Regionalliga Nord

Teutonen-Frust und Norderstedt-Drama: „Hätten wir nur 20 Prozent unserer Torchancen genutzt…“

Für Yannick Zummack (Mi.) war es das letzte Heimspiel als Torwart des FC Teutonia 05. Foto: noveski.com

Er wirkte am Spielfeldrand nachdenklich und zuweilen auch entsetzt über das Gesehene und Erlebte: In seinem letzten Heimspiel als Cheftrainer des FC Teutonia 05 musste Immanuel Höhn eine 0:2-Schlappe gegen den TSV Havelse hinnehmen – und war dementsprechend bedient. Irgendwie bezeichnend für den komplett gebrauchten Nachmittag der Teutonen: Nicht nur für Höhn, auch für den einen oder anderen (verdienten) Spieler wie zum Beispiel Torhüter Yannick Zummack war es der letzte Auftritt vor heimischer Kulisse – lässt man das Pokalfinale gegen den USC Paloma mal außen vor –, eine offizielle, gebührende und eigentlich auch turnusmäßige Verabschiedung vor dem Spiel gab es aber nicht.

"Mo" Abd El Aal Ali (Mi.) köpft freistehend drüber. Foto: noveski.com

Der Keeper der Teutonen kehrt nach nunmehr fünfeinhalb Jahren an der „Kreuze“ in die Heimat nach Frankfurt zurück. In seinem vermutlich letzten Einsatz – zuletzt musste er sich stets mit der Rolle als Ersatzkeeper hinter Marius Liesegang zufrieden geben – unterlief Zummack schon nach wenigen Augenblicken ein ganz böser Schnitzer, der im 0:1 mündete. Einen Rückpass spielte der 28-Jährige in den Fuß des Gegenspielers, woraufhin Julian Rufidis den Gast aus Havelse in Front brachte (2.). Die wohl größte Ausgleichschance hatte Mohamed Abd El Aal Ali auf dem Kopf, zielte aber freistehend deutlich drüber.

Norderstedter Drama gegen Meppen

Teutonen-Trainer Immanuel Höhn blickte komplett konsterniert drein. Foto: noveski.com

Für die Vorentscheidung sorgte Vladislav Cherny kurz vor Schluss, als sämtliche Teutonen nur zuschauten und Geleitschutz lieferten – und Cherny aus 22 Metern halbrechter Position in den linken Giebel traf (83.). Durch den Sieg ist Havelse – mit dem Ex-Teutonen Besfort Kolgeci in der Startelf – am Hamburger Stadtteilclub aus Ottensen vorbei auf den siebten Tabellenplatz.

Ein ganz bitteres, fast schon tragisches Erwachen erlebte derweil der FC Eintracht Norderstedt. Gegen den SV Meppen, der „in den letzten Wochen in dieser Liga das Maß aller Dinge war“, sprach Eintracht-Coach Jean-Pierre Richter unter anderem darauf an, dass der Tabellenzweite in den letzten neun Spielen unbesiegt blieb und nur ein einziges Gegentor kassierte, erspielten sich die Garstedter „eine Vielzahl an Chancen heraus“. Ob nun „an der Box, vor der Box oder in der Box“, unkte Richter, am Ende stand immer „ein Fuß, der Torwart, das Aluminium oder der Schiedsrichter im Weg“.

"Ein sehr gutes Ergebnis mit einer sehr dünnen Leistung"

Norderstedt-Coach Jean-Pierre Richter konnte es kaum fassen, was seine Mannen an Chancen vergaben, richtete den Blick aber positiv gestimmt nach vorne. Foto: Heiden

Ein kleiner Auszug aus der Statistikzentrale: 12:0 Eckbälle und 15:1 Chancen allein in den ersten 45 Minuten! Der Spielstand lautete jedoch 0:1 durch Christopher Schepp (17.), der das Geschehen komplett auf den Kopf stellte. Kaum zu glauben! „Es gibt kein einziges Spiel in dieser Saison, wo wir so viele Standardsituationen und auch Chancen des Gegners zugelassen haben“, gab Meppen-Trainer Adrian Alipour unumwunden zu – und konstatierte: „Wir haben ein sehr gutes Ergebnis mit einer sehr dünnen Leistung erzielt.“ Denn nach 90 Minuten stand für den Gast ein 2:0-Sieg zu Buche. Jonathan Wensing traf zum äußerst glücklichen Endstand (72.). Zudem sah Norderstedts Moritz Frahm in der Nachspielzeit noch die Ampelkarte (90. +5).

"Mich motiviert das eher"

Manuel Brendel (li.), die Norderstedter "Lebensversicherung" der letzten Wochen, fehlte mit einer Mittelohrentzündung. Auch auf die Rückkehr des Torjägers ruhen die Hoffnungen. Archivfoto: noveski.com

„Heute haben wir knallhart den Ergebnis-Fußball zu spüren bekommen“, zeigte sich Richter „maximal frustriert“ – denn: „Hätten wir nur 20 Prozent unserer Torchancen genutzt, hätten die Zuschauer gefühlt die ganze Zeit stehen können, weil es viel zu jubeln gegeben hätte.“ Aber von Verzweiflung war bei „JPR“ gar keine Spur. „Mich motiviert das eher“, richtete er den Blick postwendendend nach vorne. Denn durch den 1:0-Sieg des SC Weiche Flensburg 08 kommt es nun am Samstag (15:30 Uhr) zu einem Endspiel zwischen Weiche und der Eintracht im Kampf um den Klassenerhalt. Norderstedt geht mit zwei Punkten Vorsprung in die Partie. Heißt: Ein Unentschieden würde reichen. Im Falle einer Niederlage kommt es noch zu zwei Relegationsspielen gegen den Zweiten der Oberliga Niedersachsen (TuS Bersenbrück oder Atlas Delmenhorst).

„Wir fahren mit der Überzeugung nach Flensburg, zu wissen, was wir können. Es gibt keinen Grund für einen Spannungsabfall. Wir sind weiter klar fokussiert, wissen um Flensburgs Stärke, aber auch, dass wir richtig gute Qualitäten haben. Es kommt jetzt darauf an, weiter überzeugt zu sein von der Mannschaft!“, betonte Richter abschließend.