatte „auf jeden Fall vor, mehr zu machen, als das, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben. Aber es ist schwer, da wir personal eben auch etwas dünner als sonst besetzt waren. Dennoch muss das, was da war, auch reichen, um ein Oberliga-Spiel so zu gestalten“, so der NTSV-Übungsleiter, der abschließend gestand: „Ein bisschen habe ich dran geglaubt, aber da war etwas mehr Nicht-Glaube.“ Umso überraschter und stolzer war er auf seine Jungs…

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